Ankündigung

BVG will die Ticketpreise erhöhen

Nach Millionenverlusten müssen die Berliner Verkehrsbetriebe BVG in fünf Jahren Gewinn machen. Erreicht werden soll das ehrgeizige Ziel durch deutlich mehr Fahrgäste, aber auch mit höheren Ticketpreisen.

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Die hoch verschuldeten Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) wollen in fünf Jahren schwarze Zahlen schreiben. Vorstandschefin Sigrid Evelyn Nikutta will durch mehr Fahrgäste und höhere Fahrpreise die Einnahmen jedes Jahr um drei Prozent steigern.

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Auf die Berliner kommen in den nächsten Jahren weitere Fahrpreiserhöhungen zu. Denn die hoch verschuldeten Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) wollen in fünf Jahren schwarze Zahlen schreiben. Für 2016 peilt das landeseigene Unternehmen erstmals ein kleines Plus von zwei Millionen Euro an, kündigte Vorstandschefin Sigrid Nikutta am Mittwoch an. Erreichen will sie das ehrgeizige Ziel durch deutlich mehr Fahrgäste – aber auch mit höheren Fahrpreisen.

Pro Jahr will die BVG ihre Einnahmen um drei Prozent steigern. „Nur so werden wir auf einen grünen Zweig kommen“, sagte Nikutta. Konkret geplant seien Tariferhöhungen im Moment aber nicht. Bereits zum 1. Januar 2011 waren die Fahrpreise in den öffentlichen Verkehrsmitteln in Berlin und Brandenburg um knapp drei Prozent gestiegen. Eine weitere Erhöhung noch in diesem Jahr gilt wegen der anstehenden Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus jedoch als ausgeschlossen.

Das vergangene Jahr hat die BVG erneut mit einem dicken Minus abgeschlossen. Das Defizit betrug bei einem Gesamtumsatz von mehr als 1,1 Milliarden Euro knapp 78 Millionen Euro. Das ist ein um zwölf Millionen Euro höheres Minus als noch 2009 (minus 66 Millionen Euro). Die Schulden der BVG sind 2010 gegenüber dem Vorjahr um 47 auf 730 Millionen Euro angewachsen. BVG-Chefin Nikutta sprach dennoch von einem „ausgesprochen erfolgreichen“ Jahr. Es gehe ihr nicht um kurzfristige Ergebniskosmetik, sondern um langfristige Sicherung von Arbeitsplätzen und ein gutes Angebot für die Berliner. Gerade angesichts der Krise bei der S-Bahn habe die BVG bewiesen, dass sie „das Rückgrat des öffentlichen Nahverkehrs in Berlin“ sei. In Spitzenzeiten hätten Busse und Bahnen täglich deutlich mehr als drei Millionen Fahrgäste – bis zu 500.000 mehr als an normalen Tagen – durch die Stadt transportiert. Dafür habe das Unternehmen zeitweise alle seine Reserven einsetzen müssen.

Trotz des im Vergleich zum Vorjahr höher ausgefallenen Defizits bezeichnete auch Finanzvorstand Henrik Falk das Jahresergebnis der BVG als Erfolg. So sei es gelungen, die eigenen Zielvorgaben einzuhalten, obwohl allein die stark gestiegenen Preise für Strom und Diesel zu Mehrausgaben in Höhe von acht Millionen Euro führten. Auch hätten Rückstellungen, die durch eine Gesetzesänderung erzwungen wurden, das Ergebnis belastet. „Ohne diese einmaligen Effekte hätten wir ein um 20 Millionen Euro besseres Ergebnis als im Vorjahr gehabt“, so Falk.

Offen ist weiterhin, welche Auswirkungen frühere Kreditgeschäfte zum Kauf von Bussen und Straßenbahnen noch haben werden. Für die riskanten Cross-Border-Lease-Geschäfte in den Jahren 1997 bis 2002 hatte die BVG bereits 2008 eine Rückstellung in Höhe von 156 Millionen Euro gebildet. Über Forderungen in dreistelliger Millionenhöhe befindet sich die BVG noch immer im Rechtsstreit mit einer großen US-Bank, der nun von einem Londoner Gericht entschieden wird. Der Ausgang gilt als völlig offen. „Wir haben aber das Risiko in maximaler Höhe abgesichert“, so Finanzvorstand Falk.

Insgesamt steckt die BVG weiterhin in der finanziellen Zwickmühle. Sie kann die großen Ausgabenposten – allen voran mit jährlich 544 Millionen Euro die Kosten für das Personal – nicht senken. Im Gegenteil: Bereits vereinbarte Tariferhöhungen, Kostensteigerungen im Energiebereich und zusätzliche Ausgaben etwa für mehr Sicherheit in den U-Bahnhöfen sorgen für stetig steigende Ausgaben. Gleichzeitig hat der Senat seine jährlichen Zuwendungen in einem seit 2008 gültigen Verkehrsvertrag auf 250 Millionen Euro begrenzt. Es laufen zwar Verhandlungen über Korrekturen, doch auch da ist im Wahljahr mit keinen substanziellen Verbesserungen zu rechnen. Angesichts der Berliner Haushaltslage rechnet bei der BVG derzeit niemand mit zählbar mehr Geld.

Bleibt noch der Fahrgast als wichtigste Einnahmequelle. Bereits ohne Ticketpreiserhöhung konnte die BVG im Vorjahr die Fahrgeldeinnahmen um 4,2 Prozent auf knapp 529 Millionen Euro steigern. Beigetragen hat dazu auch die S-Bahn-Krise. Durch die damit verbundenen Freimonate stieg die Zahl der Monatskartenabonnenten auf 305.000.