Sanierung

Zukunftswerkstatt will Mehringplatz verschönern

Der Mehringplatz soll schöner werden: In einer Zukunftswerkstatt wurde geplant, dass Cafés, Galerien und Kreative die südliche Friedrichstadt beleben sollen. Das Gewerbekonzept wird dabei mit den Hausbesitzern zusammen entwickelt.

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Wulfhild Sydow lässt den Blick von ihrer Terrasse im 14. Stock des Hauses an der Wilhelmstraße 3 über den Mehringplatz schweifen. Das Haus beheimatet 120 Mietparteien. Viele Migranten aus der Türkei, aus dem arabischen Raum und Russland gehören zu den Nachbarn. Die 71-jährige Professorin im Ruhestand wohnt gern in ihrem Kreuzberger Kiez, auch wenn sie täglich spürt, wie die Probleme an diesem Ende der Friedrichstraße zunehmen. Mit Vandalismus, hoher Jugendarbeitslosigkeit, sogar mit Fixern im Hausflur hat sie zu tun. Um etwas gegen die zunehmende Verwahrlosung zu unternehmen, engagiert sich die ehemalige Hochschul-Pädagogin im Quartiersmanagement. Und das bereits seit Jahren. Den Frust, dass ihre Kabarettgruppe "Kiez-Krähen Kreuzberg" vom Quartiersmanagement eingestellt wurde, weil die Stärkung des Nachbarschaftsgedanken durch das Projekt angeblich bereits erreicht wurde, hat sie weggesteckt. Der neuen Zukunftswerkstatt, mit der der Mehringplatz jetzt nach vorne gebracht werden soll, will sie noch eine Chance geben. "Das ist aber der allerletzte Versuch", kündigt sie etwas resigniert an.

Während eines zweitägigen Treffens wurden bereits Ideen zur Verschönerung des Mehringplatzes gesammelt wurden. Auch der Bürgermeister des Bezirks, Franz Schulz (Grüne) sowie Vertreter des Senats sowie der Wohnungsunternehmen Gewobag und Eucal beteiligten sich an der Suche nach Lösungen. Am heutigen Montag werden die Ergebnisse um 18.30 Uhr in der Galilei-Grundschule an der Friedrichstraße 13 vorgestellt. Das Quartiersmanagement als Initiatorin der Zukunftswerkstatt ist froh, alle – auch die Geschäftsleute – an einen Tisch gebracht zu haben. "Wir haben wichtige Themen erarbeitet, die wir jetzt alle gemeinsam umsetzen wollen", sagt Kristijana Penava. Sie ist die Geschäftsführerin des Quartiersmanagements, dem jährlich rund 150.000 Euro Fördergeld zur Verfügung steht. Es floss bislang in Bildung und Aktivierung der Nachbarschaft. Die Zukunftswerkstatt hat gezeigt, dass dringend auch in eine Verschönerung des Mehringplatzes investiert werden muss.

Mieter klagen nicht nur über ungepflegte Grünanlagen, die nicht einladend gestaltet sind, sondern auch über wenig attraktive Läden. Hier soll mit den Hausbesitzern ein gemeinsames Gewerbekonzept entwickelt werden. Cafés, Galerien und Kreativ-Geschäfte sollen die südliche Friedrichstadt, die von sozialem Wohnungsbau geprägt ist, nach vorne bringen. Auch um den leer stehenden Blumengroßmarkt will sich das Team kümmern.

Dass der Engel auf dem Mehringplatz-Brunnen, die Victoria, bereits seit fünf Jahren eingelagert ist, weil die BVG die angekündigte Sanierung der U-Bahn-Tunneldecken immer wieder verschoben hat, wollen die Anwohner ebenfalls nicht länger hinnehmen. "Hier zeigen sich erste Erfolge – und zwar dadurch, dass Institutionen und Verantwortliche jetzt miteinander sprechen", berichtet die Quartiersmanagerin. Die Bauarbeiten würden in Kürze beginnen. Dazu werde der Brunnen abmontiert. Der Bauzaun dürfe während der einjährigen Bauzeit als Schaustelle für Informationen genutzt werden.

Sobald die Bauarbeiten beendet sind und der Brunnen vom Bezirk wieder aufgebaut ist, soll es mit den Außenanlagen weitergehen. Die Gewobag – sie besitzt 1033 Wohnungen im östlichen Teil des Mehringplatzes sowie im Innenkreis – übernimmt die Kosten der Neubepflanzung und hat dafür 30.000 Euro zugesagt. Eine Arbeitsgruppe, in der sich auch Mieter engagieren, will die Grünfläche planen. Die BVG will Rollrasen zur Verfügung stellen und auch der zweite große Wohnungsbesitzer (330 Wohnungen), die Eucal, will Geld ins öffentliche Umfeld investieren. "Wir werden ein Drittel dieser Kosten übernehmen", sagt Kerstin Krause, Geschäftsführerin der Gewobag-Mieterberatung GmbH.

Für die Zukunft hoffen die Initiatoren, dass sich die Bewohner des Viertels noch mehr engagieren. Kleine Erfolge seien bereits da. Für die 45 Blumenkübel, die das Quartiersmanagement in der Mitte des Fußgängerweges zwischen Friedrichstraße und Halleschem Tor aufgestellt hat, haben zwei Bewohner das Gießen übernommen. Ehrenamtlich.

Mit dem interkulturellen Garten, der im hinteren Bereich der Friedrichstraße 1 eröffnet wurde, bieten sich neue Möglichkeiten, ins Gespräch zu kommen. Der Ausbau des Gartens mit Toiletten, Grillstation und sogar einem Ofen zum Brotbacken hat 180000 Euro gekostet, finanziert mit Geld aus dem Senatsprogramm "Soziale Stadt". Jetzt hoffen alle, dass der Mehringplatz, der bis zum Zweiten Weltkrieg Belle Alliance Platz hieß und neben dem Leipziger und dem Pariser Platz als einer der schönsten Berlins galt, wieder zu seiner alten Schönheit zurückfindet.

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