Wasserqualität

Keine Entwarnung für Berliner Badeseen

Beim Baden in Berlin ist Vorsicht geboten, besonders an den natürlichen Seen. Dort wurden Krankheitserreger nachgewiesen. Schwimmer sollten in die 14 Sommerbäder gehen, um sich vor Bakterien zu schützen.

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Endlich Sommerferien, 320.058 Berliner Schüler haben nun Zeit, um die Liegewiesen der 28 Sommer- und Strandbäder zu stürmen. Aber beim Baden ist Vorsicht geboten, besonders an den elf natürlichen Badestellen der Seen in und um Berlin.

Beim Unwetter am vergangenen Donnerstag sind einige Notauslässe der Berliner Kanalisation übergelaufen, ungeklärtes Abwasser floss in die Seen. Besonders der Flughafensee und der Tegeler See in Reinickendorf, die Badestellen an der Unterhavel und der Groß Glienicker See in Spandau könnten dabei mit E.coli-Bakterien verunreinigt worden sein. Die Darmkeime können, wenn sie geschluckt werden, starken Durchfall und Erbrechen auslösen.

"Da die Gewässer alle miteinander verbunden sind, raten wir Badenden auch an den anderen Seen zu mehr Vorsicht“, sagt die Sprecherin vom Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo), Sylvia Kostner. Babys und kleine Kinder sollten dem Wasser fernbleiben. Alle anderen Badegäste sollten beim Schwimmen kein Wasser schlucken und sich nach dem Schwimmen sofort abduschen. Am Dienstag erwartet das LaGeSo die Ergebnisse der Wasserproben vom Tag nach dem Unwetter in der vergangenen Woche. Erst dann weiß die Behörde mit Sicherheit, wie es um die Wasserqualität der Berliner Seen tatsächlich bestellt ist. „So lange können wir keine Entwarnung geben“, sagt Kostner.

Neben E.Coli-Bakterien werde das Wasser auf den Norovirus hin untersucht. Auf die E.Coli-Unterart EHEC, dem Erreger, mit dem sich in den vergangenen Wochen und Monaten bundesweit rund 3800 Menschen infiziert hatten und an dem 43 Menschen starben, werden die Wasserproben allerdings nicht getestet.

Nach der Verunreinigung vom vergangenen Donnerstag dauere es etwa drei bis sieben Tage, bis sich die Seen von den Krankheitserregern selbst gereinigt hätten. „Heute, am fünften Tag nach dem Unwetter besteht immer noch das Risiko einer Infektion“, sagt LaGeSo-Sprecherin Sylvia Kostner. Sie rät den Badenden zudem auf die Sichttiefe zu achten. Könne man die eigenen Füße im tiefen Wasser noch sehen, sei das Wasser sauber. Trübungen wegen Grün- und Braunalgen seien nicht bedenklich im Gegensatz zu den Blaualgen, die laut Kostner erfahrungsgemäß ab Mitte Juli aktiv werden. Sie sind an der knallgrünen Wasserfärbung zu erkennen. Bestimmte Blaualgen produzieren ein Gift, das Hautreizungen hervorrufen und Übelkeit verursachen kann.

Wer Algen, Bakterien und Schwebeteilchen sicher vermeiden möchte, kann eines der 14 Freibäder aufsuchen. Im gechlorten Wasser haben Bakterien keine Chance. „Die Becken haben zudem eine eigene Wasserversorgung“, sagt Matthias Oloew, Sprecher der Berliner Bäderbetriebe.

Schüler können an der Kasse für neun Euro einen Ferienpass kaufen und damit an jedem Tag schwimmen gehen. Der Pass gilt für sämtliche Berliner Freibäder, bis auf das Sommerbad in Gropiusstadt sind alle geöffnet. Wer zum Sommerbad in Wilmersdorf geht, wird zwar nicht vor verschlossenen Toren stehen. Da jedoch im Freibad ein neues Schwimm- und Planschbecken gebaut wird, sind Teile der Liegewiese gesperrt und das Sonnenbad kann durch Baulärm gestört werden. Das vormalige Nierenbecken im Sommerbad Wannsee musste eingerissen werden, da es auf Trümmerschutt aus dem Zweiten Weltkrieg gebaut worden war und einzubrechen drohte.

In den anderen Sommer- und Strandbädern ist einiges geboten, was auch Wassermuffel begeistern dürfte. So feiern etwa die „Seefestspiele Berlin“ am Wannsee Premiere. Auf einer schwimmenden Seebühne wird vom 11. bis 28. August Mozarts Zauberflöte aufgeführt. Am kommenden Samstag findet im Strandbad Wannsee das Popfestival „Energy in the Park“ statt.

Weitere Informationen: www.berlinerbaederbetriebe.de