Blindgänger

Fliegerbombe in Zehlendorf entschärft

In Berlin-Zehlendorf wurde bei Bauarbeiten eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt. Rund 5000 Anwohner mussten ihre Wohnungen verlassen, die Polizei sperrte das Gebiet weiträumig ab. Am späten Abend konnte Entwarnung gegeben werden.

Foto: Steffen Pletl

Der Fund einer Weltkriegsbombe in Zehlendorf hat erneut einen Großeinsatz von Polizei und Rettungsdiensten ausgelöst. Entdeckt wurde die Bombe am Mittwochnachmittag an der Königstraße Ecke Ahornstraße in Zehlendorf. Dort war eine Baustelle gezielt auf eventuell noch im Boden liegende Sprengkörper untersucht worden. Ein Gebiet in einem Umkreis von 500 Metern wurde daraufhin evakuiert, 5000 Anwohner mussten nach Angaben von Polizeisprecher Martin Otter ihre Wohnungen und Häuser verlassen. Betroffen waren auch 30 bettlägerige Bewohner eines Pflegeheimes für Senioren.

Die Evakuierung war gegen 21.30 Uhr abgeschlossen. Anschließend wurde das gesamte Areal einschließlich der Potsdamer Straße und dem Teltower Damm abgesperrt. Um 22.03 Uhr hatten die Sprengstoffexperten des Landeskriminalamtes (LKA) die Bombe entschärft, die Anwohner konnten kurze Zeit später in ihre Häuser zurückkehren.

Stelle wurde vorsorglich untersucht

Gegen 16.30 Uhr hatten die Mitarbeiter einer Munitionsfirma die Bombe beim Graben in einer Tiefe von drei Metern entdeckt und die Polizei gerufen. Angesichts der zahlreichen Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg, die noch im Berliner Boden liegen – Experten sprechen von bis zu 4000 Sprengkörpern – wird das Erdreich bei vielen Bauvorhaben vorsorglich untersucht. Der Verdacht, dass sich unter dem Zehlendorfer Baugelände noch eine Bombe befindet, bestand bereits seit Mitte Mai. Da war an gleicher Stelle eine britische Fliegerbombe gefunden worden. Damals wurde der Fundort weiträumig gesperrt, Hunderte Anwohner mussten ihre Wohnungen und Häuser verlassen. „Wahrscheinlich haben wir bei den Entschärfungsarbeiten im Mai quasi auf dieser Bombe gestanden“, sagte ein Beamter des LKA nach dem neuesten Fund.

Am Mittwoch wurden nach Entdeckung der Bombe umgehend Bereitschaftspolizisten in das Gebiet geschickt, um die Umgebung abzusperren. Die Experten des LKA kamen nach einer ersten Überprüfung des Fundes zu dem Ergebnis, dass die Entschärfung des voll funktionstüchtigen Sprengkörpers nur vor Ort vorgenommen werden kann und der Zünder entfernt werden muss. Letztlich konnte der Zünder dann aber kontrolliert gesprengt werden. Die Entschärfung gestaltete sich, wie Otter sagte, zunächst schwierig, weil die Bombe deformiert war.

Für die Anwohner, die keine Möglichkeit hatten, bei Verwandten oder Bekannten unterzukommen, wurden Räume im nahe gelegenen Rathaus sowie in einer Schule bereitgestellt. Die Bewohner des Pflegeheims wurden in einer Freizeiteinrichtung des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) und zum Teil in einem Krankenhaus untergebracht. 95 Helfer des DRK waren neben einem Großaufgebot der Polizei im Einsatz.

Der Großteil der Betroffenen ließ die Räumung gelassen und ruhig über sich ergehen. Anwohnerin Sonja Welk wartete mit Bekannten in einer Freizeiteinrichtung auf die Entwarnung. „Wir kennen das hier ja schon, wir sitzen hier und warten ab“, sagte die Seniorin.

Bei der Bombe handelte es sich um ein deutsches Fabrikat mit einem russischen Zünder. „Viele Bomben gingen als Blindgänger nieder und wurden von den Russen mit neuen Zündern versehen, in die eigenen Flugzeuge geladen, um sie wiederum in Deutschland abzuwerfen. Dieses Phänomen haben wir öfter“, sagte ein Experte des LKA am Abend. Ein Fachbeamter der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ergänzte, vor allem Sprengkörper mit Säurezündern seien gefährlich, da diese Zünder durch die lange Liegezeit noch empfindlicher würden, was die Detonationsgefahr häufig erhöhe.

Noch weitaus schneller als in Zehlendorf konnte am Mittwochnachmittag ein weiterer entdeckter Sprengsatz in Adlershof entschärft werden. Bauarbeiter hatten Abend zuvor bei Ausschachtungsarbeiten die Granate samt funktionierendem Zünder an der Genossenschaftsstraße gefunden. Die Stelle wurde umgehend gesichert und abgesperrt. Da keine unmittelbare Gefahr bestand, entschieden Experten, die Granate erst am nächsten Tag zu entschärfen. Am Mittwoch evakuierte die Polizei 120 Anwohner und 30 Kinder einer Kindertagesstätte aus der unmittelbaren Umgebung des Fundortes. Kurz darauf gingen die Bombenentschärfer an die Arbeit und konnten nur Minuten später Vollzug melden. Die entschärfte Granate wurde abtransportiert, die Anwohner konnten in zurückkehren.