Berliner Hochschulen

Studenten rechnen bei Unis mit Qualitätsverlust

Der akademische Nachwuchs in Berlin schaut pessimistisch in die Zukunft: Knapp 60 Prozent der Studierenden sind nicht zufrieden mit ihrer Studiensituation und plädieren für einen Zuständigkeitswechsel an den Hochschulen.

Berlins Studierende blicken skeptischer in die Zukunft als die Studenten in Deutschland insgesamt. Das ist das Ergebnis einer neuen repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Allensbach über „Studienbedingungen und Chancengerechtigkeit an Deutschlands Hochschulen“ für das Reemtsma-Begabtenförderungswerk. Demnach glauben 50 Prozent der Nachwuchsakademiker in der Hauptstadt, dass sich die Ausbildungsbedingungen an den Unis in den kommenden Jahren verschlechtern werden.

Jan-Hendrik Olbertz, Präsident der Berliner Humboldt-Universität, meint allerdings: „Ich glaube nicht, dass Berliner Studierende per se pessimistischer in die Zukunft schauen als im Rest des Landes. Es ist nur so, dass Berlin als Studienplatz sehr beliebt ist und sich der Wettbewerb unter den Studierenden verstärkt.“ Er wolle jedoch „nicht leugnen, dass sich die Unterfinanzierung der Berliner Universitäten auch auf die Lehre auswirkt“. Dennoch könnten die Hochschulen in naher Zukunft kaum mit einer dauerhaft höheren Grundfinanzierung rechnen. Olbertz' Fazit: „Wenn in Bezug auf die Zuständigkeitsteilung von Bund und Ländern in der Bildungsfinanzierung nichts geschieht, wird es in den nächsten Jahren eine handfeste Krise der Hochschulfinanzierung in Deutschland geben.“ Die Umfrage zeige, dass die Studierenden diesbezüglich alarmiert seien und sich „Gedanken um die Zukunft der Hochschullandschaft in Deutschland“ machten.

Olbertz bezieht sich dabei auf den Befund der Allensbacher Meinungsforscher, wonach es in Berlin wie im Bund eine satte Mehrheit von 58 Prozent bzw. 59 Prozent der Studierenden begrüßen würde, wenn nicht länger die Länder, sondern der Bund für die Hochschulen zuständig wäre. Olbertz hatte schon im Januar gemeinsam mit Bundeswissenschaftsministerin Annette Schavan (CDU) in der Berliner Morgenpost dafür plädiert, dass leistungsstarke Hochschulen in Deutschland mittelfristig unter das Dach des Bundes wechseln sollten.

Danach hatte Schavan auch einen möglichen Wechsel der Charité in die Zuständigkeit des Bundes ins Spiel gebracht. Olbertz prophezeit vor diesem Hintergrund „ein Ringen darum, welche Universitäten für solche Modelle prädestiniert wären“. Allen Finanzierungsdiskussionen zum Trotze beurteilen die Studierenden ihre eigenen Ausbildungsbedingungen allerdings mehrheitlich als angemessen, und zwar gerade in Berlin. So finden 64 Prozent ihre Ausbildung „gut“, zwölf Prozent sogar „sehr gut“. Im Bund sind es 63 bzw.elf Prozent.