Kostenexplosion

Schneeräumdienste wollen Preise verdreifachen

Weil die vergangenen Winter schnee- und kostenreich waren, wollen die Schneeräumdienste in Berlin ihre Preise um bis zu 300 Prozent anheben. Der Verband Deutscher Grundstücksnutzer fordert ein Eingreifen des Senats.

Foto: patrick-lux.de / patrick-lux.de/Patrick Lux

Hauseigentümer und -verwaltungen bekommen in diesen Wochen unerfreuliche Post von ihren Winterdiensten. Bis zu 300 Prozent mehr Geld fordern die Firmen wegen der schneereichen vergangenen Winter, gestiegener Kosten und veränderter Gesetzeslage für ihre Arbeit. 60 bis 100 Prozent Mehrkosten sind die Regel.

Entkommen kann den Preissteigerungen wohl niemand. „Wir gehen davon aus, dass in den nächsten Jahren alle Kunden eine Änderungskündigung erhalten“, sagt Falk Eckert, Geschäftsführer von Kanold, einem der größten Schneeräumdienste in Berlin. Berlins größter Anbieter Ruwe hat bereits allen Kunden gekündigt und verhandelt neue Verträge. Andere Firmen kündigen einem Teil ihrer Kunden und verschicken an andere Preisanpassungen. Als Grund für die Kündigungen wird die Änderung der Vertragsgrundlage angegeben – das neue Straßenreinigungsgesetz mit seinen verschärften Vorschriften.

Im zurückliegenden Winter hatte die Gesetzesnovelle von Umweltsenatorin Katrin Lompscher (Linke) zu viel Kritik geführt. Nicht nur, weil es im November und damit erst kurz vor Beginn der Saison verabschiedet worden war. Vor allem der Passus um die Beseitigung von Eis hatte zu Irritationen geführt. „Wirkliche Eisbeseitigung ist flächendeckend nicht machbar“, sagt etwa Kanold-Geschäftsführer Eckert. „Wir machen Eisbeseitigung im Sinne der Eisvermeidung. Doch wenn der liebe Gott Eisbildung will, dann wird er sie organisieren.“

Aber auch ohne das neue Gesetz hätte es höhere Preise gegeben, sagt der Geschäftsführer der Alpina Schneedienste, Martin Gwiazdowski. „Die Preise, die jetzt angeboten werden, haben noch nicht einmal das Niveau von vor 20 Jahren, obwohl wir heute höhere Kosten haben.“ Streugut etwa werde nach den zwei vergangenen harten Wintern „gehandelt wie Goldstaub“. Auch seien Investitionen in teure Technik notwendig, um die hohen Standards zuverlässig zu erfüllen.

Als Konsequenz aus dem Schneechaos haben aber auch viele Anbieter ihre Touren verkleinert, um so bei Bedarf öfter bei einem Objekt räumen zu können. Auch bieten viele Unternehmen ihre Dienste nur noch in einem Teil Berlins an, um lange Wege zwischen den Auftraggebern zu vermeiden. „Wir beschränken uns jetzt auf den Westen, wir haben Grenzen gezogen außerhalb derer wir nicht mehr fahren“, sagt Gwiazdowski. Am Ende werde sich für die Kunden in der nächsten Saison die Qualität verbessern, versichern alle.

Wegen der Kündigungen herrscht bei den Berliner Schneeräumbetrieben eine für die Jahreszeit eher ungewöhnlich hohe Nachfrage. „Wir schreiben so viele Angebote wie sonst höchstens im Herbst“, sagt etwa Unternehmer Peter Mochow. „Wenn das so weiter geht, sind wir Ende des Sommers schon ausgebucht.“ Die Preise würden im Moment wöchentlich steigen, berichtet Mochow.

„Preise künftig fairer gestalten“

Der Verband Deutscher Grundstücksnutzer (VDGN) fordert angesichts der Preisexplosion nun vom Senat, sich für eine fairere Preisgestaltung einzusetzen, schließlich sei er mitverantwortlich für die Mehrbelastungen. „Der Senat sollte eine Moderation zwischen Anbietern und Kundenvertretern anschieben“, sagt VDGN-Präsident Peter Ohm. Er schlägt einen Sockelbetrag pro Saison und eine Tagesabrechnung für Schnee-Tage vor, damit Hausbesitzer nicht jeden lauen Winter voll zur Kasse gebeten werden. Der Vorsitzende von Haus und Grund Berlin, Carsten Brückner, fordert angesichts höherer Preise von den Unternehmen vor allem eine deutliche Qualitätsverbesserung und passende Angebote. „Der Eigentümer will vor allem Sicherheit, auf die er sich verlassen kann“, sagt Brückner.

Auch in den Bezirken reagiert man auf das Schneechaos im vergangenen Winter. Friedrichshain-Kreuzberg will einige Flächen nun selbst räumen, Tempelhof-Schöneberg hat sich mit Räumdiensten zusammengesetzt und die Ausschreibungen optimiert, fast überall kümmert man sich nun früher um die Winterplanung. „Der Preis wird in den Ausschreibungen weiterhin ein wichtiges Kriterium sein“, sagt Bausstadtrat Martin Lambert (CDU). Bei ihm in Reinickendorf gab es im Dezember viel Ärger, weil der angeheuerte Räumdienst von einem auf den anderen Tag gekündigt hatte. „Wir werden jetzt genau kontrollieren, ob das Unternehmen auch solide ist und leisten kann“, so Lambert.