Berlin-Besuch

Papst-Messe - Erzbistum hält an Schloss fest

Zwar wächst die Kritik an der Messe mit Papst Benedikt XVI. am Schloss Charlottenburg, weil dort die Sicht schlecht ist und es zu wenige Sitzplätze gibt. Doch das Erzbistum Berlin will sich an die Planung des Vatikans halten.

Jetzt hat sich auch der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, dafür ausgesprochen, die bisherige Planung für die Papstmesse in Berlin zu überdenken. Es wäre ungut, sagte er, wenn viele Menschen mehr oder minder ausgeschlossen wären, weil sie keinen Platz finden oder weil die Umstände für Menschen, die nicht stundenlang stehen können, so ungünstig wären, dass sie fernbleiben. Das Erzbistum Berlin hält trotz anhaltender Kritik am Schloss Charlottenburg als Ausrichtungsort fest. „Die Entscheidung ist in Rom gefallen, und wir werden uns an die Planung des Vatikans halten“, sagte Sprecher Stefan Förner.

Die Frage, ob es beim Papstbesuch am 22. September 2011 in Berlin auch Sitzplätze vor dem Schloss geben wird, ist weiterhin offen. Das Erzbistum wisse um die Sorgen und Nöte vor allem der älteren Gläubigen, die nicht so lange stehen könnten, sagte Förner weiter. Zusammen mit den Behörden werde momentan besprochen, wie viele Plätze möglicherweise geschaffen werden könnten. Dabei müssten auch Sicherheitsaspekte bedacht werden, da die Stühle bei einer Massenveranstaltung zur Stolperfalle werden könnten.

Seit Beginn des Anmeldeverfahrens zur Teilnahme an den fünf großen Gottesdiensten mit Papst Benedikt XVI. in Deutschland haben sich seit Mitte Mai rund 100.000 Menschen angemeldet. Die Eucharistiefeier in Berlin vor dem Schloss Charlottenburg steht als Erste auf dem Programm. Es folgen als weitere Stationen Eichsfeld in Thüringen, Erfurt und Freiburg. Wie viele Menschen sich für die einzelnen Orte angemeldet haben, will das Erzbistum in Kürze bekanntgeben. Bislang gibt es nur eine Gesamtzahl für alle Stationen.

Weil es bei der Anmeldung per Internet zu Serverproblemen gekommen war, hätten sich viele Menschen doppelt, manche sogar bis zu achtmal angemeldet. Um die tatsächliche Zahl der Anmeldungen zu ermitteln, müssten diese deshalb jetzt nach Mehrfachanmeldungen durchforstet werden. „Wir wollen damit sehr sorgfältig umgehen und gehen davon aus, dass wir in der zweiten Juniwoche präzise Zahlen nennen können“, sagte Förner.

Er bestätigt, dass es aus den Gemeinden viele Rückmeldungen gibt, dass das stundenlange Stehen vor dem Schloss viele Menschen davon abhalte, den Papstbesuch live mitzuerleben. Förner rät allen, sich dennoch anzumelden. Das Anmeldeverfahren laufe mindestens bis Mitte Juni. Die entsprechende Internetseite lautet: www.papst-in-deutschland.de . Aber auch in den Gemeinden liegen Listen aus, in die sich jeder – auch Nicht-Kirchenmitglieder – eintragen können. Auf den Zeitpunkt der Anmeldung kommt es bei der Zuteilung der Karten nicht an.

„Auch jüngere benötigen Sitzplätze“

Der Diözesanrat der Katholiken im Erzbistum Berlin hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass bezüglich der Auswahl des Orts für den Auftakt der Papstreise in Berlin noch umgedacht wird. Er forderte, wie berichtet, den Gottesdienst in das Olympiastadion zu verlegen. „Organisatorisch ist noch Zeit genug. Es sind ja nicht nur ältere Menschen, auch jüngere brauchen einen Sitzplatz, um sich mal auszuruhen“, sagt der Vorstandsvorsitzende des Diözesanrats, Wolfgang Klose. Viele Gläubige, so Klose weiter, würden sich gar nicht anmelden, weil ein zweistündiger Gottesdienst (geplanter Beginn vor dem Schloss Charlottenburg um 18.30 Uhr) und ein rund zweistündiges Vorprogramm sowie die An- und Abreise (15 Uhr Einlass) ihnen zu anstrengend seien.

Zudem sei im Olympiastadion die Gemeinschaft besser erlebbar, findet er. „Wir wollen doch auch Menschen ansprechen, die der Kirche nicht so nahestehen. Und sie sollen doch möglichst ein positives Gemeinschaftserlebnis haben. Doch vor dem Schloss wird das schwierig“, sagt Klose.

Das findet Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) nicht. Selbst wenn ein Teil der Menschen die Veranstaltung möglicherweise über eine Videowand verfolgen müsse, sei es immer noch ein beeindruckendes Erlebnis, dabei zu sein.

Laut Veranstalterangaben sollen bis zu 70.000 Menschen vor dem Schloss Charlottenburg Platz finden. Auch auf der Schlossstraße, dem Spandauer Damm und dem Parkbereich vor dem Schloss sollen die Menschen die Messe verfolgen können, sodass die Anzahl relativ variabel ist, die direkte Sicht auf den Papst aber nicht überall vorhanden sein wird. Deshalb sollen auch Videowände aufgestellt werden. Dass die Sonneneinstrahlung für die Übertragung auf Leinwänden zum Problem werden könnte, wissen die Organisatoren längst und gehen davon aus, das Problem technisch lösen zu können. Der Altar wird wegen des holprigen Pflasters nicht im Ehrenhof, sondern direkt davor aufgebaut. Der Bereich für die Besucher wird erst in einigem Abstand beginnen, auch eine Feuerwehr- und Rettungsgasse muss freigehalten werden.

Päpstlicher Reisemarschall entschied

Gröhler war als Mitglied des Bezirksamts Charlottenburg-Wilmersdorf dabei, als der „päpstliche Reisemarschall“ Alberto Gasbarri die Wahl für das Schloss traf. Der aus Rom stammende Reisemarschall, der dem Papst regelmäßig vorausfliegt, um ihm für seine Reisen vorab die Wege zu bereiten, habe an Ort und Stelle entschieden, dass die Messe vor dem Schloss Charlottenburg gefeiert wird. Ihm sei es um einen Ort gegangen, der ins städtische Leben eingebunden ist, dessen Bilder um die Welt gehen werden. „Der Reisemarschall hatte zuvor bereits den Gendarmenmarkt besucht. Dann entschied er sich für das Schloss Charlottenburg. Waldbühne, Messegelände und Olympiastadion haben wir gar nicht mehr angeschaut, die nüchterne Kulisse eines Stadions war ohnehin nicht gewünscht. Es ging dem Reisemarschall um einen Ort, der in die historische Substanz Berlins eingebunden ist“, sagt Gröhler.

Kritik, dass das Schloss Charlottenburg am Tag der Veranstaltung wegen der Straßensperrungen nur schwer erreichbar sei, findet der Baustadtrat nicht berechtigt. Die Reisebusse könnten die Fahrgäste aussteigen lassen und anschließend zum Olympiastadion zum Parken fahren. Außerdem sei das Schloss mit der S-Bahn-Ring-Station Westend sowie den U-Bahnhöfen Richard-Wagner-Platz und Sophie-Charlotte-Platz gut an den öffentlichen Personennahverkehr angebunden. Und noch etwas gibt Gröhler den Kritikern zu bedenken: „Beim Ostersegen auf dem Petersplatz in Rom sitzen die Menschen auch nicht.“