Schutz vor Gewalt

Mehr Sicherheitskräfte für Berlins U-Bahnhöfen

Nach der Serie brutaler Überfälle sollen jetzt Berlins U-Bahnhöfe rund um die Uhr bewacht werden – von insgesamt 200 Sicherheitskräften und 200 zusätzlichen Polizisten. Zudem soll die Video-Überwachung ausgeweitet werden. Das Alkoholverbot wird unterdes im Senat kontrovers diskutiert.

Foto: Buddy Bartelsen

Nach einer Reihe brutaler Überfälle haben die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) seit Freitag mehr Sicherheitskräfte im Einsatz. 210 Mitarbeiter privater Sicherheitsdienste seien rund um die Uhr in U-Bahnhöfen im gesamten Berliner Netz unterwegs, sagte die BVG-Vorstandsvorsitzende Sigrid Nikutta am Freitag in Berlin. Nachts werde das Sicherheitspersonal vor allem an Schwerpunkt-Bahnhöfen eingesetzt. Bislang waren 120 Angestellte privater Firmen im Auftrag der BVG unterwegs. In den Nachtstunden habe es bisher keine Verstärkung gegeben.

Die Sicherheitskräfte sollen künftig parallel zu ihrer Streifentätigkeit auch die Fahrscheine der Fahrgäste kontrollieren. Das habe es in dieser Form bislang nicht gegeben, sagte Nikutta. Damit will die BVG nach eigenen Angaben die Zahl der Schwarzfahrer reduzieren. In den vergangenen zwei Monaten habe die Quote der Fahrgäste ohne Ticket bei jeweils 3,5 Prozent gelegen.

Für mehr Sicherheit im öffentlichen Nahverkehr hat das Unternehmen bislang 120 zusätzliche eigene Mitarbeiter eingestellt. 200 sollen es insgesamt werden. Ein von Polizei, BVG und Senat verabschiedetes Sicherheitskonzept sieht außerdem 200 zusätzliche Polizisten vor. Zudem soll die Video-Überwachung ausgeweitet werden. Noch in diesem Jahr werden Nikutta zufolge sechs Stationen mit zusätzlicher Technik ausgerüstet. Im August starte eine Kampagne, mit der Fahrgäste für das Thema Gewalt sensibilisiert werden.

Nußbaum gegen Ausweitung der Video-Überwachung

Im Zuge der Umsetzung des neuen Sicherheitskonzepts waren der BVG-Vorstand und -Aufsichtsrat zu Gast bei den Betreibern der Londoner U-Bahn. Das dortige System lasse sich aber nicht eins zu eins in Berlin umsetzen, sagte Finanzsenator und BVG-Aufsichtsratsvorsitzender Ulrich Nußbaum (SPD). Die Londoner hätten mit der massiven Video-Überwachung kein Problem. Die Aufzeichnungen würden 28 Tage gespeichert. In Berlin sind es 24 Stunden. Eine deutliche Ausweitung von Überwachungskameras in Berlin „ist für mich undenkbar“, betonte Nußbaum.

Köring gegen Bier und Schnaps in der U-Bahn

Unterdessen hat sich Innensenator Ehrhart Körting (SPD) für ein Alkoholverbot auf Berliner U-Bahnhöfen sowie in Bussen und Bahnen ausgesprochen. Alkoholkonsum habe in öffentlichen Verkehrsmitteln nichts zu suchen, sagte Körting der „Bild“-Zeitung (Freitagausgabe). Alkohol enthemme, führe zu Streit und Schlägereien. Zudem verwahrlose der öffentliche Raum etwa durch herumliegende Bierflaschen und Scherben.

Körting sagte, er habe seine Verwaltung gebeten, mit der BVG über eine Änderung der Hausordnung zu sprechen. Er plädiere dafür, dass Alkohol flächendeckend verboten werde. Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) hatte jüngst ein gesetzliches Alkoholverbot im öffentlichen Nahverkehr gefordert.

Die BVG-Chefin hält ein Verbot dagegen für ungeeignet. Die Hausordnung an Bahnhöfen und in Bahnen erlaube es bereits, dass Personen, „die sich nicht angemessen verhalten“, verwiesen werden dürfen. Bei einem generellen Verbot gebe es praktische Probleme. „Sollen wir bei jedem Fahrgast eine Alkoholkontrolle durchführen?“, fragte Nikutta. Zugleich müssten sämtliche Flaschen kontrolliert werden, weil sich darin Alkohol befinden könnte.

Die im Verkehrsverband gültige Hausordnung war erst im vergangenen Jahr geändert worden. „Im Moment sehen wir keinen Grund, sie zu ändern“, betonte Nikutta.