Anschläge

Mutmaßliche Linksextremisten zünden Autos an

Bislang Unbekannte haben in Berlin in der Nacht zu Montag einen Luxus-Geländewagen und ein Vattenfall-Fahrzeug angezündet. Die Anschläge werden linksextremistischen Tätern zugeordnet, die in erster Linie "Vertreter des Kapitals" treffen wollen.

Foto: Steffen Pletl

Die Serie von Brandanschlägen auf Autos reißt nicht ab. In der Nacht zu Montag zündeten Unbekannte wieder zwei Fahrzeuge in Alt-Hohenschönhausen und Friedrichshain an. Damit haben die Anschläge eine neue Dimension erreicht: Denn in den ersten fünf Monaten dieses Jahres wurden insgesamt 53 Brandanschläge auf Fahrzeuge verübt – das sind genauso viele wie im gesamten vergangenen Jahr. Bei den Attacken in diesem Jahr wurden weitere 36 Fahrzeuge beschädigt oder vollständig zerstört. Rund ein Drittel der Taten wurde allein in den vergangenen beiden Wochen verübt.

Am frühen Montagmorgen gegen 1.45 Uhr entdeckte ein Anwohner Feuer an einem Hummer, der an der Pettenkofer Straße in Friedrichshain abgestellt war. Eine Dreiviertelstunde zuvor brannte ein Firmenfahrzeug des Energieversorgers Vattenfall an der Landsberger Allee in Alt-Hohenschönhausen. Der VW-Transporter wurde stark beschädigt. Durch die Hitze wurde auch ein Jeep Cherokee, der direkt daneben stand, stark beschädigt. Da die Polizei politische Motive hinter den Brandstiftungen vermutet, hat der Staatsschutz die Ermittlungen übernommen.

Energieversorger sieht keine Gefahr

Die Attacken werden linksextremistischen Tätern zugeordnet, die mit ihren Brandanschlägen in erster Linie „Vertreter des Kapitals“ treffen wollen. In der Vergangenheit wurden besonders häufig teure Fahrzeuge oder Firmenwagen von Unternehmen wie dem Paketdienst der Deutschen Post, DHL, der Deutsche Bahn oder eben Vattenfall angezündet. Das Unternehmen war bereits vor rund zwei Wochen Anschlagsziel der Extremisten. Die Täter legten am Haupteingang des Heizkraftwerks Charlottenburg an der Straße Am Spreebord Feuer und bewarfen ein Bürogebäude an der Puschkinallee in Alt-Treptow mit Farbflaschen und Steinen. Auf einschlägigen Internetseiten bekannten sich Autonome zu den Anschlägen. Damit wollen sie eigenen Angaben zufolge gegen die Atomlobby, zu denen ihrer Meinung nach Vattenfall gehört, aktiv werden.

Das Unternehmen selbst nimmt den aktuellen Brandanschlag gelassen hin. „Vattenfall ist in vielen Augen ein potenzielles Anschlagsziel“, sagte Pressesprecher Hannes Höhnemann. Natürlich entstehe ein hoher Sachschaden. Seiner Ansicht nach stehen die Taten allerdings in keinem Zusammenhang mit einer bestimmten Entscheidung oder einer Person im Unternehmen. „Wir gehören einfach in deren Portfolio“, sagte Höhnemann.

Der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Thomas Kleineidam, verurteilte die Anschläge: „Das ist längst keine reine Sachbeschädigung mehr. Jedes brennende Auto ist eine Gefahr für Menschen.“ Kritik der Oppositionsparteien, der Senat reagiere zu zögerlich auf linke Gewalt, widersprach er: Selbst wenn der Senat mehr Polizeibeamte einstellte, könnten die Taten nicht verhindert werden. Denn: „Ein Auto ist schnell angezündet. Da können wir nicht überall Polizisten postieren.“

Unterdessen sucht die Polizei eine Woche nach dem Brandanschlag auf eine Kabelbrücke der S-Bahn am Ostkreuz noch immer nach den Tätern. Bislang gibt es keine konkreten Hinweise. Auch zu diesem Anschlag hatte sich im Internet eine Gruppe aus der linken Szene bekannt.