Schönefeld

Regierungsflughafen wird noch später fertig

Mit Eröffnung des BBI sollte eigentlich auch die Flugbereitschaft von Köln-Wahn und Tegel nach Schönefeld umziehen. Doch vor 2014 wird der Regierungsairport nicht in Betrieb gehen - und er wird deutlich teurer.

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Der Bau des neuen Berliner Regierungsflughafen in Schönefeld wird wesentlich teurer und sich um mindestens ein weiteres Jahr verzögern. In Regierungskreisen spricht man bereits von einem „Fiasko“. Wie Morgenpost Online jetzt erfuhr, haben sich die Baukosten um mehr als das Doppelte – von 125 auf 310 Millionen Euro – erhöht und wird der Flughafen für Regierungsmitglieder und Staatsgäste nicht vor 2014 in Betrieb gehen.

Die für den Bau zuständige Bundesanstalt für Immobilenaufgaben (Bima) bestätigte bereits auf Anfrage von Morgenpost Online die Zahlen. Noch im April hatte die Bima eine Kostensteigerung in dieser Größenordnung als „Quatsch“ bezeichnet. Jetzt begründet sie diese mit „im Zuge der baulichen Untersuchungen näher bezifferten Kosten für Baulichkeiten, deren Versorgungsanbindung sowie für die Altlastenbeseitigung auf dem Baufeld und die Erstellung von Rollwegen, Parkpositionen und technischen Betriebs- und Betankungsanlagen“.

Insider dagegen nennen die Kostensteigerung hausgemacht, weil viel zu spät mit der Planung begonnen wurde und nun vor allem die Kosten durch die geplante Interimslösung in die Höhe getrieben werden. Denn um die Regierungsflüge der Bundeshauptstadt und den Empfang von Staatsgästen bis zur Fertigstellung des Regierungsterminals in Schönefeld zu sichern, ist ein Ausweichstandort nötig. Der Flughafen Tegel steht mit Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens BBI in Schönefeld nicht mehr zu Verfügung. Er wird spätestens sechs Monate nach dem BBI-Start geschlossen. Das sieht die Berliner Flughafenplanung von 1996 vor.

Kanzlerin nutzt altes Terminal

So werden die Bundesregierung und Staatsgäste – das steht nach Angaben der Bima jetzt fest – ab der Eröffnung des BBI im Juni 2012 das alte Schönefelder Terminal A nutzen. Gerüchte, wonach der Flughafen Tegel für die Flugbereitschaft über die Eröffnung des neuen BBI offen gehalten werden soll, weist die Bima und auch die Flughafengesellschaft zurück. „Eine Weiterführung des Flugbetriebs ist wegen der Aufhebung des Betriebsgenehmigung für Tegel – spätestens sechs Monate nach Inbetriebnahme von BBI Schönefeld – nicht möglich und auch wegen der hohen Kosten für den Bund nicht wirtschaftlich“, teilte die Bima auf Anfrage mit. Dennoch sollen die drei derzeit in Tegel stationierten Hubschrauber der Flugbereitschaft über die Schließung Tegels hinaus und bis zur Fertigstellung des neuen Regierungsflughafens in Tegel verbleiben. Das Luftverkehrsgesetz lässt dies zu.

Seit 1994 unterhält die in Köln-Wahn angesiedelte Flugbereitschaft des Bundesverteidigungsministeriums am Flughafen Tegel einen Ableger. Dort ist die sogenannte dritte Staffel angesiedelt. Das sind drei Eurocopter AS 532-Hubschrauber des Typs Cougar und 250 Staffel-Angehörige. Die gesamte Regierungsflotte der Flugbereitschaft, die die Kanzlerin, Regierungsmitglieder, den Bundespräsidenten und auch Parlamentarier befördert, umfasst neben den drei Hubschraubern, zwei Airbus-Maschinen des Typs A319, vier Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge des Typs Challenger sowie zwei Airbus-Maschinen vom Typs A310. Letztere sollen im nächsten Jahr durch zwei Langstreckenflugzeuge vom Typ A340 ersetzt werden. Auch die Challenger-Jets werden gegen vier Business-Jets Bombardier Global 5000 ausgetauscht.

Eigentlich sollte nach ursprünglicher Planung die Verlagerung des politisch-parlamentarischen Bereichs der Flugbereitschaft von Köln-Wahn und Tegel nach Schönefeld mit Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens BBI abgeschlossen sein. Davon ging das Bundesverteidigungsministerium noch im vergangenen Jahr aus.

Doch 2009 sickerte bereits durch, dass das Ministerium ihren geplanten Zeitplan nicht einhalten kann. Im Herbst 2009 teilte das Ministerium mit, dass nun erst 2013 mit der Eröffnung zu rechnen sei. Als Zwischenlösung war zunächst die Unterbringung des Regierungsterminals in Containern geplant. Das teilte das Bundesverteidigungsministerium im März dieses Jahres mit. Doch diese Lösung ist angesichts der erneuten Verzögerung nun vom Tisch. Nach Informationen der Berliner Morgenpost wäre die Container-Lösung noch teurer als die Unterbringung im alten Schönefelder Terminal geworden. Und ob es bei den zwei Jahren Verzug bleibt, ist überdies fraglich.

Insider fürchten weitere Verzögerung

Insider gehen bereits davon aus, dass der Regierungsflughafen erst 2015 vollständig fertiggestellt ist. Denn noch immer besteht kein Baurecht und gibt es noch keinen Erbbaurechtsvertrag zwischen Bund und Flughafengesellschaft über die Grundstücke im Nordwesten des heutigen Schönefelder Flughafens. Auch ist unklar, ob die denkmalgeschützte Generalsvilla, die den Neubauten im Wege steht, abgerissen werden kann.

Bei der Bima rechnet man Anfang des nächsten Jahres mit Baurecht. Im September 2009 war der Architektenwettbewerb für den Neubau des Regierungsterminals in Schönefeld entschieden worden. Das Preisgericht unter Vorsitz des Stuttgart 21-Architekten Christoph Ingenhoven hatte sich einstimmig für den Entwurf der Berliner Architekten vom Büro Busmann + Haberer entschieden. Der Terminal-Entwurf sieht eine schlichte Holz-Glas-Konstruktion inmitten eines Kiefernhains vor. Die reinen Baukosten des 2000 Quadratmeter großen Terminals wurden damals mit 20 Millionen Euro beziffert. Neben dem Regierungsterminal sind Hangars für die Regierungsflotte, Abstellflächen, Rollwege, Dienstgebäude für die Flugbereitschaft und Werkstätten auf einer Fläche von mindestens 16 Hektar geplant.