Radtouren rund um Berlin

Mit dem Rad durch die Traumlandschaft der Könige

Babelsberg, Glienicke und die Pfaueninsel waren einst Spielwiesen der preußischen Herrscher. Morgenpost Online stellt eine Radtour in jene Parks vor, die mit ihren Schlössern zu den schönsten Erholungsgebieten der Welt zählen.

Foto: Reto Klar

Seit Conny Froboess' Gassenhauer mit der Badehose ist es bei den ersten Sonnenstrahlen eine stehende Berliner Redewendung: „Nischt wie raus nach Wannsee“. Ihr Hit ist zwar nun schon 60 Jahre alt, aber als Begleitmusik für unseren heutigen Ausflug durchaus noch passend. Herrlicher Seeblick, schattige Waldwege, ruhige Parks und schöne Gartencafés – die Radtour am Havelufer entlang ist ein Klassiker und gehört zu den abwechslungsreichsten Strecken in Berlin.

Die Tour beginnt etwas trubelig. Vor dem S-Bahnhof Wannsee bahnen wir uns vorsichtig den Weg durch Scharen von Spaziergängern. Wir fahren auf den Europa-Radweg, wechseln bald auf den Mauer-Radweg und sind schon am Wasser. Wir rollen an Ausflugsdampfern und Yachten vorbei. In der Straße Am Großen Wannsee kehren wir dem Straßenverkehr den Rücken. Hinter den imposanten Villen der Ruder- und Segelclubs glitzert der Wannsee wie gemalt. Nach ein paar hundert Metern halten wir an und besuchen Max Liebermanns „Schloss am See“.

Im Garten des großen Künstlers

Inspiriert von Wasser, Wald und Sonne hat der Künstler hier bis zu seinem Tod 1935 Hunderte seiner Gemälde gemalt. „Das Besondere ist, dass Sie das, was Sie auf den Bildern sehen, auch im Garten entdecken können“, sagt Sandra Köhler(35), Pressesprecherin des Vereins Max-Liebermann-Gesellschaft. Gerade jetzt im Juni blickt der Besucher auf ein Blumenmeer aus roten, gelben, blauen, weißen Blüten. Max Liebermann hat aber nicht nur seinen Garten gemalt, derzeit ist in der Villa die große Sonderausstellung „Liebermann am Meer“ zu sehen (bis 15. August 2011). Mehr als 40 Gemälde zeigen Motive von seinen Aufenthalten an der Nordsee. „Die hat er gemalt, bevor er in dieses Haus zog“, sagt Sandra Köhler. „Dünen, Sand – richtige Urlaubsbilder.“

Was sich Besucher auch nicht entgehen lassen sollten, ist das Café. „Sie sitzen auf der ehemaligen Gesellschaftsterrasse, etwas erhöht, unter Ihnen die Blumenterrasse und die Gartenwiese. Und obwohl der Wannsee ein Stückchen entfernt ist, haben Sie das Gefühl, direkt am Wasser zu sitzen.“ Tatsächlich, es ist ein einmalig schöner Ort. Man fühlt sich wie zu Hause und gleichzeitig wie im Urlaub. Jeden Mittwoch um 14 Uhr, am Wochenende und an Feiertagen um 14 und 16 Uhr, führen Ehrenamtliche durch die Villa (3 Euro). „Sie haben die einstündigen Führungen zu ihrer Aufgabe gemacht. Das sind wirklich Liebermann-Experten“, sagt Sandra Köhler.

Ein kurzes Stück weiter auf unserer Tour – größer könnte der Gegensatz nicht sein –, macht ein schlichtes Schild aufmerksam auf einen Ort des Grauens: das Haus der Wannsee-Konferenz. In der ehemaligen Industriellenvilla wurde am 20.Januar 1942 die systematische Deportation und Ermordung der Juden geplant.

Beim Denkmal „Flensburger Löwe“ haben wir Panoramablick über den See und schauen den Segelbooten dabei zu, wie sie kleine Striche durchs Wasser ziehen. Auf der anderen Seite des Sees entdecken wir viele kleine bunte Punkte – die Badegäste im Strandbad Wannsee. Wir wenden uns wieder der Landseite zu und biegen links in den Waldweg ein. Wir fahren gemütlich immer am Ufer entlang, vorbei an bewachten Badestellen – eine große ist am Heckeshorn – und Aussichtsbänken.

