Radtouren rund um Berlin

Eine Tour ins bunte Reich der Vögel

Mit dem Rad rund um Berlin unterwegs - der dritte Teil der neuen Serie von Morgenpost Online. Der Ausflug im Berliner Süden hat ein Ziel, das vor allem Kindern gefällt: den Zoo in Teltow.

Foto: Reto Klar

Im Süden von Berlin liegt ein Kinder-Idyll. Ein Mädchen reitet ein braungeschecktes Pony, ein prächtiger bunter Papagei hüpft auf seiner Stange, ein kleiner Junge streckt einer Ziege ein Stück Möhre entgegen. Die Futtertüten mit Gemüse und Brot verteilt die Frau an der Kasse. Bei gutem Wetter zieht der Vogelpark Teltow Familien scharenweise an. Der kleine Zoo unweit des Teltowkanals ist ein beliebtes Ziel für Ausflügler mit kleinen Kindern, rund 30 Autominuten vom Berliner Stadtzentrum entfernt. Wer zunächst ein Stück mit der S-Bahn fährt, kann aber auch sehr gut mit dem Fahrrad dorthin gelangen.

Wir starten unsere Tour am S-Bahnhof Lichterfelde und fahren durch die schöne, baumbestandene Bahnhofstraße. „Die größte Offenbarung ist die Stille“, steht in weißer Frakturschrift auf der Backsteinfassade einer Villa. Nach ein paar Minuten erreichen wir eine kleine Grünanlage, teilen uns den Uferweg mit Joggern und Walkern. Eine kleine Brücke, der Krahmersteg, führt uns über den Teltowkanal. Berlin macht hier einen gemütlichen, fast schon vorstädtischen Eindruck.

Der Schlosspark Lichterfelde liegt vor uns und lohnt eine kurze Rast. Durch die Bäume schimmert ein großes gelbes Gebäude, das älteste des Ortsteils. Das frühere Gutshaus des Ritterguts Lichterfelde ist auch als Carstenn-Schlösschen bekannt, weil es sich lange im Besitz des Kaufmanns Johann Anton Wilhelm von Carstenn befand, dem Gründer der Villenkolonie Lichterfelde. Heute sind ein Kindergarten sowie Räume für Selbsthilfegruppen darin untergebracht.

Picknick auf dem Spielplatz

Wir setzen unsere Radtour auf der stellenweise etwas holprigen Promenade am Teltowkanal fort. Am Wasser haben ein paar Angler ihre Ruten ausgeworfen, von einer Kleingartenkolonie weht der Duft von frisch Gegrilltem herüber. Kurz hinter dem schroff aufragenden Kraftwerk Barnackufer wechseln wir über die Eugen-Kleine-Brücke auf die andere Seite des Kanals. Wenige Meter hinter einem großen Spielplatz mit Picknickpavillon passieren wir die Berliner Stadtgrenze und entfernen uns etwas vom Kanal. Auf der Max-Sabersky-Allee fahren wir zunächst an ein paar in die Jahre gekommenen Wochenendhäuschen vorbei, dann blicken wir in die Vorgärten pompöser neuer Architektenhäuser – die Immobilien in Wassernähe sind gefragt und teuer. Auf der Fritz-Reuter-Straße fahren wir weiter Richtung Dichter-und-Denker-Viertel: Fontane, Schiller, Storm und Kant standen hier für die Straßennamen Pate.

Kurz darauf erreichen wir eine Bahntrasse und fahren die Brücke hinauf. Dort sehen wir bereits den Vogelpark und lassen uns zum Eingang herabrollen, wo es schon richtig schön nach Stall riecht. Der Park hat das ganze Jahr über geöffnet, täglich von 9 bis 19 Uhr. Der Eintritt für Kinder ab einem Jahr kostet 1,50 Euro, Erwachsene zahlen einen Euro mehr.

