Schönefeld

Regierungsflughafen nicht vor 2015 fertig

Erst 2013, dann 2014, nun 2015: Die Eröffnung des neuen Regierungsflughafens in Schönefeld verschiebt sich schon wieder. Die Maschinen müssten weiter leer von Köln nach Berlin fliegen – nicht nur eine große Kerosin-Verschwendung.

Foto: David Heerde

Der Bau des Regierungsflughafens in Schönefeld verspätet sich mindestens um drei Monate. Nach Informationen von Morgenpost Online wird das zuständige Brandenburger Infrastrukturministerium die Baugenehmigung frühestens im Juli vorlegen. Auch wenn die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) an der Fertigstellung des Regierungsterminals Ende 2014 festhält, werden die notwendigen Hangars für die Stationierung und Wartung der Regierungsflotte später fertig. In einer Stellungnahme der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) auf Anfrage von Morgenpost Online heißt es: „Die Inbetriebnahme des neuen Protokollgebäudes wird weiterhin für Ende 2014 angestrebt, so dass ab diesem Zeitpunkt die Abfertigung vom neuen Terminal aus erfolgen kann. Die weiteren Hochbauten werden sukzessive danach fertiggestellt.“

Damit wird sich der Umzug der Regierungsflotte vom Flughafen Köln-Wahn voraussichtlich erneut nach hinten verschieben. Maschinen der Flugbereitschaft müssten dann auch über 2014 hinaus – wie bisher – leer von Köln nach Berlin fliegen, um für die Kanzlerin oder einen Amtsnachfolger, Regierungsmitglieder und den Bundespräsidenten zur Verfügung zu stehen. Klimapolitisch und auch fiskalisch eine schlechte Sache. Für das Jahr 2007 hatte das zuständige Bundesverteidigungsministerium damals auf Anfrage der FDP angegeben, dass 86 Prozent aller Flüge der Regierungsflotte zwischen Köln und Berlin leer geflogen wurden. Das entsprach einer Strecke von 306.033 Kilometern und nach Berechnungen der FDP einer Million Liter Kerosin.

Fertigstellung mehrmals verschoben

Bei der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) wollte man sich zu der Frage der Stationierung der Regierungsflotte und mögliche Interimslösungen nicht äußern. Klar ist, dass für den Empfang von Staatsgästen und die Abfertigung der Regierungsflüge bis zur Fertigstellung des Regierungsterminals das bisherige Terminal A des Flughafens Schönefeld als Zwischenlösung genutzt wird . Das wird nötig, da der Flughafen Tegel mit Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens BER am 3. Juni 2012 geschlossen wird, und weil damit das Tegeler Regierungsterminal nicht mehr zur Verfügung steht.

Bereits im Jahr 2009 hatte sich herausgestellt, dass der Regierungsflughafen nicht, wie ursprünglich geplant, pünktlich mit Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens BER (bisher: BBI) in Betrieb gehen werde . Damals nannte die Bima das Jahr 2013 als Fertigstellungstermin. Im vergangenen Jahr dann hieß es, dass erst 2014 mit der Inbetriebnahme zu rechnen sei. Auch hatten sich die Kosten von 125 auf 310 Millionen Euro mehr als verdoppelt, wie Morgenpost Online damals berichtete .

Mit dem Bau des Regierungsterminals soll nun erst begonnen werden, wenn der neue Hauptstadtflughafen im nächsten Jahr wie geplant in Betrieb geht und Schönefeld-Alt geschlossen wird, sagte der bei der Bima zuständige Projektleiter Robert Erfen.

Fritz Kühn gestaltete Teile der Villa

Bis es soweit ist, muss aber im Rahmen der Baugenehmigung noch über den Abriss der sogenannten Generalsvilla entschieden werden. Ein durchaus brisantes Thema, da das 1949 vom damaligen Berliner Architekten Georg Hell für die sowjetische Besatzungsmacht errichtete repräsentative Generalshotel und Empfangsgebäude unter Denkmalschutz steht. Die sowjetische Militäradministration hatte den Bau in Auftrag gegeben, um dort Generäle und Persönlichkeiten der Politik und Wirtschaft abzufertigen.

Die DDR-Regierung nutzte die exklusive mit rotem Marmor, Kassettendecke und kunstvoll gestalteten Wandlampen eingerichtete Villa später für die Sonderabfertigung internationaler Gäste. Wie erst kürzlich wieder bekannt wurde, stammen die Geländer und Gitter in der Villa von dem bekannten Kunstschmied und Metallbildhauer Fritz Kühn (1910 – 1967). „Das war uns zunächst auch nicht bekannt“, heißt es aus dem Brandenburger Landesdenkmalamt, das die Villa 1996 unter Schutz stellte. In der Begründung dazu heißt es, dem Gebäude komme eine „besondere orts- und regionalgeschichtliche Bedeutung“ zu, es sei „für die Erforschung der politischen Geschichte der Nachkriegszeit“, für „die Architekturgeschichte“ bedeutsam und als „baukünstlerisch erstrangiges Zeugnis der Architektur“ bewahrenswert. Eine entsprechende Stellungnahme hat die Denkmalpflege bereits im Rahmen des Genehmigungsverfahrens für den Regierungsflughafenbau abgegeben.

Noch steht die Villa, die spätestens bis zur BER-Eröffnung von der Bundespolizei genutzt wird, wie ein exotischer Solitär auf dem Schönefelder Flughafenfeld inmitten von Bäumen und Büschen. Doch nach Plänen der Bima soll sie dem Regierungsflughafen weichen. Der Abriss sei unabdingbar, sagt Bima-Projektleiter Robert Erfen. „Die Betriebsabläufe machen es nötig, sich von dem Objekt zu trennen.“

„Erschreckend“ findet das Helgard Kühn. Die Schwiegertochter des Metallbildhauers Fritz Kühn kann nicht glauben, dass „keine vernünftige Lösung“ für die Erhaltung der ehemaligen „Generals-Villa“ gefunden wurde. „In diesem Fall möchte ich fast von Kulturvandalismus sprechen“, sagt Kühn. „Denn es handelt sich ja auch um ein besonderes Zeitdokument. “ Kühn beklagt, dass viele Werke Fritz Kühns auf dem Gebiet der ehemaligen DDR verschwinden. „und überhaupt kein Augenmerk auf den Künstler, der nicht den sozialistischen Realismus bediente“ gerichtet wird. Die Enkelin des Architekten Georg Hell, Nina Hell, selbst Architektin in Berlin, hält den Abriss ebenso für einen Frevel.

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