Nach einer kleinen Steigung rollen wir auf die Pfaueninsel zu. Am Ufer müssen wir das Rad abstellen, Besucher dürfen die unter Naturschutz stehende Insel nur zu Fuß betreten. Die Landschaftsgestaltung der Insel begann unter Preußenkönig Friedrich Wilhelm II. Ende des 18.Jahrhunderts. Zu dieser Zeit wurden das Schloss und die Meierei gebaut. Ihre Blütezeit erlebte sie unter Friedrich WilhelmIII. und dessen Frau, Königin Luise. Der König ließ auch viele Tiere auf die Insel bringen, zeitweise lebten dort mehr als 800, darunter Rentiere, Wasserbüffel und Bären. Eine rund zwanzig Meter lange Fähre bringt uns auf die Insel. Andreas Naruhn ist einer der Fährmänner. Der 48-Jährige hat die Zwei-Minuten-Fahrt schon mehr als 100.000 Mal absolviert. Ganz genau weiß er das aber nicht: „Wir führen keine Strichlisten“, sagt er lächelnd. Im Winter ist die Insel eine Oase der Ruhe, im Sommer wird es schon mal turbulent vor dem weißen Märchenschloss. „An guten Tagen haben wir hier um die 2000 Besucher“, sagt Naruhn. Auf der Liegewiese breiten wir die Picknickdecke aus, tanken Sonne und stärken uns.

Wieder auf dem Festland fahren wir an der Kirche St. Peter und Paul mit ihrem Zwiebelturm vorbei bis zum Wirtshaus Moorlake und gönnen uns ein Eis. Wenige Meter dahinter halten wir an zwei grünen Bänken. Hier bietet eine niedrige Steinmauer die perfekte Plattform für ein Foto. Auf der gegenüberliegenden Seite sehen wir die Sacrower Heilandskirche mit ihrem schlanken Glockenturm. Jahrzehntelang, bis zur Wende stand sie zwischen den Welten, im Niemandsland. Die DDR ließ sie verfallen. Erst Mitte der 90er-Jahre wurde sie restauriert.

Zu unserer Linken zieht die Teufelsbrücke mit dem Wasserfall die Blicke auf sich. Dann kommen wir zum Schloss Glienicke. Hier müssen wir die Fahrräder am Eingangstor zum Park abstellen und zu Fuß die kleine Anhöhe bewältigen. Der Weg lohnt sich, das nach Karl Friedrich Schinkels Entwürfen errichtete Ensemble aus Schloss, Casino, Großer und Kleiner Neugierde sowie der großen Fontäne mit den beiden goldenen Löwenskulpturen gehört zu den bedeutenden Berliner Kulturdenkmälern. Die Antike stand Pate für Bauten, die jene „heiter-festliche Würde“ ausstrahlen, die schon Goethe bewunderte.

Wir fahren weiter, halten uns rechts und unterqueren die Glienicker Brücke. Durch ein kleines schwarzes Tor im Zaun gelangen wir in den Park des Jagdschlosses Glienicke. Leider ist die Fassade des Barockschlosses verhüllt – die Bauarbeiten werden wohl erst 2012 beendet sein. Durch ein schmuckes Tor verlassen wir den kleinen, ansehnlichen Park und folgen den Schildern zum Schloss Babelsberg.

Ein Stück Schweiz am Rande Berlins

Auf der Waldmüllerstraße ist das Dorfgefühl von früher noch spürbar. Kopfsteinpflaster, Kleingärten – und zwei restaurierte Schweizer Häuser, die neben den anderen Häusern wirken wie Kuckucksuhren neben Küchenweckern. Prinz Carl von Preußen, Sohn von König Friedrich Wilhelm III, hatte zwischen 1863 und 1867 neun Schweizer Häuser bauen lassen. Sie sollten als Unterkunft für Bedienstete dienen. In der Waldmüllerstraße stehen noch zwei Exemplare an der Bäke. Die anderen Häuser wurden für den Mauerbau abgerissen. Wir halten an der Ampel und warten, dass der Gegenverkehr uns auf die kleine Brücke über die Glienicker Lanke lässt. Klein Glienicke gehörte früher zur DDR, befand sich aber auf westlichem Gebiet. Es war von Babelsberg aus nur über diese Parkbrücke zu erreichen.

Eine saftig grüne Baumlandschaft empfängt uns in dem von sanften Hügeln geprägten Park Babelsberg. Leider ist das Schloss wegen Sanierungsarbeiten voraussichtlich bis 2013 geschlossen. Es gibt zwar einen Radrundweg, komplett kann man den Park aber nicht umrunden. Wer Abkühlung sucht, kann zum Strandbad am anderen Ende des Parks fahren. Dort lohnt es sich aber auch, mal über das Wasser zu gucken. Potsdam präsentiert sich hier von seiner schönsten Seite. Ein Blickfang ist das neue Hans-Otto-Theater an der Schiffbauergasse.

Nachdem wir die Parkbrücke erneut überquert haben, fahren wir am Ufer des Griebnitzsees unter dem Schutz dichter Laubbäume entlang, später durch den Düppeler Forst Richtung Wannsee. Auch hier müssen wir noch ein paar kleine Hügel überwinden, bevor wir zur Potsdamer Chaussee kommen. Am S-Bahnhof Wannsee klingt unsere Tour aus – aber vorher blicken wir noch einmal übers Wasser.

Hier die Karte als PDF.

Und hier gibt es die Wegbeschreibung dazu.

Alle Teile unserer Serie finden Sie unter www.morgenpost.de/radtouren.