Überprüfung

Bauexperten für Änderungen bei Mercedes-Turm

Das Mercedes-Hochhaus, das unmittelbar neben der O2 World in Friedrichshain geplant ist, soll sich besser in die Umgebung einpassen. Mit dieser Empfehlung schließt sich das Baukollegium Berlin der Kritik am Bebauungsplan für das Areal am Spreeufer an.

Foto: Vivico

Das geplante Mercedes-Hochhaus in der Nähe des Berliner Ostbahnhofs missfällt nicht nur den Grünen im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Jetzt hat auch das Baukollegium Berlin dem Vorhaben planerische Mängel attestiert. Das von der Senatsbaudirektorin Regula Lüscher eingesetzte Expertengremium empfiehlt demnach, das unmittelbar neben der O2 World geplante Gebäude noch einmal zu überdenken. Doch freuen dürften sich die Grünen über das Experten-Urteil allerdings kaum: Denn das Baukollegium kritisiert nämlich nicht wie sie die geplante Höhe des Gebäudes (55 Meter), sondern lediglich dessen Gestaltung.

Das Baukollegium der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung attestiert dem Standort des Hochhauses an der Mühlenstraße nahe der Spree große städtebauliche Bedeutung. „Als erstes realisiertes Projekt auf dem Anschutz-Areal nach der O2 Arena setzt das Gebäude den Standard für die folgenden Bauvorhaben“, heißt es in der Stellungnahme der Gutachter. Da die Planungsleistung ohne Wettbewerb an das Architektenbüro Gewers & Pudewill vergeben wurde, war das Baukollegium aufgefordert, die architektonische und städtebauliche Qualität des Vorhabens zu beurteilen und Empfehlungen für die nächsten Planungsschritte zu geben. Auch der Bauherr, die Immobiliengesellschaft Vivico, hatte ausdrücklich eine Stellungnahme des Baukollegiums gewünscht. In den Sitzungen des Gremiums sind jeweils die für die Baugenehmigung zuständige Bezirksverwaltung anwesend, in diesem Fall der Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne) und die Leiterin des Stadtentwicklungsamtes und der Bauaufsicht, Sibylle Wolter.

Das Baukollegium empfahl nun, den Entwurf so zu überarbeiten, dass das Gebäude sich besser in die Umgebung einpasst. Dies stehe derzeit „beim gestalterisch formalen und dem Autodesign angelehnten Ansatz des Entwurfs im Hintergrund“. An der vorgesehenen Höhe des Bauwerks haben die Experten jedoch nichts auszusetzen: „Die vorgeschlagene Gebäudestruktur in Form eines Kamms und eines Hochpunktes wird jedoch bestätigt, solange der Entwurf innerhalb des B-Planes bleibt“, heißt es weiter.

Grüne wollen Pläne stoppen

Rechtsverbindlich sind die Empfehlungen des Baukollegiums allerdings nicht. Der Investor werde allerdings nicht einfach darüber hinweggehen können, heißt es dazu aus der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Wie berichtet, hat die Fraktion der Grünen in der Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg einen Antrag mit dem Ziel eingebracht, die Baupläne von Mercedes zu stoppen. Bezirksbürgermeister Schulz (Grüne) begründet dies damit, dass auch der Automobilkonzern an den 2008 erfolgten Bürgerentscheid „Freies Spreeufer für alle“ gebunden sei. Damals hatte sich eine Mehrheit für einen Verzicht auf Hochhäuser im Bereich des Spreeufers ausgesprochen. Die Grünen fordern, den Bebauungsplan für das Areal am Ostbahnhof so zu ändern, dass dort nur noch Gebäude mit der in Berlin üblichen Höhe von maximal 22 Metern errichtet werden dürfen.

Sollte der Antrag der Grünen eine Mehrheit bekommen, bedeutet das aber nicht das Ende des Projekts. Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) hat bereits mehrfach klargestellt, dass der Bürgerentscheid keine bereits genehmigten Baupläne außer Kraft setzen dürfe.