"Ab 2012"

Zweifel an S-Bahn-Versprechen vom Normalfahrplan

Bahn-Chef Rüdiger Grube hat wieder einmal die Rückkehr zum Normalfahrplan der S-Bahn versprochen. VBB und Abgeordnete widersprechen jedoch und zeigen sich wenig optimistisch.

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Mit Verwunderung und Erstaunen registrierte der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) die Ankündigung von Bahn-Chef Rüdiger Grube, die Berliner S-Bahn werde bis Ende dieses Jahres wieder normal fahren. VBB-Geschäftsführer Hans-Werner Franz sagte Morgenpost Online: „Ich würde es natürlich begrüßen, wenn die S-Bahn dieses Versprechen des Bahn-Chefs einlösen könnte.“ Auch S-Bahn-Chef Peter Buchner hatte kürzlich bezweifelt, dass bis Jahresende ein Normalbetrieb bei der S-Bahn wieder möglich sei.

Trotz aller Anstrengungen könnten viele Arbeiten erst Mitte 2012 abgeschlossen werden, sagte Buchner bei einem Pressetermin Mitte Mai. Die S-Bahn listet aktuell 16 verschiedene „Technikthemen“ auf, die neben der normalen Wartung der Züge in den insgesamt sechs S-Bahn-Werkstätten abzuarbeiten sind. Zudem hatte der S-Bahn-Mutterkonzern Deutsche Bahn schon mehrfach die Rückkehr zum Normalfahrplan zu bestimmten Terminen versprochen – und diese Ankündigungen nicht eingehalten. „Wenn der Vorstandsvorsitzende jetzt zum dritten Mal einen Termin nennt, dann hoffe ich, dass es diesmal stimmt“, sagte VBB-Chef Franz. „Die Vergangenheit lässt einen aber nicht allzu optimistisch werden.“

Eine deutliche Verbesserung der Fahrzeugverfügbarkeit wäre indes spätestens Mitte kommenden Jahres wichtig, betonte Franz. Dann benötigt die S-Bahn für den Regelfahrplan noch mehr Züge als bislang. Laut Vertrag soll der neue Hauptstadtflughafen BBI in Schönefeld bei seiner Eröffnung im Zehn-Minuten-Takt mit der S-Bahn erreichbar sein.

Bahn-Chef Rüdiger Grube hatte im Interview mit der „Berliner Zeitung“ die Rückkehr zum Normalfahrplan am Ende dieses Jahres angekündigt. „Es bleibt unser Ziel, dies bis Ende des Jahres zu realisieren“, sagte er. „Wir haben an allen drei S-Bahn-Baureihen gleichzeitig erheblich zu tun. Aber wir arbeiten hart daran, Berlinern und Brandenburgern so schnell wie möglich ein besseres Angebot zu machen.“ Derzeit laufe deshalb ein riesiges Austauschprogramm: 4000 Radsätze und 3000 Fahrmotoren werden nach Angaben des Bahn-Chefs ausgewechselt. 480 Mitarbeiter seien seit Ende 2008 dafür eingestellt worden. Bereits geschlossene Werkstätten seien wieder in Betrieb. Maßnahmen, die die Bahn bisher zusätzliche 400 Millionen Euro gekostet habe.

Die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus, Claudia Hämmerling, äußerte sich am Sonnabend skeptisch zu Grubes Versprechen. „Die wievielte Ankündigung ist das jetzt? Ich habe kein Vertrauen in die Bahn. Dass sie ihr Versprechen einhält, glaube ich nicht“, sagte die Grünen-Politikerin Morgenpost Online. Und erinnerte daran, dass erst jüngst die für den 9. Mai geplante Angebotsverbesserung wegen fehlender Fahrzeugwagen auf den 23. Mai verschoben wurde.

Wegen technischer Probleme, Wartungsmängeln und Missmanagement kann die S-Bahn seit zwei Jahren keinen Normalbetrieb mehr anbieten. Mitte 2009 war auf Anweisung des Eisenbahn-Bundesamtes deshalb fast ein Drittel der Berliner S-Bahn-Züge aus dem Verkehr gezogen worden. Auch Jutta Matuschek, die verkehrspolitische Sprecherin der Linken im Berliner Abgeordnetenhaus, gab sich nur vorsichtig optimistisch. „Ich weiß, dass die S-Bahn unter Hochdruck arbeitet. Ob die Anstrengungen am Ende dieses Jahres dann tatsächlich aufgehen, bleibt abzuwarten“, sagte sie Morgenpost Online.

Und die Berliner S-Bahn? Dort setzt man jetzt auf Diplomatie und beruft sich in S-Bahn-Kreisen auf den genauen Wortlaut der Aussage des Bahn-Chefs: Die Rückkehr zum Normalfahrplan sei das Ziel – und damit zunächst einmal eine Absichtsbekundung. Ebenso wie das erneute Angebot Grubes, die Bestellung neuer S-Bahn-Züge einzuleiten. Im Gegenzug müsse gesichert sein, dass diese Züge auch nach 2017 zum Einsatz kommen. „Und zwar unabhängig davon, ob die Deutsche Bahn oder ein Wettbewerber die Verkehre dann betreibt.“ Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) hatte das Angebot der Bahn am Donnerstag im Abgeordnetenhaus als „nicht verpflichtend“ und deshalb „enttäuschend“ für das Land kritisiert: „Das ist zu vage, das ist zu wenig, das ist nicht das Bestellen von Zügen.“