Hauptstadtflughafen

Lufthansa wehrt sich gegen hohe BBI-Abgaben

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Katrin Schoelkopf

Foto: Lufthansa / Lufthansa/Lufthansa Bildarchiv FRA CI/I

Die Betreiber des Hauptstadtflughafen erwägen Gebühren so hoch wie an großen europäischen Drehkreuzen. "Unakzeptabel" seien die Entgelte, die eine Airline pro Passagier zahlen soll, heißt es von der Lufthansa.

In knapp eineinhalb Jahren soll der neue Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg International (BBI) in Schönefeld eröffnet werden. Doch dem wichtigsten Infrastrukturprojekt der Region bläst derzeit Gegenwind wie selten zuvor entgegen. Nicht nur die Diskussion über die Flugrouten stellt die Wirtschaftlichkeit des neuen Flughafens in Frage, auch der Streit um marktgerechte Gebühren am neuen Airport kann Auswirkungen auf die Rentabilität und damit auf die Refinanzierung der 2,7 Milliarden Euro-Investition haben.

Denn mitnichten werden die Gebühren, die der Flughafengesellschaft für den BBI vorschweben, von den Airlines akzeptiert. „Unakzeptabel“ nennt denn auch der Lufthansa-Vorstandsbevollmächtigte für Berlin und Brandenburg, Thomas Kropp, die Entgelte, die seine Airline pro Passagier zahlen soll. Diese seien deutlich höher als in Tegel und höher als an vergleichbaren Flughäfen. In der Tat werden die Gebühren nach Informationen der Morgenpost Online um durchschnittlich 5 Euro pro abfliegenden Passagier erhöht werden.

Der Durchschnittserlös pro Fluggast soll bei über 20 aber unter 26 Euro liegen. Das wären um die fünf Euro mehr an Entgelten als derzeit in Tegel durchschnittlich erhoben werden und mindestens 16 mehr als in Schönefeld. Kropp wirft der Flughafengesellschaft nicht nur vor, grundsätzlich zu hohe Gebühren zu verlangen, sondern sieht auch eine Ungleichbehandlung bei der Erhebung der Entgelte.

Gebühren zu hoch

„Auch wenn der BBI mal ein Drehkreuz werden soll, können doch nicht bereits bei der BBI-Eröffnung Gebühren verlangt werden, die fast so hoch sind wie an den großen europäischen Drehkreuzen“, klagt Kropp. Mit diesen hohen Gebühren würde der BBI seine Wettbewerbsfähigkeit verlieren und Gefahr laufen, Verkehr zu verlieren. „Das wird manche Airline davon abhalten, ihre Position in Berlin auszubauen.“

Auch müssten die versprochenen Synergieeffekte aus der Schließung des Flughafens Tempelhof in moderatere Gebühren einfließen. Barig-Generalsekretär Martin Gaebges kritisiert ebenfalls die Höhe der Entgelte und hofft, dass erst 2012, im Jahr der BBI-Eröffnung, die endgültigen Gebühren feststehen. Die Barig (Board of Airline Representatives in Germany) vertritt die Interessen aller in Deutschland vertretenden Fluggesellschaften. Andere Kritiker fordern, dass die Flughafengesellschaft darauf verzichtet, den Kreditdienst für die BBI-Finanzierung „ehrgeizig schnell“ zu bedienen. Damit hätte sie jährlich geringere Belastungen und könnte die Gebühren für die Airlines niedriger gestalten. Airlines würden nicht abwandern. Wermutstropfen für die Flughafengesellschaft: Die Zinsen für die BBI-Finanzierung würden steigen.

Lufthansa-Manager Kropp kritisiert überdies, dass „diejenigen Airlines, die bislang in Schönefeld von Tegel quersubventioniert werden, fair an der Gebührengestaltung beteiligt werden“. Kropp meint damit Billigflieger wie Easyjet. Der Flughafen hat den Vorwurf der Ungleichbehandlung der Airlines stets zurückgewiesen. Auch beim BBI soll für gleiche Leistung immer gleich bezahlt beziehungsweise nur gezahlt werden, was auch genutzt wird. Doch genau das bezweifelt die Lufthansa. Sie sieht wie auch andere Luftverkehrsexperten eine viel zu weite Gebührenspreizung, die sich nicht über die Investitionen für den BBI und die angebotene Leistung rechtfertigen lässt. Denn große Entgelt-Differenzierungen wie zwischen dem Billigflieger-Flughafen Schönefeld und dem teureren Tegel wird es künftig nicht mehr geben können.

Ryanair ausgestiegen

Am BBI spielt sich alles unter einem Dach ab. Alle Airlines, ob Billigflieger oder klassische Fluggesellschaften nutzen dieselben Start- und Landebahnen, dasselbe Vorfeld. Auf dieser Grundlage dürfte die Spreizung nur bei zwei bis drei statt bei zehn Euro liegen – auch das sagen Fachleute. Das wiederum würde die ohnehin schon klagenden Billig-Airlines vertreiben. Der irische Billigflieger Ryanair hat bereits in den vergangenen Wochen angekündigt, ihre innerdeutschen Strecken von Schönefeld nach Hahn, Bremen und Weeze wegen der ab 2011 fälligen Luftverkehrssteuer zu streichen. Auch Easyjet hat die Gebühren für Billigflieger am BBI bereits als „zu hoch“ bezeichnet. Wie die Flughafengesellschaft den Konflikt lösen will, ohne die Rentabilität des BBI aufs Spiel zu setzen, bleibt spannend. Zunächst wird erst einmal die umstrittene Gebührenordnung zur Genehmigung eingereicht, dann können die Airlines erneut Stellung nehmen.

Indes hat Lufthansa den Grundstücksvertrag für den Bau eines neuen Wartungshangars am künftigen BBI mit der Flughafengesellschaft besiegelt. Das 18200 Quadratmeter große Grundstück im Westen des BBI nahe Selchow geht im Mai an die Lufthansa-Tochter Lufthansa Technik. Mitte Juli hatte die Kranich-Airline das „Millionen –Investment im zweistelligen Bereich“ angekündigt. Mit dem Bau des 6800 Quadratmeter großen Hangars mit drei Stellplätzen für Kurz- und Mittelstrecken-Flugzeuge soll in der zweiten Jahreshälfte des nächsten Jahres begonnen werden.