Radtouren rund um Berlin

Auf zum Ausflug zu Skatern und Schnapsbrennern

Mit dem Rad rund um Berlin unterwegs - die neue Serie von Morgenpost Online. Heute wollen wir Sie für den 28 Kilometer langen Weg nach Kloster Zinna begeistern. Er führt auch über den Fläming-Skate.

Foto: Reto Klar

Tiergehege, einen Hochseilgarten und sogar eine historische Schnapsbrennerei können Besucher bei einer Radtour zwischen Luckenwalde und dem Kloster Zinna rund 50 Kilometer südlich von Berlin ansteuern. Die Asphaltschleife des Fläming-Skates brachte Schwung in die strukturschwache Region. Viele Anrainer haben sich auf Touristen, die zum Skaten oder Radfahren kommen, eingestellt. Und für die Grillparty am Abend kann man sogar Straußensteaks erstehen.

Der erste Aha-Effekt erwartet Radfahrer schon nach 500 Metern: Hat man das etwas triste Bahnhofsviertel von Luckenwalde hinter sich gelassen, ist man in der Altstadt. Rund um den gewaltigen Marktturm säumen liebevoll sanierte Gründerzeithäuser den Platz. Einladend wirkt auch die Breite Straße: In der Fußgängerzone – für Fahrradfahrer freigegeben – finden sich Cafés, Eisdielen und Einzelhandelsgeschäfte. Schilder, die den Weg zum Einstieg in den Fläming-Skate weisen, führen uns entlang eines Baches in den Stadtpark. Unter dem hohen Blätterdach springen Rehe und Ziegen in einem Freigehege des Tierparks umher. Wer genau hinsieht, kann im Bachlauf leuchtend grüne Laubfrösche entdecken.

Ein Hochseilgarten markiert die Stelle, an der wir die Route des Fläming-Skates verlassen. Ein Waldweg führt uns durch lichte Kiefernhaine zum Forsthaus Klosterheide. Vor einem Jägerzaun illustrieren Schautafeln die Aufgaben der Förster und warnen – ein wichtiges Thema in Brandenburg – vor Waldbränden. Wie zur Mahnung ist neben dem Weg eine breite Brandschneise geschlagen. Auf dem Schwarzen Weg fahren wir weiter über Sandboden, den zu Zeiten des Kalten Krieges die Sowjets für Militärmanöver nutzten. Schilder am Wegesrand warnen vor Munitionsresten aus dieser Zeit. Seit dem vergangenen Herbst erschließt der Wurzelbergweg in der Nähe Wanderern jene von Wanderdünen und Steppenstücken geprägte Mondlandschaft, die russische Panzer in die Mark gruben. Auf den letzten Kilometern nach Kloster Zinna passieren wir den Weiler Neue Häuser.

Kleine Häuser in Pastelltönen

Im Dorf Kloster Zinna stehen einstöckige Häuser, nach der Wende gründlich renoviert und in Pastellfarben gestrichen, am Straßenrand. 200 Meter nach dem Ortsschild führt zur Rechten die Klosterstraße zum eigentlichen Kloster. 1170 hatten sich Mönche des in Frankreich gegründeten Zisterzienserordens dort niedergelassen. Die Geistlichen machten die Landschaft urbar. Später siedelte Friedrich der Große hier Weberfamilien an.

Lohnend ist der Besuch der Klosterkirche. Die feldsteinernen Mauern des Kirchenschiffes sorgen auch im Frühsommer dafür, dass der Atem kondensiert. Geradezu verspielt wirken dagegen die ehemaligen Wohnhäuser der Mönche mit ihren aus bunten Ziegeln erbauten Zinnen und Torbögen. Wer sich eingehender mit der Geschichte des Klosters befassen will, kann noch das Klostermuseum besuchen.

Die Mönche haben auch Schnaps gebrannt. Der Eingang zur historischen Brennerei liegt gleich neben der Tür zum Museum. Nachdem der letzte Zisterzienser 1553 im Rahmen der Reformation das Kloster verlassen musste, gerieten auch die Rezepte für Hochprozentiges in Vergessenheit. „Erst Johann Christian Falckenthal entdeckte die Anleitungen im Jahr 1759 wieder und produzierte erneut Schnaps“, verrät Karin Müller, die Gäste gegen einen geringen Betrag durch die Brennerei führt und anschließend bewirtet. „Die Essenz, das Herzstück unserer Brände, wird immer noch hier im Kloster hergestellt“, sagt Müller. Die Gäste können zwischen drei Kräuterschnäpsen wählen. Enthaltsame Radfahrer stärken sich in einem der drei umliegenden Lokale.

Wir verlassen das Kloster, treffen hinter dem Ortsschild wieder auf den Fläming-Skate und nehmen den Abzweig Richtung Werder. Mühelos rollen die Räder über den makellosen Asphalt. Die angepeilte Rast auf dem Erlebnishof Werder müssen wir uns allerdings hart erarbeiten: Ein steiler Anstieg über knapp 500 Meter treibt „Wochenend-Radlern“ die Schweißperlen auf die Stirn.

Im Innenhof des Gutes gruppieren sich Sitzgruppen um zwei Teiche, in denen Goldfische schwimmen. Neben Getränken werden Gerichte wie Schweineschnitzel mit Waldpilzen und Pommes Frites für 6,50 Euro oder Cordon Bleu serviert. Kinder interessieren sich vor allem für die Tiere im Landwirtschaftspark des Vierseithofes: Pferde, Schafe, Ziegen, Kühe, Schweine und Kaninchen.

Nach der Pause auf dem Erlebnishof machen wir uns auf das letzte Drittel der Tour. Weitab jeder Straße zieht sich der Fläming-Skate durch Wälder und Auen, direkt am Weg liegt nach vier Kilometern das kleine Dorf Neuhof. Kurz hinter der Ortsgrenze trauen wir unseren Augen nicht: Übermannsgroß staksen Straußen auf einer Weide herum, stoßen eigenartige Laute aus und blicken uns aus großen Augen, die von langen Wimpern umrahmt sind, an. „Wir züchten seit sechs Jahren und lassen nach Bedarf schlachten“, sagt Bauer Gerhard Triebandt. Radfahrer können sich im Hofladen (Dorfstraße 46, täglich 9 bis 18 Uhr) für den Grillabend nach der Tour eindecken. Steak kostet 18Euro pro Kilo, Filet zwei Euro mehr. „Das Beste aber ist die Leber, die ist stets schnell vergriffen“, meint der Züchter.

So fahren wir mit einem Stück Straußenfleisch im Gepäck über Kolzenburg, wo ein riesiger Bussard aus der Krone einer Eiche heraus den Luftraum kontrolliert, zurück nach Luckenwalde. Am Hochseilgarten treffen wir wieder auf die Route, die uns quer durch die Stadt zurück zum Bahnhof führt.

Ein Tipp zum Schluss: Wer schon bei der Ankunft geklärt hat, wann der Regionalexpress Richtung Berlin abfährt, der kann sich in der Fußgängerzone noch in aller Ruhe ein Eis als Belohnung für gute 28Kilometer Muskeltraining gönnen.

Hier die Karte als PDF.

Und hier gibt es die Wegbeschreibung dazu.

Alle Teile unserer Serie finden Sie unter www.morgenpost.de/radtouren.