EHEC in Berlin

Thai-Restaurants kochen Curry ohne Sprossen

Die Restaurantbetreiber in Berlin wollen offenbar kein Risiko eingehen. Vor allem Thai- und Chinarestaurants streichen Sprossen von der Speisekarte. Auch in vielen Supermärkten wird das verdächtige Gemüse nicht mehr verkauft.

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Als Halim Andy im Fernsehen gesehen hat, dass Sojasprossen mögliche Überträger des EHEC-Keims sein könnten, warf er sofort alle Sprossen in den Müll. Der Chef des thailändischen Restaurants „Mai Phai“ im Berliner Bezirk Steglitz will nicht, dass sich einer seiner Gäste mit dem Darmkeim infiziert. Deshalb verkauft er derzeit nur wenig Frisches, statt normalem Salat bietet er Mango-Salat an.

Aus Verantwortung gegenüber den Gästen entsorgen viele Thai- und Chinarestaurants seit Sonntag ihre Vorräte an Soja- und Bambussprossen. Auch im „Viet Bowl“ im Bezirk Mitte werden die Speisen nicht mehr mit Sprossen dekoriert. Schon seit der vergangenen Woche verzichten die Köche im Restaurant „Nu-Eat“ im Berliner Bezirk Charlottenburg auf bestimmte Gemüsesorten. „Sprossen haben wir nicht mehr eingekauft, Bestände wurden den Lieferanten zurückgegeben“, sagte die Mitarbeiterin Brigitte Bernhard.

Derzeit gibt es keinen Beweis, dass EHEC-verseuchte Sprossen von dem in Verdacht geratenen niedersächsischen Betrieb von Uelzen nach Berlin geliefert worden sind. „Die Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsämter der Bezirke werden dennoch kontrollieren, ob sich Sprossen des Herstellers im Handel befinden“, sagte Regina Kneiding, Sprecherin der Senatsverwaltung für Gesundheit. In Berlin seien derzeit 47 Infektionen mit dem Darmbakterium EHEC bekannt. Davon leiden 16 Menschen unter der schweren Folgekrankheit HUS. In der vergangenen Woche hatte das Landeslabor 180 Proben von Gurken, Tomaten und Salat auf EHEC getestet. „Wir fanden jedoch nichts“, sagte Kneiding.

Die Sprossenmanufaktur in Friedrichshain hat ihre Ware am Montag nicht ausgeliefert. „Wir haben das Lebensmittelaufsichtsamt angerufen, um Proben testen zu lassen“, sagt der Geschäftsführer, Wolfgang Funkhaus. „Wir wollen jedes Risiko ausschließen.“ Da der Betrieb nur Saatgut und Trinkwasser für die Produktion verwende, sei nicht mit Verunreinigungen zu rechnen. Die Bestellungen an Sprossen seien am Montag zurückgegangen. Bio-Händler wie die LPG-Biomärkte und Alnatura haben den Verkauf von Sprossen eingestellt. Die Kette Bio-Company mit18 Filialen in Berlin hingegen sieht „keine Veranlassung“, keine Sprossen mehr zu verkaufen. Berlins Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linke) hat bei der Suche nach der Quelle des EHEC-Erregers vor voreiligen Schlüssen gewarnt. „Wir beteiligen uns nicht an Spekulationen. Es gelten weiterhin besondere Vorsicht bei frischem Gemüse und die entsprechenden Hygienemaßnahmen.“