Abgeordnetenhaus

Berliner Elefantenrunde stellt sich den Bürgern

Besucher nutzten den Tag der offenen Tür, um ihren Abgeordneten viele Fragen zu stellen: Vor allem der öffentliche Verkehr, steigende Mietkosten und das Gelände rund um den Hauptbahnhhof waren von Interesse.

Foto: © JÖRG KRAUTHÖFER

Bis auf den letzten Platz belegt war der Plenarsaal des Berliner Abgeordnetenhauses am Sonnabendmittag – aber nicht mit Politikern, sondern mit Besuchern. Sie nutzten den Tag der offenen Tür, um den Fraktionsvorsitzenden von SPD, CDU, Grüne, FDP und Linkspartei ihre Fragen zu stellen. Wie können öffentliche Verkehrsmittel sicherer gemacht werden? Können Berlin und Brandenburg wiedervereint werden? Wie kann den steigenden Mietkosten Einhalt geboten werden? Moderiert wurde diese basisdemokratische Elefantenrunde von Parlamentspräsident Walter Momper.

In der Wandelhalle vor dem Plenarsaal konnten sich die Besucher über die Arbeit der im Parlament vertretenen Parteien informieren. Abgeordnete und Senatsmitglieder standen Rede und Antwort. Lange Schlangen bildeten sich am Stand der SPD-Fraktion: Dort nahmen zahlreiche Besucher an einem Berlin-Quiz teil. Mitglieder der Linksfraktion verteilten dagegen chinesische Glückskekse. Am Info-Stand der CDU konnten sich die Besucher porträtieren lassen.

Autogramme und Kugelschreiber

Der wohl gefragteste Gesprächspartner im Abgeordnetenhaus war der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Dicht umringt, schüttelte er Hände und verteilte Autogrammkarten. Auch die Schülerin Sandra Ludyga ergatterte ein Autogramm. „Ich bin zum ersten Mal im Abgeordnetenhaus“, sagte sie. Hergeführt habe sie allerdings nicht unbedingt politisches Interesse, sondern ihre Tanzgruppe. „Wir hatten einen Jazzdance-Auftritt auf der Bühne draußen vor dem Abgeordnetenhaus“, sagte die 16-Jährige aus Lichterfelde. Dort tanzten den ganzen Tag über Gruppen Street-Dance und Hip-Hop. Auch Tom (7) gelangte von der Bühne ins Abgeordnetenhaus. Seine Mutter Marion Friebel führte ihn durch das Gebäude. „Wir wollen uns anschauen, wo die Politiker arbeiten“, sagte sie.

Mit Plastiktüten voller Broschüren und Kugelschreiber waren die beiden Studierenden Linda Thom und Anja Koszuta aus Lichtenberg beladen – an jedem Stand hatten Abgeordnete ihnen Info-Material zugesteckt. „Wir waren noch nie hier und wollten endlich die Gelegenheit ergreifen“, sagte die 21-Jährige. Vor allem der Plenarsaal hätte die beiden interessiert.

Der Schüler Felix Hanke aus Reinickendorf nutzte seine Chance – und wandte sich direkt an die Politiker. „Ich führe Interviews für eine Schülerzeitung“, sagte der 18-Jährige. Gerade kurz vor den Berlin-Wahlen halte er den Tag der offenen Tür für eine gute Idee. „So kann man Informationen sammeln und sich Meinungen bilden.“ Allerdings hätte er sich gewünscht, dass mehr junge Menschen kommen. Den Politikern von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen – nichts Neues für Claus Richter aus Hellersdorf. „Das ist in Berlin doch fast normal. Irgendwo sieht man immer Politiker.“ Ihn beschäftigt besonders eine Frage: „Wann passiert endlich was in der Umgebung des Hauptbahnhofs?“, fragt der 75-Jährige. Schließlich sehe es um den Bau herum noch genauso öde aus wie vor fünf Jahren, als der Bahnhof eröffnet wurde.

Auch Touristen kamen ins Abgeordnetenhaus. „Hier gewinnt man den Eindruck einer volksnahen Politik“, sagte Frank Deckart aus Dortmund. Er verbringe das Wochenende in Berlin – und sei zufällig beim Tag der offenen Tür im Abgeordnetenhaus gelandet. Der 35-Jährige nahm auch an einer Führung durch den ehemaligen Preußischen Landtag teil und war sichtlich beeindruckt. Auch er hat eine große Tüte dabei – mit Kugelschreibern und Info-Material.