Berliner Luft

Weniger Ruß, mehr Feinstaub, Senatorin glücklich

Zwar konnte die Belastung der Luft durch Rußpartikel in Berlin deutlich gesenkt werden, die Feinstaubkonzentration allerdings stieg. Umweltsenatorin Lompscher (Linke) fordert nun weitere Maßnahmen wie finanzielle Hilfen für Elektro-Autos.

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Seit Einführung der Umweltzone 2008 in Berlin ist die Belastung der Luft deutlich gesunken. Wie Umweltsenatorin Katrin Lompscher (Linke) am Freitag bekannt gab, konnten die hochgiftigen Dieselrußpartikel aufgrund neuer Filter in den Autos um 58 Prozent gesenkt werden gegenüber einer Berechnung ohne eine Umweltzone. Allerdings wurde der Grenzwert von Feinstaub insgesamt in der Luft auch im vergangenen Jahr an über 35 Tagen, dem zulässigen Grenzwert der Europäischen Union, überschritten.

„Berlin hat seine Hausaufgaben gemacht. Die Umweltzone wirkt“, sagte Umweltsenatorin Lompscher. Seit 2008 dürfen Autos mit besonders vielen Abgasen nicht mehr in die Innenstadt. Seit 2010 gilt eine weitere Verschärfung: Es dürfen nur noch Autos, die bestimmte Abgasnormen erfüllen, mit grünen Plaketten in den Bereich, der von der Ringbahn der S-Bahn umschlossen wird. Betroffen sind vor allem alte Autos und Lkws mit Dieselmotoren. Seit der Einführung der Umweltzone habe sich die Erneuerung der Fahrzeugflotte deutlich beschleunigt, so Lompscher. 55000 Fahrzeughalter rüsteten ihre Wagen mit Partikelfiltern nach.

Feinstaubwerte weiterhin über Grenze

Doch trotz der vorgeschriebenen Plaketten gelang es nicht, insgesamt die Feinstaubwerte unter die von der Europäischen Union festgelegten Grenzen zu drücken. Statt der erlaubten 35 Tage wurde beispielsweise an der Messstation Mariendorfer Damm an 56 Tagen ein zu hoher Wert gemessen. An der Schildhornstraße lag der Wert bei 48 Tagen, an der Silbersteinstraße bei 48 Tagen, an der Frankfurter Allee bei 54 Tagen. Lompscher verwies auf den sehr kalten Winter und viele Tage ohne Wind als Grund dafür, dass sich die Feinstaubkonzentration erhöhte. Auch die Abgase des Heizens belasteten die Luft. Eine von Lompscher am Freitag veröffentlichte Statistik zeigte aber auch, dass mehr als drei Viertel aller Feinstaubpartikel gar nicht vom Berliner Autoverkehr stammen, sondern über die Luft – häufig von Kraftwerken in Osteuropa – in die Hauptstadt eingetragen werden. Problematisch ist auch, dass die Werte der Stickoxide kaum gesenkt werden konnten. Es mangelt an Filtersystemen.

Weniger bremsen und anfahren

Lompscher forderte EU-weite Richtlinien für Heizungsanlagen und finanzielle Hilfen für eine weitere Umstellung des Autoverkehrs auf Elektro und die Euronorm 6. Zu den weiteren Vorschlägen aus der Senatsumweltverwaltung gehört auch Tempo 30 und eine Verstetigung des Verkehrs – also weniger bremsen und anfahren. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) zieht eine eher kritische Bilanz. Die Vertreter der Wirtschaft fordern eine ausführliche Kosten-Nutzen-Analyse von nunmehr dreieinhalb Jahren Plakettenpflicht in Berlin. Wesentliche Faktoren wie die Meteorologie und Feinstaubquellen außerhalb Berlins werden weiterhin vom Senat nicht angemessen kommuniziert, so die Kritik der Wirtschaft.