Nachnutzung

Technik-Hochschule will in Tegel einziehen

Die Beuth-Hochschule für Technik Berlin will das sechseckige Terminal nach Stilllegung des Flughafens nutzen. Doch der Senat kommt mit der Nachnutzung nicht voran. Denn unklar ist die Frage, wer die Entwicklung des Tegels in die Hand nehmen soll.

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In Tegel sollte alles besser laufen. Man habe aus Tempelhof gelernt, hieß es noch 2008, als Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) am 1. Oktober die erste Standortkonferenz zur Nachnutzung des Flughafens einberufen hatte. Mehr als zweieinhalb Jahre später ist der Einsicht in die Notwendigkeit frühzeitiger Planung jedoch noch immer keine konkrete Lösung für die Nachnutzung Tegels gefolgt. Dabei mangelt es weder an Ideen noch an Interessenten, wie zuletzt die 5. Standortkonferenz Mitte Januar dieses Jahres zeigte.

Was aber fehlt, sind klare Entscheidungen. Allen voran die Klärung der Frage, wer endlich die Entwicklung des Flughafens in die Hand nehmen soll. Und die Zeit drängt. Denn in gut einem Jahr, wenn am 3. Juni 2012 der neue Hauptstadtflughafen BBI in Schönefeld in Betrieb geht, wird in Tegel der Flugverkehr eingestellt. Mit der geplanten Nachnutzung des Airportgeländes als Industriestandort der Green Technology aber geht es nur schleppend voran.

Hochschule will Entscheidung

Nicht nur der Flughafenarchitekt und Impulsgeber für die Nachnutzung, Meinhard von Gerkan, sondern auch die Beuth-Hochschule für Technik Berlin als interessierter Nutzer für das sechseckige Terminal fordern den Senat jetzt auf, Fakten zu schaffen. „Das allerwichtigste ist, dass sehr schnell eine Trägergesellschaft für die Entwicklung installiert wird“, sagt Stephan Schütz vom Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner. „Es ist äußerst bedeutsam, kurzfristig eine Lösung zu finden, damit es nach der Schließung des Flughafens dort zügig weitergehen kann und Tegel ein öffentlich relevanter Ort bleibt.“

Die Beuth-Hochschule, die an ihrem derzeitigen Standort in Wedding aus allen Nähten platzt und dringend neue Räume braucht, könnte in Tegel als Ankermieter die Entwicklung anschieben. Bereits im vergangenen Jahr meldete sie Interesse an der Nutzung des Terminals an. Wie dringlich die Lage für die Hochschule ist, zeigt, dass sie für das nächste Semester allein 35 Hörsäle hinzumieten muss, um den Lehrbetrieb zu sichern. Das Terminal könnte den zusätzlichen Raumbedarf von 16000 Quadratmeter annähernd decken. Doch Planungssicherheit gibt es für die Hochschule nicht. „Mir wäre es wichtig, dass der Senat eine tragfähige Auskunft gibt, wie es mit der Nachnutzung in Tegel weitergeht und ob wir weiter im Boot sind“, sagt der Vizepräsident der Beuth-Hochschule, Karl-Heinz Strauch. „Wir brauchen eine Perspektive für unsere Hochschule und ich brauche Planungssicherheit.“ Strauch weist darauf hin, dass die Hochschule den „Standort Tegel aufwerten und der weiteren Entwicklung Schubkraft verleihen“ würde.

Bei der zuständigen Senatsverwaltung für Stadtentwicklung heißt es auf Nachfrage nur, dass es noch keinen Beschluss darüber gebe, ob die Beuth-Hochschule das Terminal nutzen kann. „Auch der Entwicklungsträger steht noch nicht fest“, so Sprecherin Petra Rohland. Zur Erinnerung: Einen Entwicklungsträger hatte Stadtentwicklungssenatorin Junge-Reyer bereits vor einem Jahr in Aussicht gestellt. Auch zu den Entwicklungskosten Tegels gibt es Rohland zufolge noch keine abschließende Übersicht. Der Flächennutzungsplan als Grundlage für die Bauplanung aber sei derzeit in der parlamentarischen Beratung. Vor der Sommerpause soll er dem Abgeordnetenhaus vorgelegt werden. Für die Entwicklung Tegels sind nach Information der Berliner Morgenpost die Wista-Manager im Gespräch. Sie haben bereits den Wissenschaftspark in Adlershof entwickelt und auch die Entwicklung des Flughafens Tempelhof übernommen. Der Bund als Miteigentümer des Tegeler Geländes kann sich alternativ aber auch einen Träger vom freien Markt vorstellen. Ein Senatsbeschluss soll voraussichtlich Ende Mai fallen. Der Kauf der Bundesanteile am Flughafen Tegel durch das Land Berlin ist nach Angaben des Senats wie auch des Bundes derzeit kein Thema. Dennoch gibt es Stimmen, die einen Kauf nicht ausschließen. Dem Bund gehören zwei Drittel, Berlin ein Drittel der insgesamt 460 Hektar in Tegel.

Pavillon in Tegel im Aufbau

Im Inneren des Tegeler Terminalsechsecks laufen derweil die Vorbereitungen für die BBI-Werbung an. Noch in dieser Woche sollen die Aufbauarbeiten für ein etwa zwölf Meter hohes Rundumgerüst beginnen, auf dem riesige Werbeflächen für den neuen Hauptstadtflughafen in Schönefeld angebracht werden. Genau ein Jahr vor BBI-Eröffnung am 3. Juni will die Flughafengesellschaft mit großflächigen Simulationen vom BBI-Terminal auf den neuen Airport aufmerksam machen. Die Ausmaße des Gerüsts sollen dem im Januar 2011 vorgestellten Info-Pavillon für die Tegel-Nachnutzung entsprechen. Wie berichtet hatte Flughafen-Architekt Meinhard von Gerkan die Errichtung einer temporären Info-Box vorgeschlagen, in der die Nachnutzungsmodelle des Terminals noch während des Flugbetriebs präsentiert werden sollten.