Kriegsmunition

Bombe in Zehlendorf nach Stunden entschärft

Bauarbeiter hatten einen 250-Kilo-Blindgänger auf einem ehemaligen Klinikgelände in Zehlendorf entdeckt. Die Häuser in einem Radius von 500 Metern wurden evakuiert. Am späten Dienstagabend kam dann die erlösende Nachricht: Die Bombe ist entschärft.

Eine 250 Kilogramm schwere Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg hat am Dienstag für einen Großeinsatz der Polizei in Zehlendorf gesorgt. Bei dem Sprengsatz handelte es sich um eine deutsche Bombe, die mit einem russischen Zünder versehen war. Experten erklärten die auf den ersten Blick ungewöhnliche Kombination damit, dass die Rote Armee gegen Ende des Zweiten Weltkriegs deutsche Bomben einsetzte, die über sowjetischem Gebiet abgeworfen worden waren, aber nicht explodierten. Die Rote Armee entschärfte diese Blindgänger und baute anschließend eigene Zünder ein.

Nach stundenlangen Evakuierungsmaßnahmen und Straßensperrungen kam gegen 22.40 Uhr die erlösende Nachricht, dass die Entschärfung problemlos vorgenommen werden konnte.

Bauarbeiter hatten die Bombe gegen 15 Uhr an der Hohenzollernstraße entdeckt. Bereits 60 Minuten später stand nach einer Begutachtung durch Experten der Kriminaltechnik fest, dass sie vor Ort unschädlich gemacht werden musste. Wohn- und Geschäftshäuser in einem Radius von 500 Metern mussten evakuiert werden. Für die rund 400 Anwohner kam das völlig überraschend. „Erst erhalte ich die Nachricht, hier sei eine Bombe entdeckt worden. Man wisse noch nicht, ob sie entschärft werden könne“, berichtet Wolfgang Dobitz. „Zwei Stunden später heißt es, wir räumen. Also frage ich Bekannte, ob ich bei ihnen unterkommen kann. Aber wie erfahre ich, wenn alles vorbei ist und ich wieder nach Hause kann?“, ärgerte sich der Zehlendorfer.

Oksana S. (40) kam um 16 Uhr von der Arbeit nach Hause und wurde von der Polizei empfangen. Sie dürfe nicht mehr in ihre Wohnung. Der von der Polizei entgerichtete Sperrkreis durfte nicht betreten werden. Nördliche Grenze der Sperrung war die Potsdamer Straße, die auch für den Verkehr gesperrt wurde. Im Westen begrenzte die Düppelstraße das evakuierte Gebiet. Südliche Grenze war die S-Bahnlinie, im Osten war es die Martin-Buber-Straße. Somit war der komplette Zehlendorfer Ortskern betroffen.

Mit einem Großaufgebot war die Polizei im Umkreis des Geländes des ehemaligen DRK-Krankenhauses Tannengrund tätig. Angehörige einer Hundertschaft der Bereitschaftspolizei gingen ab dem Nachmittag in die einzelnen Wohnhäuser in Zehlendorfs Mitte und forderten die Bewohner zum Verlassen des Sperrkreises auf. Die Polizisten hatten zur Kontrolle Namenslisten bei sich, um sicherzugehen, dass keine Anwohner vergessen wurden. Zeitgleich wurde im Rathaus Zehlendorf eine Anlaufstelle für die Anwohner eingerichtet. Der S-Bahnhof Zehlendorf war von den Absperrmaßnahmen zunächst nicht betroffen, um den Tausenden Berufspendlern die Heimfahrt zu ermöglichen.

Die Evakuierung zog sich bis circa 21.45 Uhr am Abend hin. Da viele ältere Bewohner in dem Kiez wohnen, dauerte es mehrere Stunden, bis der Einsatzleiter sichergehen konnte, dass tatsächlich alle Wohnhäuser geräumt waren und die Experten mit der Entschärfung des Blindgängers beginnen konnten.

Auch das Pflegeheim in der Hohenzollernstraße hatte zuvor evakuiert werden müssen, bettlägerige Patienten wurden mit Krankenwagen des Deutschen Roten Kreuzes abtransportiert. Im Bürgersaal des Rathauses Zehlendorf richteten Helfer eine Aufnahmestation ein, wo abends rund 100 ältere Menschen versorgt wurden. Auch zwei Familien mit kleinen Kindern suchten dort Unterschlupf. Mutter Valeria L. (42) erzählt: „Ich war gegen halb acht dabei, meine Kinder ins Bett zu bringen, als Polizisten bei uns klingelten.“ Sie habe dann nur das Nötigste mitgenommen – nun müssten ihre beiden Kinder auf der Couch in der Notunterkunft schlafen.

Ihr Mann habe am Abend Probleme gehabt, überhaupt noch nach Hause zu kommen, sagte Valeria L., weil einige Zufahrten bereits von der Polizei gesperrt waren. Das sorgte während des Berufsverkehrs für ein Verkehrschaos in Zehlendorf.

Viele Anwohner sind privat bei Freunden untergekommen. Einige von ihnen nahmen die Situation mit Humor. „Hauptsache, die Scheiben sind noch drin, wenn wir wiederkommen“, sagte eine Zehlendorferin. Kurz vor der Entschärfung fuhr ein Polizeifahrzeug durch die Straßen, die an den Sperrkreis grenzen und forderte per Lautsprecher die Bewohner auf, in ihren Häusern zu bleiben.

Die Überreste des Blindgängers wurden zum Sprengplatz Grunewald gebracht. Rund 150 Polizeibeamte waren an dem Einsatz beteiligt.