Humboldt-Forum

Berliner Schloss kostet 44 Millionen Euro mehr

Der Architekt Franco Stella hat seine überarbeiteten Baupläne vorgestellt. Das Projekt wird vermutlich kostspieliger als geplant. "Teuerungen im Baugewerbe" seien der Grund.

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Das Berliner Stadtschloss soll von einer Kuppel gekrönt werden, die aber nicht dem historischen Vorbild entspricht. „Die historische Kuppel ist noch nicht durchfinanziert", sagte der Sprecher des Vorstands der Stiftung Berliner Schloss - Humboldtforum, Manfred Rettig, am Mittwochabend bei einer Präsentation der überarbeiteten Entwürfe. Er sei aber optimistisch, dass dafür noch mehr Spendengelder kommen.

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Das Interesse der Berliner am Bau des Humboldt-Forums in Gestalt der 1950 gesprengten Hohenzollernresidenz ist groß. So groß, dass die öffentliche Präsentation der überarbeiteten Baupläne kurzfristig in größere Räumlichkeiten verlegt werden musste – vom Kronprinzenpalais ins Audimax der Humboldt-Universität Unter den Linden. Rund 400 Besucher waren am Mittwochabend gekommen, um sich vom italienischen Architekten Franco Stella die überarbeiteten Entwürfe für das Berliner Schloss erläutern zu lassen.

Die Präsentation, die von der Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum als Werkstattgespräch konzipiert worden war, sollten Bürger laut Stiftungsvorstand Manfred Rettig dazu nutzen, ihre Vorschläge und Anregungen einzubringen, bevor die Entwurfsplanung dem Stiftungsrat und noch vor der Sommerpause dem Haushaltsausschuss des Bundestages zur Entscheidung vorgelegt wird.

Öffentlicher Durchgang gefordert

Ein Angebot, von dem die Besucher regen Gebrauch machten. So forderte ein Zuhörer, dass der riesige Bau künftig nicht als Barriere zwischen Lustgarten und Nikolaiviertel wirken dürfe. Franco Stella verwies auf Umplanungen, wonach gegenüber dem Alten Museum quer durch das Gebäude bis zur Breitestraße eine öffentlich zugängliche Passage geschaffen werden soll. Außerdem soll der Schlüterhof einen öffentlich zugänglichen Bereich bekommen, in dem ein Restaurant auch nach Schließung des Humboldt-Forums für Leben sorgen soll. Auch die Ostfassade mit dem Belvedere, die sich zum Alexanderplatz hin öffnet, soll als öffentliche Passage dienen.

Das Humboldt-Forum soll in Gestalt des früheren Schlosses bis etwa 2018 an seinem alten Standort wiedererstehen. 2007 hatten der Bundestag und das Land Berlin noch beschlossen, ab 2010 mit dem Wiederaufbau des Stadtschlosses zu beginnen. Aus Kostengründen hatte die Bundesregierung im vergangenen Sommer den ersten Spatenstich auf 2013 verschoben, der tatsächliche Baustart wird voraussichtlich sogar erst 2014 erfolgen und damit knapp vier Jahre später als ursprünglich geplant.

Den Plänen zufolge erhalten drei Fassaden, Teile eines Innenhofes und einige Portale die ursprünglichen barocken Verzierungen zurück. Geplant und in den Baukosten bereits mit eingerechnet ist auch eine Kuppel über dem Eosanderportal. Aus Kostengründen wird die Kuppel jedoch zunächst nur als schlichte Stahlkonstruktion errichtet. Bundesbauminister Peter Ramsauer (CSU) hatte deren barocke Ausgestaltung, genauso wie das schmückende Beiwerk an der Sandsteinfassade, vom Spendenwillen der Bürger abhängig gemacht. 80 Millionen Euro sollen allein durch Spenden für die Fassade zusammenkommen. „Der aktuelle Spendenstand weist 15 Millionen Euro Barvermögen aus, zudem gibt es feste Zusagen über weitere sieben Millionen Euro“, sagte Schlossförderer und Spendensammler Wilhelm von Boddien am Mittwoch Angesichts der Tatsache, dass mit dem Bau noch gar nicht begonnen wurde, so Boddien weiter, sei das eine erhebliche Summe. Fachleute rechnen mit zusätzlichen Kosten von acht bis zehn Millionen Euro für die historische Kuppel.

Für das Projekt hatte der Bundestag 2007 die verbindliche Kostenobergrenze von 552 Millionen Euro gesetzt. Viele Besucher wollten deshalb am MIttwoch wissen, ob Franco Stella diese Vorgabe auch einhalten könne. Stiftungsvorstand Manfred Rettig räumte ein, dass am Ende vermutlich eine andere Summe auf der Abschlussrechnung stehen werde. Dabei werde es sich aber nicht um planungsbedingte Kostensteigerungen handeln, wie etwa bei der Hamburger Elbphilharmonie. „Die Teuerung im Baugewerbe seit 2007 muss fairerweise berücksichtigt werden“, so Rettig. Die Baukosten würden deshalb vermutlich acht Prozent höher und damit bei 596 Millionen Euro liegen.

Keine Zusatzkosten für den Steuerzahler entstehen indes durch den Bau der Humboldt-Box. Sie soll am 29. Juni feierlich eröffnet werden. Wie die rote Infobox damals am Potsdamer Platz soll die Humboldt-Box über das Bauvorhaben auf dem Schloßplatz informieren. Betreiber werden die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die Landesbibliothek und die Humboldt-Universität sein. Der Förderverein Berliner Schloss wird auf 200 Quadratmetern die Architektur vorstellen und Spenden sammeln. Finanziert wird die Humboldt-Box durch die Firma Megaposter, die das Geld über Werbemaßnahmen am Bauzaun und dem Gerüst der Schlossbaustelle wieder hereinholen möchte.