Sozialunternehmen

Ex-Chef plant Konkurrenz zur Treberhilfe

Von Juli bis Dezember war Frank Biskup Geschäftsführer der Treberhilfe. Dann beendete er abrupt sein Arbeitsverhältnis. Der Branche will er treu bleiben und lockt frühere Mitarbeiter mit mehr Urlaub und mehr Geld.

Foto: © JÖRG KRAUTHÖFER

Seit Harald Ehlert (48) die Treberhilfe in Misskredit gebracht hat, geben sich bei dem gemeinnützigen Sozialunternehmen die Chefs die Klinke in die Hand. Frank Biskup (57), bis vor Kurzem noch Manager der umstrittenen Einrichtung, wollte das Geschäft wieder in ruhiges Fahrwasser bringen. Keine leichte Aufgabe, nachdem der Firmenchef mit Maserati, Chauffeur, Haus am See und einem opulenten Jahresgehalt deutschlandweit für Aufsehen gesorgt hatte. Im Juli war Biskup angetreten, Mitte Dezember beendete er abrupt sein Arbeitsverhältnis. Auf eigenen Wunsch. Darauf legt er Wert. Harald Ehlert fungiert in seiner Firma seit der Affäre nur noch als Gesellschafter, der sich offiziell aus dem Tagesgeschäft heraushält. Dafür sind die Geschäftsführer zuständig. Derzeit führt Gideon Joffe die Geschäfte. Der 38-jährige ehemalige Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin ist promovierter Volkswirt.

Biskup will keine schmutzige Wäsche waschen. Er blickt auch nicht im Zorn zurück. Seine Arbeit für die Treberhilfe, die im Übrigen auch nicht schlecht bezahlt worden sei, habe er in dem Moment gekündigt, als Harald Ehlert innerhalb weniger Tage zwei Pressekonferenzen anberaumt hatte, auf denen Treberhilfethemen erörtert wurden. Der Branche will der pensionierte Beamte, der rund 25 Jahre in der Senatsverwaltung für Inneres gearbeitet hat, dennoch treu bleiben. Mit einem finanzstarken Partner, der im Markt bereits etabliert ist, baut er ein neues Sozialunternehmen auf. „Wir werden uns einen Kodex schaffen, der auf den Regeln von Transparency International basiert. Mit dem neuen Unternehmen wollen wir dort Mitglied werden“, kündigt Biskup an. Transparency International ist ein gemeinnütziger Verein, der „Korruption als Missbrauch von anvertrauter Macht zum privaten Nutzen oder Vorteil“ definiert. Eine möglichst große Transparenz soll dies verhindern.

Wer sein Partner sein wird, kann Biskup erst in einigen Wochen sagen. „Noch sind wir ganz am Anfang. Geplant ist aber, im ersten Quartal des kommenden Jahres zu starten, vielleicht schon im Februar“, so Biskup. Er arbeite gerade daran, die Anlaufphase auf gesicherte finanzielle Füße zu stellen. Wie schon bei der Treberhilfe will Biskup auch im neuen Unternehmen für die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter einiges tun: „Bei uns erhalten sie auf jeden Fall mehr als den gesetzlichen Mindesturlaub von 20 Tagen, den ich eindeutig zu wenig finde.“ 25 Urlaubstage für junge Menschen und 30 für Ältere fände er angemessen. Wenn es die wirtschaftlichen Verhältnisse des Unternehmens hergeben, will er seinen Beschäftigten auch ein 13. Monatsgehalt zahlen. Dass Biskup die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter wichtig war, bestätigt Hiltrud Fiedler, Betriebsratsvorsitzende der Treberhilfe. Die Enttäuschung über seinen Weggang sei groß. „Er hatte es geschafft, in der kurzen Zeit Ruhe ins Unternehmen zu bringen“, sagte die Betriebsratsvorsitzende. Jetzt sei die Unruhe wieder groß, weil die Mitarbeiter nicht wüssten, in welche Richtung es mit dem Nachfolger gehe. Während der Zeit mit Biskup habe die Arbeit mit den Klienten im Vordergrund gestanden und nicht die Presseartikel mit immer wieder neuen Vorwürfen über die Treberhilfe.

Fiedler setzt jetzt darauf, dass die Prüfberichte des Senats öffentlich gemacht werden, damit „wir wissen, was von uns und unserem Arbeitgeber erwartet wird“. Die nächsten Monate würden auch zeigen, wie die Zusammenarbeit mit dem Senat weitergehe. Fiedler geht davon aus, dass sich die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter der Treberhilfe verbessern können. „Auch deshalb sollten die Prüfberichte öffentlich sein, dann haben wir als Betriebsrat etwas in der Hand.“ Wünschenswert wäre es zum Beispiel, dass die Gehälter der Mitarbeiter den Tarifen im öffentlichen Dienst angeglichen würden. Bislang gibt es bei der Treberhilfe eine interne Betriebsvereinbarung von 2004, die an keinen Tarif gekoppelt ist.

Biskup schließt nicht aus, dass Mitarbeiter der Treberhilfe zu ihm wechseln könnten. Jeder dürfe sich bewerben. Qualifizierung sei der Maßstab. Bereits im Sommer waren etliche Mitarbeiter der Treberhilfe, sogar als Team, zur von der Diakonie gegründeten Neuen Chance gewechselt. Waren es ehemals rund 280 Beschäftigte, arbeiten heute rund 220 bei der Treberhilfe. Es gab auch Neueinstellungen. Auch Biskup will in seiner zukünftigen Firma Überschüsse erwirtschaften. Die müssten nicht gleich im zweistelligen Prozentbereich angesiedelt sein (die 1988 von Harald Ehlert gegründete Treberhilfe hatte ihre Rendite nach eigener Auskunft so dargestellt), aber „nur mit Gutmenschentum und Sozialromantik“ könne ein solches Unternehmen nicht aufgebaut werden. „Wir werden mit unserem Gewinn das Unternehmen ausbauen, einen Teil des Geldes aber auch in unsere Mitarbeiter investieren“, so Biskup. In der Frage der Geschäftswagen, die „Sozialunternehmer“ Harald Ehlert mit seinem Maserati-Dienstwagen und der BMW-Flotte in die öffentliche Kritik brachte, will Biskup von Anfang an eine klare Linie fahren: „Wenn überhaupt, werden nur Kleinwagen angeschafft.“ Und gegen einen Betriebsrat hat er auch keine Einwände, schließlich sei er selbst lange genug Personalratsvorsitzender gewesen.

Anders bei der Treberhilfe. Die Arbeit des Betriebsrats, der gegen den Widerstand der Geschäftsführung Mitte des Jahres erst durchgesetzt werden musste, sei nicht leicht, sagt Hiltrud Fiedler. Sie hofft aber, dass sie den neuen Chef im Januar kennenlernen darf.