Fahndung

Drei Straftäter fliehen aus Berliner Nervenklinik

Drei psychisch kranke Straftäter sind aus dem Jugendmaßregelvollzug in der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik am Standort Wittenau geflohen. Die Fahndung nach den als gefährlich und gewaltbereit geltenden Männern im Alter von 17, 21 und 25 Jahren läuft.

Aus dem Jugendmaßregelvollzug der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik am Standort Wittenau sind in der Nacht zum Sonnabend drei Straftäter im Alter von 17, 21 und 25 Jahren ausgebrochen. Für die Jugendforensik im Maßregelvollzug ist der landeseigene Krankenhauskonzern Vivantes zuständig. Dessen Sprecherin Kristina Tschenett bestätigte den Ausbruch am Sonnabend gegenüber Morgenpost Online. Zunächst war hinsichtlich des Fluchtortes von Pankow die Rede gewesen.

Die drei Männer gelten als gefährlich und gewaltbereit. Die Liste ihrer Straftaten reicht von einfacher Beschaffungskriminalität bis hin zu Raub und schwerer Körperverletzung.

Nach Information von Morgenpost Online hatte sich das Trio zunächst in einem Raum der Abteilung IV des Maßregelvollzuges in Wittenau verbarrikadiert. Nach Angaben der Vivantes-Sprecher sollen die Männer dann durch ein Fenster geflüchtet sein, das jedoch vergittert und zusätzlich verschlossen gewesen sei und auch keine Griffe gehabt habe. Ob am Fluchtort ein Gitter gefunden wurde, konnte Tschenett nicht sagen. Das Ganze sei, so die Sprecherin weiter, sehr rätselhaft. Die Drei seien offenbar nachts aus ihren Zellen ausgebrochen, obwohl auch diese verschlossen waren.

Nach Hinweisen aus Ermittlerkreisen soll es sich bei dem 25 Jahre alten Straftäter um einen 1,70 Meter großen Mann handeln, der zirka 95 Kilogramm wiegt. Auf der linken Stirnhälfte hat er eine auffällige Narbe. Bekleidet ist er mit einer Dreiviertel-Hose sowie einem Kapuzenpulli. Der 17-jährige ist 1,69 Meter groß bei 78 Kilogramm. Er sieht noch sehr kindlich aus und hat auffallend hellblonde Haare. Zudem sind seine Unterarme von

Pigmentstörungen gekennzeichnet. Bei seinem Ausbruch trug er eine schwarze Hose und ein helles Oberteil. Der 21 Jahre alte Ausreißer ist 1,74 groß und wiegt 70 Kilogramm. Er wird als Punker bezeichnet und hatte bei seiner Flucht szenetypische Kleidung an.

Bereits einmal ausgebrochen

Bei beiden älteren Männern handele es sich, so Vivantes-Sprecherin Tschenett, um ehemalige Drogenabhängige, die seit etwa eineinhalb Jahren in der Einrichtung untergebracht waren. Der 17-Jährige sei bereits in mehreren Jugendeinrichtungen gewesen. Aus einer sei er ausgebrochen, habe dabei einen Menschen verletzt und sei deshalb in den Maßregelvollzug gekommen.

Da alle drei als gefährlich und gewaltbereit gelten, sollten Zeugen, die die Männer erkennen, sofort die Polizei rufen. Versuche, die Ausbrecher selber zu stellen oder auch nur anzusprechen, seien höchst gefährlich, so ein Ermittler. Inzwischen läuft die Fahndung nach den drei psychisch kranken Straftätern auf Hochtouren. „Zunächst werden alle möglichen Wohnanschriften sowie der Bekanntenkreis des Trios in Augenschein genommen“, so der Fahnder weiter.

Der Maßregelvollzug in der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik hatte zuletzt Ende vergangenen Jahres für Aufsehen gesorgt. Damals war ein Straftäter aus der Einrichtung ausgebrochen. Er konnte erst fünf Monate später in Ungarn gefasst werden. Die Flucht war spektakulär: Dem 31 Jahre alten Drogenabhängigen war es während einer Behandlung im Helios-Klinikum Buch gelungen zu fliehen. Dorthin war er gebracht worden, weil er starke Schmerzen vorgetäuscht hatte. Doch ein Komplize wartete bereits in einem Fluchfahrzeug vor der Klinik. Der 31-Jährige konnte sich in dem Krankenhaus von einem Pfleger und einem Wachschutz-Mitarbeiter losreißen und mit seinen Fesseln fliehen. Er war im Juli 2010 vom Landgericht Berlin wegen zahlreicher Straftaten zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Wegen seiner Suchterkrankung wurde er in einer Entziehungsanstalt im Maßregelvollzug untergebracht. Laut Strafgesetzbuch werden im Maßregelvollzug unter bestimmten Umständen psychisch kranke oder suchtkranke Straftäter untergebracht. Dies ist nicht zu verwechseln mit der Sicherungsverwahrung, um die es derzeit heftige Diskussionen gibt.

In der Abteilung IV des Maßregelvollzugs der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik sind suchtkranke Straftäter untergebracht. Diesen Patienten stehen in zwei Häusern vier Stationen mit insgesamt 79 Betten zur Verfügung. Sie werden oftmals in kleinen Gruppen gemeinsam behandelt. Je nach Therapieverlauf kann es sein, dass sie schon nach zwei Dritteln der festgesetzten Zeit im Maßregelvollzug auf Bewährung freikommen.

Sachdienliche Hinweise zum Aufenthaltsort der Straftäter nimmt jede Polizeidienstelle unter der Rufnummer (030) 4664-0 entgegen.