Geld, das Zoobetreiber Lothar Lübeck (52) dringend braucht. Lübeck hatte vor zwei Jahren seinen sicheren Mechaniker-Job in Schweden aufgegeben, um das Lebenswerk seines Vaters Horst fortzuführen. Der Gründer des Parks war im April 2009 bei einem Unfall mit der Pferdekutsche ums Leben gekommen. „Vogelzucht war sein Leben“, erzählt Lothar Lübeck über seinen Vater. Eine Leidenschaft, die vor 50 Jahren begann, als Horst Lübeck und seine Frau Annemarie einen kranken Wellensittich im Garten fanden. Das Ehepaar päppelte den Vogel wieder auf, setzte ihm eine Gefährten in den Käfig – und hatte auf einmal eine Vogelzucht.

Später pachtete Horst Lübeck ein paar Wiesen, baute große Volieren und eröffnete 1990 seinen Vogelpark und Streichelzoo. Heute leben rund 300 Tiere auf dem Gelände. Vögel aus der ganzen Welt wie Aras, Wellensittiche oder Zebrafinken, aber auch Exoten wie die Java-Affen und das Alpaka-Lama, das uns sehr lange neugierig anschaut. Wer mit Kindern unterwegs ist, kann getrost mehrere Stunden für den Besuch des Zoos einplanen.

„Mein Sohn will gar nicht mehr nach Hause, so gut gefällt es ihm hier“, sagt Anna Kühne (29), Studentin aus Neukölln. Ihr Benjamin, zwei Jahre alt, rollt auf dem Bobby-Car vom Ziegenstall zum „Weißen Kakadu“. In dem Zoo-Restaurant gibt es für fünf Euro Deftiges wie Kartoffeln mit Quark oder eine Riesen-Currywurst. Als Andenken an den Zoobesuch kann man hier auch Honig aus der Vogelpark-Imkerei kaufen.

Wir verlassen den Vogelpark, fahren über die Brücke zurück zur Kantstraße und folgen der Straße Richtung Berlin. Nach ein paar hundert Metern werden wir überrascht vom Anblick einer langen Reihe kleiner, zarter Bäume: Wir haben den Mauerweg erreicht, der hier von japanischen Kirschbäumen gesäumt wird. Die Strecke ist eben und schnell, bald erreichen wir das so genannte Japan-Eck, wo ein Gedenkstein über die Herkunft der rund 300 Bäume aufklärt: Sie sind eine Spende von mehr als 20.000 japanischen Bürgern anlässlich der Deutschen Einheit. Wie es heißt, haben sogar Kinder ihr Taschengeld geopfert, damit das Geld für die Pflanzung zusammenkam.

Auf einer Weide hinter dem Osdorfer Wäldchen grasen Hochlandrinder. Sie gehören zum Gut Osdorf, zu dem wir über einen buckeligen Feldweg einen kleinen Abstecher machen. Wer im Hofcafé seinen Nachmittagsimbiss einnehmen möchte, muss gut planen: Es hat nur mittwochs bis freitags von 15 bis 18Uhr sowie sonnabends zwischen 14 und 17 Uhr geöffnet. Dafür bekommt man eine Bauernhof-Kulisse wie aus dem Bilderbuch geboten: Auf dem Hof gackern Hühner, Gänse laufen laut schnatternd vorbei, irgendwo wiehert ein Pferd. Noch vor gut vierzig Jahren lebten 150 Menschen auf dem einstigen Rittergut. 1968 wurden sie durch die DDR-Behörden umgesiedelt – zur „Sicherung der Staatsgrenze“, die wenige Schritte von hier verlief. Seit 2002 bewirtschaften die Bauern Stephan Ebel und Thomas Windmüller das Gut.

Als wir die Lilienthal-Gedenkstätte in Lichterfelde erreichen, taucht die Nachmittagssonne den Fliegerberg in warmes Licht. Wir steigen die 74 Stufen zum Hügel hinauf. Oben, in dem Pavillon mit dem flachen, runden Dach, steht ein Junge und wirft einen Papierflieger in die Luft. Wir stellen uns vor, wie Luftfahrt-Pionier Otto Lilienthal hier seine ersten Gleitflüge machte und blicken über Lichterfelder Villen und den Karpfenteich, auf dem Enten dümpeln. Von hier aus sind es nur noch ein paar hundert Meter zum S-Bahnhof Osdorfer Straße, dem Endpunkt der Tour.

Hier die Karte als PDF.

Und hier gibt es die Wegbeschreibung dazu.

Alle Teile unserer Serie finden Sie unter www.morgenpost.de/radtouren.