Humboldt-Box

Ein Klotz verstellt Berlins historische Mitte

Der asymmetrische Bau ist kaum zu übersehen: Die Humboldt-Box steht bis mindestens 2018 auf dem Schlossplatz in Mitte. Die Baukosten sollen mit Großwerbung eingespielt werden.

Foto: David Heerde

Touristen auf Fotosafari in Berlins historischer Mitte haben es als erste zu spüren bekommen: An dieser Kiste kommt keiner vorbei. Die Humboldt-Box, die Ende dieses Monats auf dem Schloßplatz in Mitte feierlich eröffnet wird, ist so platziert, dass die wichtigsten Sichtachsen im Herzen der Stadt verstellt sind. Egal, ob vom Alexanderplatz, Brandenburger Tor oder dem Werderschen Markt kommend: Wer das weltberühmte Ensemble aus Museumsinsel, Berliner Dom und Zeughaus in den Fokus nimmt, hat den knapp 30 Meter hohen asymmetrischen Klotz unvermeidlich mit auf dem Bild.

„Die Box wirkt in der Tat wahnsinnig dominant“, räumt Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) ein, dessen Behörde die Baugenehmigung erteilt hat. Doch das sei ja schließlich auch gewollt gewesen, erinnert Gothe. Schließlich ist der Ausstellungs-Pavillon Deutschlands bedeutendstem Kulturbauvorhaben seit der Wiedervereinigung gewidmet. Die Idee, direkt am Bauplatz einen Info-Pavillon zu errichten, sei also grundsätzlich richtig.

Erfolgsvorgänger rote Info-Box

Der Baustadtrat erinnert an den großen Erfolg der roten Info-Box am Potsdamer Platz. Von 1995 bis 2001 konnten Besucher vom Dach der roten Kiste, die auf acht Meter hohen Stelzen stand, die Arbeiten an den Bürotürmen, dem Shopping-Center, den Kinos, dem Theater und den Wohnungen verfolgen und sich im Inneren die Modelle der Häuser anschauen. Gut neun Millionen Besucher verzeichnete die Box bis zu ihrem Abriss.

Auf solche Zahlen hofft man nun auch in der Humboldt-Box. Schließlich soll an diesem Ort nicht nur informiert werden, sondern es sollen auch Spenden gesammelt werden, ohne die weder die historische Schlossfassade noch die barocke Ausgestaltung der Kuppel realisiert werden können. Auf insgesamt 2200 Quadratmetern, verteilt über vier Etagen, soll über den Wiederaufbau des Berliner Schlosses und seine Nutzung als Humboldt-Forum informiert werden.

"Der Grundfehler ist auch nicht die Info-Box, sondern dass der Bundestag beschlossen hat, diese nicht aus dem Topf für die Entwicklungsmaßnahmen für die Hauptstadt zu bezahlen, sondern sie sich über einen privaten Investor finanzieren zu lassen“, sagt Gothe. So kam es dazu, dass bei der Architektur nicht so genau hingeschaut wurde und stattdessen der Bewerber ausgewählt wurde, der das überzeugendste finanzielle Konzept im Gepäck hatte.

Denn allein mit den Eintrittsgeldern in Höhe von 2,50 Euro von den Besuchern der Ausstellung sowie aus den Pachteinnahmen für das Terrassencafé und ein Restaurant mit 400 Quadratmetern lassen sich die Kosten für das Gebäude mit einer Nutzfläche von 3000 Quadratmetern nicht begleichen. Das Angebot der Firma Megaposter, die die Baukosten von rund fünf Millionen Euro mit Einnahmen aus Großplakatwerbung an den Bauzäunen des Humboldt-Forums refinanzieren will, schien da am ehesten geeignet.

Dass die Firma einen schlichten Zweckbau geplant hätte, kann man ihr freilich nicht vorwerfen: Nach dem Entwurf des renommierten Architekturbüros Krüger Schuberth Vandreike sollte ein futuristischer Hingucker entstehen. Zumindest auf den Computersimulationen der Architekten wirkte das Haus auf Stelzen mit seiner Außenhülle aus Metallgewebe wie ein fein geschliffener Diamant. Und würde der Pavillon an anderer Stelle in der Stadt stehen, hätte er sicher eine Menge Fans gewonnen.

Stahl und Beton dominieren

Doch wie so häufig sieht die Realität deutlich anders aus. Statt filigranem Gefunkel dominiert massiver Stahl und Beton das Gebäude. Und das allerschlimmste: Statt sich bescheiden in das historische Gebäudeensemble einzufügen, macht sich der dekonstruktivistische Fremdkörper mit den Maßen 32 mal 20 mal 28 Meter dort reichlich breit.

Eins jedoch muss man den Werbeexperten von der Firma Megaposter lassen: Mit ihrem marktstrategischem Gespür für die gezielte Beeinflussung der Passanten ist es ihnen gelungen, den Standort auf dem Schossplatz zu finden, auf dem ein Gebäude seine maximale Dominanz entfalten kann. Da bleibt den Berlinern und ihren Besuchern vorerst nur ein Trost: „Das Ufo wird ja irgendwann wieder abheben“, so Baustadtrat Gothe.

Allerdings nicht in den kommenden Jahren: Bis Ende 2018 läuft der Nutzungsvertrag mit der Firma Megaposter. Da der Bau des Berliner Schlosses jedoch um zwei Jahre verschoben wurde und nun frühestens Ende des Jahres 2013 beginnen wird, besteht jedoch die Möglichkeit, dass der Vertrag verlängert wird. Gerd Henrich, Chef des Unternehmens Megaposter, hatte jedenfalls schon beim Richtfest für die Box im vergangenen Jahr klargestellt: „Die Box ist so solide gebaut, dass es egal ist, ob sie nun fünf oder fünfzehn Jahre dort steht.“