Streng geheim

Wie die Sicherheitszentrale der BVG arbeitet

Kein Klingelschild, kein Firmenlogo: Die Sicherheitsleitstelle der BVG soll nicht jeder erkennen. Dort werden mehr als 1000 Kamerabilder ausgewertet und pro Jahr gehen 55.000 Notrufe ein – von denen sich aber fast 90 Prozent als Fehlalarm herausstellen.

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Berlin bekommt für sichereren Nahverkehr eine U-Bahn-Polizei aus Wachleuten und Polizisten. Dazu kommen eine Strategie der direkten Ansprache und ein intensiverer Einsatz von Videokameras.

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Die Sicherheitsleitstelle der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) ist eine verbotene Zone – selbst für die meisten Mitarbeiter des Unternehmens. Kein Firmenlogo, kein Klingelschild verrät an dem Gebäude in Kreuzberg, dass im Obergeschoss die Bilder von mehr als 1000 Videokameras in 173 U-Bahnhöfen zusammenlaufen, Einsätze koordiniert, im Zweifel lebenswichtige Entscheidungen getroffen werden. Leises Gemurmel dringt durch den lang gestreckten Raum, von Zeit zu Zeit quäkt ein Funkspruch. Anders als in der Verkehrsleitstelle im Nebenraum sind die Mitarbeiter uniformiert. Im Ernstfall müssen auch sie bereit sein, bei Großeinsätzen einzugreifen. Gleich nebenan steht ein weiterer Raum als Krisenzentrum bereit.

Mindestens drei BVG-Sicherheitsmitarbeiter sitzen rund um die Uhr in der Zentrale, in Spitzenzeiten mehr. Dazu kommen schon heute oft ein Beamter der Polizei und ein Mitarbeiter der privaten Sicherheitsfirma, die im Auftrag der BVG arbeitet. Künftig soll die Polizei rund um die Uhr in der Leitstelle vertreten sein. Zudem soll die Zahl der BVG-Mitarbeiter in der Sicherheitszentrale verdoppelt werden – dafür wachsen auch die Aufgaben. Anders als bislang sollen als gefährlich geltende Bahnhöfe aktiv überwacht werden. Die Mitarbeiter müssen dann wechselnde Kameras ständig im Auge haben, um im Notfall direkt handeln zu können. Bislang flimmern nur die Bilder zufällig ausgewählter Videokameras über einen der fünf Bildschirme, die vor jedem Mann, jeder Frau in der Leitstelle stehen. Der Großteil der Videodaten wird gespeichert, ohne jemals gesichtet worden zu sein. Außerdem sollen die Mitarbeiter im Ernstfall die Möglichkeit haben, über die Lautsprecheranlagen auf den Bahnsteigen gezielt Gewalttäter anzusprechen.

Wann immer im Berliner U-Bahn-Netz ein Notrufknopf gedrückt wird, dudelt der gedämpfte Signalton in der Leitstelle. In Sekunden wird der Notruf in der Regel angenommen. „Es wurde ein Notruf ausgelöst. Benötigen Sie Polizei oder Feuerwehr?“ Automatisch schaltet einer der Monitore auf die Kamera über der betreffenden Notrufsäule um. Das passiert im Durchschnitt alle zehn Minuten, rund 55.000 Mal im Jahr. „Jeder eingehende Notruf wird erst einmal ernst genommen und entsprechend bearbeitet“, betont die BVG. Allerdings stellen sich im Nachhinein 85 bis 90 Prozent der Notrufe als Fehlalarm heraus.

Jedem „echten“ Notruf folge die sofortige Alarmierung von Polizei, Rettungskräften oder eigenen Sicherheitskräften, versichert die BVG. Die Gründe, warum der Notruf ausgelöst wird, sind vielfältig. Sie reichen vom gesundheitlichen Notfall bis zum ins Gleisbett gefallenen Ball eines Kindes oder der heruntergefallenen Tasche bis zur Schulklasse, die beim Aussteigen feststellt, dass zwei Kinder im Zug zurückgeblieben sind.