Betrunken am Steuer

Künasts Wahlkampfmanager greift Polizisten an

Die Grünen haben den Wahlkampfmanager von Renate Künast entlassen: André Stephan war am Mittwoch vorübergehend festgenommen worden. Er war betrunken in seinem Auto eingeschlafen, das mit laufendem Motor vor einer Ampel stand. Als Polizisten ihn kontrollieren wollten, trat, schubste und beleidigte der Politiker die Beamten.

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Die Berliner Grünen müssen in der heißen Phase des Wahlkampfes auf ihren Wahlkampfleiter und Landesgeschäftsführer André Stephan verzichten. Die Partei hat ihn von seinen ihn von seinen Ämtern entbunden. Zuvor hatte die Polizei Stephan war in der Nacht zu Mittwoch festgenommen. Beamte hatten den 31 Jahre alten Politiker betrunken aufgegriffen - er war in seinem Auto eingeschlafen, das vor einer Ampel stand.

Es waren Zivilbeamte des Landeskriminalamtes, die den Grünen-Politiker aus dem Verkehr zogen. Was nach Angaben der Polizei aber nicht ohne Probleme ablief. Stephan soll Widerstand geleistet haben: Er habe geschubst, getreten und die Beamten beleidigt, zunächst habe er zudem versucht, zu fliehen. Stephan muss sich jetzt wegen mehrerer Delikte verantworten.

Nach Informationen von Morgenpost Online war den Polizisten, die eigentlich in einer anderen Angelegenheit unterwegs waren, am frühen Mittwochmorgen gegen 4 Uhr an der Holzmarktstraße in Mitte ein Wagen aufgefallen. Der VW Polo stand demnach vor einer Ampel, mit laufendem Motor und eingeschaltetem Blinker. Der Fahrer war anscheinend eingeschlafen - nun sei er kurz aufgewacht, einen Meter mit dem Auto gefahren und wieder eingeschlafen, sagte ein Polizeisprecher.

Die Polizisten stiegen aus, um den Fahrer zu kontrollieren - der Mann war "offensichtlich alkoholisiert", so die Polizei. Die Kriminalbeamten forderten eine Streife an, um den Betrunkene zur Gefangenesammelstelle bringen zu lassen. Als die Verstärkung eintraf, versuchte Stephan zu fliehen. Die Polizisten hielten ihn fest, Stephan schubste, trat und beleidigte sie - ein Polizist wurde leicht verletzt. Der Grünen -Politiker hat nach Informationen von Morgenpost Online die Beamten zudem mehrfach gefragt, ob sie nicht wüssten, wen sie vor sich haben. Auch wies der angetrunkene Mann mehrfach darauf hin, gerade vom Hoffest des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit zu kommen, so ein Polizeibeamter. Rund um das Rote Rathaus hatten am Dienstagabend mehr als 2000 Gäste auf Einladung des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) gefeiert. Unter den Gästen war auch Renate Künast. Die Spitzenkandidatin der Grünen für die Wahlen zum Abgeordnetenhaus will im September Wowereit ablösen.

Schließlich wurde Stephan dann zur Gefangenensammelstelle Süd-Ost an der Wedekindstraße in Friedrichshain gebracht. Dort wurde ihm Blut abgenommen, seine Personalien wurden aufgenommen - dann wurde Stephan entlassen. Sein Führerschein wurde beschlagnahmt.

Die Polizei ermittelt nun wegen Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Beleidigung und Trunkenheit im Straßenverkehr. Das Ergebnis des Bluttests und mithin die Antwort auf die Frage, wie stark Stephan alkoholisiert war, steht noch aus.

Die Grünen wollten die Vorgänge aus der Nacht zunächst nicht bestätigen. Am Mittag veröffentlichten sie eine knappe Mitteilung. „André Stephan wurde heute von seinen Aufgaben als Manager des Wahlkampfes und als Landesgeschäftsführer entbunden“, schrieben die beiden Parteichefs, Bettina Jarasch und Daniel Wesener. Wer nun die Nachfolge Stephans antreten wird, ist bislang unklar.

Der Ausfall ihres Wahlkampfmanagers trifft die Grünen zum Auftakt der heißen Wahlkampfphase hart. André Stephan war die zentrale Figur in der Planung und Durchführung des Wahlkampfes. Er koordinierte die Zusammenarbeit mit der von den Grünen beauftragten Werbeagentur und leitete die Einsätze der Freiwilligen, die die Partei vor der Wahl unterstützen wollen.

Stephan war seit 2009 Landesgeschäftsführer der Berliner Grünen. Für die Wahl zum Abgeordnetenhaus am 18. September kandidiert Stephan bislang als Direktkandidat in Lichtenberg (Wahlkreis 2). Sein Mandat als parteiintern gewählter Kandidat könnte der Grüne allerdings nur selbst niederlegen. Entziehen kann ihm das die Partei-Spitze nicht. Knapp zwölf Wochen vor der Wahl dürfte es auch knapp werden mit den Fristen, einen anderen Kandidaten zu nominieren.

Geboren wurde Stephan in Merseburg (Sachsen-Anhalt), er wuchs in Potsdam auf. In der dortigen Stadtverordnetenversammlung begann er seinen politischen Aufstieg - allerdings noch für die PDS. Nach einem Studium der Politik-, später der Rechtswissenschaften gehörte er dem Potsdamer Kommunalparlament von 1998 bis 2005 an, zeitweise auch als PDS-Fraktionsvize. 2005 wechselte Stephan, ein bekennender Homosexueller, zu den Grünen nach Berlin. Bereits bei der Abgeordnetehaus-Wahl im Jahr 2006 kandidierte er in Berlin-Lichtenberg, allerdings ohne Erfolg.