Umzug

Beim Berliner Kinderkarneval tanzten die Tiger

Beim Kinderkarneval der Kulturen war das Motto "Tanz den Tiger", und viele Mädchen und Jungen hatten sich entsprechend kostümiert. Der Umzug war ein kleiner Vorgeschmack auf das bunte Treiben am Sonntag.

Alles begann mit einem kleinen Schubs. Für eine Sekunde musste Lisann um ihr Gleichgewicht ringen, oben auf der fahrbaren Bühne, die von Kindern und erwachsenen Helfern des Kreuzberger Kinderbauernhofs plötzlich angezogen wurde. Man sah ihr die Aufregung an, wie sie da hinter dem Mikrofon stand. Doch als die Mädchen an Keyboard, Gitarre und Schlagzeug loslegten, als ihr Gesangspart begann, da breitete sich ein Lächeln auf dem Gesicht der Zehnjährigen aus.

Beim 15. Kinderkarneval der Kulturen zogen am Sonnabend Hunderte Kinder und Jugendliche durch Kreuzberg. Unter den Zuschauern, die die jungen Tänzer, Sänger und Kostümgruppen während ihres Umzugs vom Mariannenplatz zum Görlitzer Park beklatschten, waren nicht nur Eltern und Freunde. „Den großen Karneval kennen wir schon, jetzt wollten wir das hier mal sehen, auch wenn keine Kinder oder Enkel dabei sind“, sagte Klaus Gallas aus Friedrichshain. Die Begeisterung und die fröhliche Stimmung seien ansteckend, so der 69-Jährige.

Kleine Pannen fielen da nicht auf – so, wie die vergessene Musik-CD der Mädchen von der Evangelischen Kirchengemeinde Joachimsthal, die noch am Sonnabend kurzerhand die Choreographie zu einem anderen Stück einübten. In Raubtierkostümen führten sie den Zug an, in und um den es von Tigern wimmelte – dem diesjährigen Mottotier des Kinderkarnevals. Aber auch andere Kostüme symbolisierten die Vielfalt, für die schließlich der Karneval der Kulturen steht. So hatte sich der siebenjährige Fabian als Fakir in blaue Tücher gehüllt und ließ sehr geschickt seine grüne Papierschlange aus einem Korb aufsteigen. Kinderumzüge wie diesen „finde ich toll“, sagte Fabian.

Während die Verkehrsbehinderungen durch den Kinderkarneval kurz und räumlich begrenzt blieben, müssen sich Autofahrer am Pfingstsonntag wegen des großen Karnevalsumzugs mit weiträumigen Sperrungen in Kreuzberg arrangieren. Die Polizei rät, den Bereich rund um Hermannplatz, Blücherplatz und Yorckstraße weiträumig zu umfahren. Auch Busse wie die Linien M19, M29 und M41 werden umgeleitet. Dafür fahren die U-Bahnen der U1, U6, U7 und U8 in dichterem Takt. Die Erfahrung habe gezeigt, dass die meisten Besucher den öffentlichen Nahverkehr nutzten, so ein Polizeisprecher. Informationen zu Umleitungen und Sperrungen gibt die Polizei unter Tel.: (030) 4664-580043.

Dass das Fest mit erwarteten rund 1,3 Millionen Besuchern auch von den Anwohnern Gelassenheit fordert, weiß Kilian Glaser. Der 36-Jährige wohnt an der Johanniterstraße und ärgert sich über besetzte Privatparkplätze, Lärm bis in den Morgen und Hinterlassenschaften in den Grünanlagen. „Wir haben nichts gegen den Karneval. Aber der steht für Toleranz, und die sollte auch uns gegenüber gelten.“