Radtouren rund um Berlin

Die schönen Seen vor Berlins Haustür

Dieser Teil der Morgenpost Radserie ist perfekt für einen sonnigen Tag: Denn gleich hinter Erkner dreht sich alles nur noch um das Thema Wasser.

Foto: Reto Klar

Wie auf einer Perlenkette aufgereiht, liegen östlich von Erkner die vielleicht schönsten Badeseen der Berliner Umgebung. An ihren Ufern gibt es eine Menge idyllischer Strände zu entdecken, hellen Sand und strahlend blaues Wasser. Ein ideales Ausflugsziel für einen schönen Sommertag.

Wir beginnen unsere Tour am Bahnhof Erkner, fahren um den Kreisverkehr des Friedensplatzes und sehen nach kaum 50 Metern zum ersten Mal Wasser: das Flakenfließ, die Verbindung zwischen Flaken- und Dämeritzsee. Über eine Brücke geht es in die Friedrichstraße, die zentrale Einkaufsstraße von Erkner. Das Rathaus war ursprünglich die Villa des berühmten Klavierbauers Carl Bechstein. Bechstein hat auch Glocken und Glockenstuhl der Genezareth-Kirche gestiftet, die wir rund 100 Meter weiter erreichen. Mit ihrer neogotischen Fassade aus hellgrauem und rotem Stein und vielen kleinen Türmchen macht die Kirche einen fast verspielten Eindruck. Wir biegen hinter der Kirche wieder ab. Die Straße führt unter der Bahnstrecke durch und über die Löcknitz. Nach gut drei Kilometern unterqueren wir die Autobahn, und es wird sehr schnell ruhiger.

Ein Supermarkt mitten im Wald

Zwei Kilometer weiter führt ein Weg zum „Kletterwald disati“. Zwischen den Wipfeln der dicht stehenden Bäume sind wacklige Brücken und Seilverbindungen gespannt. Eine Gruppe Jugendlicher aus Treptow testet ihre Schwindelfreiheit. Neben dem Kletterwald liegt auch die erste Badestelle auf unserem Weg. Vom Strand – oder von der Strandbar – aus sieht man die kleine, fast kreisrunde Lindwallinsel mitten im Werlsee liegen.

Den Blick auf den Peetzsee, den wir kurz darauf erreichen, versperren dagegen Häuser und Wald. Darum fahren wir zügig weiter. Hinter Alt Buchhorst liegt rechts ein Campingplatz mit einer kleinen Badestelle am Möllensee, dem schmalsten und längsten See der Seenkette. Am Ende des Sees biegen wir in den „Weg zur Erholung“ ein. Und jetzt beginnt wirklich der erholsamste Teil der Radtour auf kaum befahrenen Straßen und ruhigen Wegen.

Hinter dem Bildungszentrum der Industriegewerkschaft Bergbau Chemie Energie führt der Weg rechts in den Wald. Zwischen Kiefern steht dort – ein Supermarkt. Der versorgt den angrenzenden Campingplatz und bei Bedarf natürlich auch Radfahrer. Die Asphaltstraße geht in einen Waldweg über. Es geht über Bodenwellen und Kiefernzapfen, daher lassen wir das Radfahren hier etwas langsamer angehen. An einem Picknicktisch hinter dem Kieskanal legen wir eine kurze Pause ein, rund die Hälfte der Tour liegt nun hinter uns. Das Wasser des kleinen Kiessees schimmert dunkel im Schatten der Bäume.

Wir erreichen erneut Alt Buchhorst, diesmal auf der anderen Seite des Peetzsees. Bald darauf liegt ein wunderschöner Strand vor uns, mit feinem Sand und glasklarem Wasser. Ein paar hundert Meter weiter kommt das Hotel Seegarten mit seinen empfehlenswerten Terrassen.

Am Ende des Peetzsees kreuzt die Chausseestraße, wir erreichen nun den Ort Grünheide. Mit einem kurzen Abstecher nach links statten wir dem Wappentier der Gemeinde einen Besuch ab: der Sumpfschildkröte. „Früher gab es im Werlsee viele Sumpfschildkröten, inzwischen sind sie längst verschwunden“, sagt Max Tesch. Er ist Vorsitzender des „Freundeskreises Wappentier Grünheide“, den 1999 eine Gruppe von Naturfreunden gegründet hat, um für den Erhalt der aussterbenden Art zu kämpfen.

„Wir begannen, nach den verschollenen Tieren zu forschen“, sagt Tesch. Tatsächlich fand ein Woltersdorfer Fischer vor zehn Jahren eine Sumpfschildkröte in seinem Netz. „Damals dachten wir: Wo ein Tier ist, gibt es sicher auch andere. Leider lagen wir falsch“, erzählt Tesch. Immerhin hat der Verein aber ein Freigehege errichtet, in dem man – nach telefonischer Anmeldung – einige von Züchtern gespendete Sumpfschildkröten beobachten kann. Der kleine Teich mit den Tieren liegt an der Chausseestraße direkt neben der Gerhart-Hauptmann-Schule. Am Werlsee hinter der Festwiese bietet sich dann zum letzten Mal auf dieser Tour die Möglichkeit, sich im Seewasser anzukühlen.

In der Villa des Nobelpreisträgers

Der letzte Teil der Tour verläuft mehrere Kilometer auf dem Oberförstereiweg, rechts von uns schlängelt sich die Löcknitz in vielen kleinen Windungen durch den Wald. Erkner erreichen wir an dem Teil der Bahnstrecke, an dem das von Gerhart Hauptmann in „Bahnwärter Thiel“ beschriebene Bahnwärterhaus stand. Vom Bahnübergang führt die Gerhart-Hauptmann-Straße zur Villa Lassen. In dem großen Haus mit gelber Fassade lebte der Schriftsteller vier Jahre lang mit seiner Familie in der Wohnung in der unteren Etage. Heute ist hier das Gerhart-Hauptmann-Museum untergebracht.

„Gerhart Hauptmann war sehr lungenkrank. Ein Arzt empfahl ihm Landluft, also zog er 1885 von Berlin nach Erkner“, erzählt uns Museumsaufseher Peter Klemt. Die zu dieser Zeit für gesundheitsfördernd gehaltenen Abgase der Teerfabrikation führten dazu, dass Erkner von etwa 1880 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges als Luftkurort galt.

„Ich habe vier Jahre in Erkner gewohnt, und zwar für mich grundlegende Jahre. Mit der märkischen Landschaft aufs innigste verbunden, schrieb ich dort Fasching, Bahnwärter Thiel und mein erstes Drama, Vor Sonnenaufgang. Die vier Jahre sind sozusagen die vier Ecksteine für mein Werk geworden“, schrieb der Nobelpreisträger 1936 in einem Brief an die Gemeinde Erkner. Wir verlassen die Villa und fahren auf der Friedrichstraße zurück zum Bahnhof, wo unsere Tour endet.

Hier die Karte als PDF.

Und hier gibt es die Wegbeschreibung dazu.

Alle Teile unserer Serie finden Sie unter www.morgenpost.de/radtouren.