Messerstiche auf Fahrgast

U-Bahn-Attacke – Angeklagter ohne Erinnerung

Anfang Januar ist ein 43-Jähriger in der U-Bahn mit einem Messer attackiert und schwer verletzt worden. Der mutmaßliche Täter steht nun vor Gericht und gibt an, sich nicht mehr an die Attacke erinnern zu können.

Nach dem Messerangriff in der U8 Anfang Januar kann sich der mutmaßliche Täter vor Gericht nicht an die Attacke erinnern. „Ich hatte Alkohol getrunken, obwohl ich weiß, dass ich alkoholkrank bin“, sagte der 30-Jährige am Dienstag vor dem Landgericht Berlin. Der zwei Meter große und rund 120 Kilogramm schwere Mann soll am 7. Januar kurz vor Mitternacht in der Linie 8 bei der U-Bahnstation Wittenau Geld von einem Fahrgast verlangt und dann in seinen Oberschenkel gestochen haben. Nach der Festnahme wurde bei ihm 1,5 Promille Alkohol festgestellt.

Der Staatsanwalt wirft dem Angeklagten Körperverletzung und schwere räuberische Erpressung vor. Er soll mit der sechs Zentimeter langen Messerklinge mehrfach zugestochen haben – erst in das Bein eines 43-Jährigen, dann in Richtung des Oberkörpers von dessen Schwiegersohn. Dabei wurde der 29 Jahre alte Schwiegersohn an der Handfläche verletzt und seine Jacke an der Brusttasche beschädigt. Zusammen konnten die beiden Männer den Angreifer schließlich überwältigen und die U-Bahn am nächsten Bahnhof verlassen.

Vor Gericht zeigte der Angeklagte Reue und entschuldigte sich bei dem gelernten Bäcker. „Es tut mir leid, was ich Ihnen angetan habe“, sagte der 30-Jährige mit Tränen in den Augen. Bei klarem Verstand würde er so etwas nie machen. Der Geschädigte, der wahrscheinlich sein Leben lang ein Taubheitsgefühl im Bein behalten wird und aus Angst keine U-Bahn mehr fährt, zeigte sich versöhnlich. „Wenn es wahr ist, dass Sie das im Leben nie mehr machen werden, dann verzeihe ich Ihnen.“

In den vergangenen Monaten hatten gewalttätige Überfälle auf Berliner Bahnhöfen Empörung und bei Fahrgästen Angst ausgelöst. Völlig enthemmt waren drei junge Männer Anfang Mai am U-Bahnhof Amrumer Straße gegen den Kopf ihres am Boden liegenden Opfers gesprungen. An Ostern hatte ein 18-jähriger Schüler einen Mann auf dem U-Bahnhof Friedrichstraße fast totgetreten. Im Februar prügelten vier Jugendliche einen Handwerker auf dem S-Bahnhof Lichtenberg ins Koma. Bei zahlreichen anderen Angriffen gab es Verletzte. Für Entsetzen sorgten Videoveröffentlichungen, die eine menschenverachtende Brutalität der Täter offenbarten.