Statt Recycling

Müll aus der Orange Box wird einfach verbrannt

Fast die Hälfte des Mülls, der in der Wertstofftonne Orange Box gesammelt wird, wird nicht wiederverwertet, sondern verbrannt. Dafür muss die BSR sogar bezahlen. Eine Mogelpackung meinen Kritiker.

Foto: BSR

30.000 Haushalte in der Hauptstadt haben sie schon, die Orange Box. Mit dieser knallig bunten Mülltonne sollen die Berliner Wertstoffe sammeln. Elektrogeräte wie Rasierer, Toaster und Handys, Spielzeug aus Holz und Plastik, Töpfe, Pfannen und CDs sowie Alttextilien sollen nicht mehr in der grauen Restmülltonne landen, sondern in der Orange Box. Doch nun kommt heraus: Fast die Hälfte dieser Wertstoffe wird verbrannt. Und die Verwertung der restlichen Wertstoffe bringt der BSR kein Geld, sondern ist ein teures Zuschussgeschäft. Das geht aus einer Antwort von Umweltstaatssekretär Benjamin Hoff auf eine Anfrage des CDU-Abgeordneten Mario Czaja hervor.

Der Staatssekretär schreibt: „Mehr als 50 Prozent der Inhaltsstoffe der Orange Box sind stofflich verwertbar. (…) Die übrigen Inhaltsstoffe der Orange Box werden energetisch verwertet. Sie werden in der Sortieranlage aufbereitet und im Zementwerk Rüdersdorf als Ersatzbrennstoff eingesetzt.“ Bisher war nicht bekannt gewesen, wie groß die Menge des Mülls aus der Orange Box ist, die verfeuert wird. Nach Angaben von BSR-Sprecherin Sabine Thümler handelt es sich dabei zu einem großen Teil um behandeltes Holz. Dazu zählen beispielsweise Tische und Stühle, die mit einer Lackschicht versehen sind. Nur unbehandeltes Holz kann zu Spanholzplatten weiterverarbeitet werden.

Für das Verbrennen der Stoffe aus der Orange Box muss die BSR sogar noch Geld bezahlen. „Für die energetische Verwertung von Materialien können derzeit in der Regel keine Erlöse erzielt werden, sondern sie sind zuzahlungspflichtig“, schreibt Staatssekretär Hoff. Auch die andere Hälfte der Wertstoffe ist ein Zusatzgeschäft. Weil die BSR selbst keine Sortieranlagen besitzt, vergibt sie Aufträge im Jahr von 70 Millionen Euro an 80 überwiegend mittelständische Unternehmen. „Insgesamt reichen die Erlöse der Wertstofftonne nicht aus, um die Kosten der Erfassung und Sortierung zu decken“, so Hoff. Im Moment ist die Orange Box kostenlos. Sie wird indirekt finanziert über die Müllgebühren der grauen Tonne.

Der CDU-Politiker Czaja sagte: „Die scheinbar ökologische Orange Box ist eine Mogelpackung, weil ein großer Teil verbrannt wird.“ Der ökologische Mehrwert sei gering, die Sortierung und Verwertung für die BSR ein teures Zuschussgeschäft, so Czaja. Im Wesentlichen gehe es der BSR darum, schon jetzt den Markt mit den Wertstoffen zu beherrschen. Privaten Konkurrenten solle der Markteintritt erschwert werden. Um die Wertstofftonne gibt es seit Jahren einen Kampf zwischen dem privaten Entsorger Alba, der die gelbe Tonne plus entwickelt hatte, und der landeseigenen BSR, die für den Hausmüll zuständig ist. Zurzeit laufen Gespräche, wie der Konflikt endgültig gelöst werden kann. Alba recycelt die Stoffe aus der gelben Tonne plus zum allergrößten Teil. Laut Abfallwirtschaftskonzept des Senats soll die BSR bei der Wertstofftonne federführend sein. Die Orange Box ist zurzeit kostenlos. 150.000 Behälter will die BSR in den nächsten Jahren aufstellen.

Auch die Umweltexpertin der Grünen, Felicitas Kubala, kritisierte die ihrer Meinung nach zu hohe Verfeuerungsquote. „Es werden noch zu viele Wertstoffe mit verbrannt“, so Kubala.

Sabine Thümler, Sprecherin der BSR, wies die Kritik zurück. Die Verwendung als Ersatzbrennstoff sei nicht ungewöhnlich, das geschehe auch mit anderem Müll aus der Gelben Tonne, sagte die Sprecherin. 50 Prozent sei auch kein hoher Wert. „Wir arbeiten aber daran, dass die Verwertungsquote besser wird“, sagte Thümler. Sie verwies darauf, dass das Sortieren und Verwerten, das von der EU gefordert wird, wegen der günstigeren Rohstoffkosten noch nicht rentabel sei. Trotzdem helfe die Orange Box beim Einsparen von Kohlendioxid. „Viele Stoffe kommen zurück in den Wirtschaftskreislauf“, so Thümler. Pro Tonne verwerteten Müll werden demnach 800 Kilogramm CO2 eingespart.