Ermittlungen

Leiche ohne Kopf gibt Polizei Rätsel auf

In der Berliner Spree war am Donnerstag eine zerstückelte Leiche gefunden worden. Die Ermittlungen der Polizei gestalten sich nicht nur aufgrund fehlender Körperteile schwierig.

Foto: Steffen Pletl

Nach dem Leichenfund in der Spree in Oberschöneweide am Donnerstag stehen die Ermittlungen der Polizei noch am Anfang. Am Freitagvormittag waren mehrere Beamte an der Fundstelle in Höhe der Tabbertstraße auf Spurensuche. Taucher waren im Einsatz und suchten in der dort kaum zwei Meter tiefen Spree nach Gegenständen, die die Ermittler weiter bringen könnten. Neben den Tauchern wurden am Ufersaum auch Spürhunde eingesetzt. Die Untersuchungen des Falls hat die 8. Mordkommission übernommen. Ein Spaziergänger hatte Donnerstag einen verdächtigen Koffer im Wasser entdeckt und die Polizei alarmiert. Das Gepäckstück wurde gegen 15.45 Uhr aus dem Wasser geborgen und geöffnet. Der Inhalt übertraf die schlimmsten Befürchtungen der Polizisten: Ein Leichnam, zerstückelt, ohne Kopf. Die Identität der Leiche konnte bisher nicht ermittelt werden. „Fest steht bislang, dass es sich um ein männliches Opfer handelt. Die Obduktion ist bereits erfolgt“, sagte ein Polizeisprecher. Zu den näheren Umständen des Auffindens und ersten Feststellungen der Untersuchungen könne die Polizei jedoch „aus ermittlungstaktischen Gründen gegenwärtig keine Auskunft“ geben.

Der Kopf des Toten fehlt

Der Torso wies nach Informationen von Morgenpost Online bereits deutliche Spuren der Zersetzung auf. Der zerstückelte Tote im Koffer könnte also bereits Wochen oder Monate im Wasser gelegen haben. Dass Kopf und wohl auch Gliedmaßen des Getöteten fehlen, wird die Ermittlungen zusätzlich erschweren. Umso wichtiger dürften die Erkenntnisse der Gerichtsmedizin sein, die den Ermittlern häufig die ersten Anhaltspunkte erbringen. Bisher bleiben indes nur offene Fragen. So sind bislang weder der Todeszeitpunkt noch die Ursache klar, die zum Tod des Opfers geführt haben. Sicher ist nur, dass Fremdeinwirkung zum Tod der männlichen Person geführt hat. Völlig unklar sind auch die Tathintergründe sowie die Frage, wann und wo der Koffer in die Spree geworfen wurde.

Der grausige Fund weckt Erinnerungen an den Tod der 14 Jahre alten Schülerin Kristina H. aus Neukölln. Die Überreste des Mädchens waren in der Nacht zum 17. April 2007 am Rande der Grünanlage Thomashöhe in einem Koffer entdeckt worden, der von Unbekannten dort angezündet worden war. Auch hier war die Identität des verbrannten Opfers nicht leicht zu ermitteln. Dennoch stand nach kaum zwei Wochen durch einen DNA-Abgleich fest, wer die Tote war. Die Ermittlungen ergaben, dass zwei junge Männer in der fraglichen Nacht mit einem Rollkoffer gesehen worden waren. Zunächst ging die Kripo davon aus, dass Kristina bei lebendigem Leib verbrannt war. Erst zehn Wochen nach dem Verbrechen stand durch das endgültige rechtsmedizinische Gutachten fest, dass die Schülerin an einer Überdosis harter Drogen gestorben war. Zu diesem Zeitpunkt war das Mädchen unter großer Anteilnahme der Berliner bereits beerdigt worden. Eine Sonderkommission ermittelte, wurde aufgestockt, ohne dass es zu einem greifbaren Ergebnis kam. Trotz mehr als 400 Hinweisen zu dem Verbrechen, dauerte es schließlich sieben Monate, bis es zur Festnahme eines Tatverdächtigen kam. Der damals 17-jährige Ali K. verbüßte zu diesem Zeitpunkt bereits eine Haftstrafe im Jugendgefängnis, weil er mehrfach beim Handel mit Heroin gefasst worden war. Die Polizei hatte an dem Koffer DNA-Spuren sichern können, die von dem Jugendlichen stammten. Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage wegen „versuchten Mordes durch Unterlassen“. K. soll der Schülerin, die bis dahin nur Haschisch und Ecstasy konsumiert hatte, eine hohe Dosis Heroin verabreicht und ihr nicht geholfen haben, als sie bewusstlos wurde. Grund: Er wollte nicht mit seinen Drogengeschäften auffliegen und habe das Mädchen deshalb sterben lassen.

Ali K., der 2004 als minderjähriger Asylbewerber aus dem Libanon nach Deutschland eingereist war, schwieg jedoch zum Tatvorwurf – vor den Kripobeamten und im Strafprozess. Die Folge war ein Freispruch aus Mangel an Beweisen.