Fünf Jahre

Hauptbahnhof bekommt Wartesaal zum Geburtstag

Vor fünf Jahren und nach siebeneinhalb Jahren Bauzeit wurde der Berliner Hauptbahnhof eröffnet. Jetzt bekommen er und die von Verspätungen geplagten Fahrgäste endlich einen Wartesaal. Eine Verlängerung des gläsernen Hallendachs ist hingegen nicht geplant.

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Fünf Jahre nach seiner Eröffnung bekommt der Berliner Hauptbahnhof einen Wartesaal, der allen Reisenden zugänglich sein wird. Das kündigte am Mittwoch der Bevollmächtigte des Bahnkonzerns für Berlin, Ingulf Leuschel, an. Bislang gibt es in Europas größtem Kreuzungsbahnhof lediglich eine DB Lounge, die Reisenden der 1. Klasse sowie Stammfahrgästen vorbehalten ist. Alle übrigen Fahrgäste müssen beim Warten mit Metallbänken auf einem der zugigen Bahnsteige vorlieb nehmen. Selbst Bahn-Vorstandschef Rüdiger Grube hat sich schon öffentlich darüber mokiert, wie unwirtlich dies gerade im Winter sein kann.

Kaffee, Zeitung, Abfahrtszeiten

Der neue „ergänzende Wartebereich“ im ersten Obergeschoss des Bahnhofs wird dann nicht nur klimatisiert, dort sollen auch Service-Kräfte erreichbar sein. Im DB Service Store gibt es dann neben Kaffee und Zeitungen auch Auskünfte über Abfahrtszeiten und Anschlüsse – angesichts der vielen Verspätungen und Bauarbeiten in und um Berlin eine von Fahrgästen immer wieder gewünschte Ergänzung zu den oft überfüllten DB-Reisecentern.

Eine Verlängerung des gläsernen Hallendachs über den oberirdischen Bahnsteigen lehnt die Bahn jedoch weiterhin ab. „Dafür besteht keinerlei Notwendigkeit. Es gibt derzeit keinen einzigen Zug, der von der Länge her nicht unter das vorhandene Dach passt“, sagt Konzernbevollmächtigter Leuschel. Selbst zu einem ICE mit zwölf Wagen könnten alle Reisenden trockenen Fußes gelangen.

Keine Verlängerung des Hallendachs

Ex-Bahnchef Hartmut Mehdorn hatte 2001 entschieden, dass das eigentlich mit einer Länge von 450 Metern geplante Dach verkürzt gebaut wird, um den Bahnhof rechtzeitig vor der Fußball-WM 2006 in Betrieb nehmen zu können. Das hatte jedoch zu heftiger Kritik geführt, weil befürchtet wurde, dass ein Teil der Reisenden ungeschützt vor Wind und Wetter aus den Zügen aussteigen muss.

Gegen eine nachträgliche Verlängerung der nunmehr 321 Meter langen Bahnsteigüberdachung sprechen laut Leuschel nicht nur die hohen Kosten von rund 70 Millionen Euro. Notwendig sei dafür auch eine mindestens dreimonatige Vollsperrung der Ost-West-Verbindungen auf der Stadtbahn (einschließlich der S-Bahn-Gleise).

Der Berliner Hauptbahnhof wurde am 26.Mai 2006 nach siebeneinhalb Jahren Bauzeit eröffnet. 1,2 Milliarden Euro hat das von Gerkan, Marg&Partner entworfenen Bauwerk inklusive Verkehrskonzept gekostet. Aktuell fahren dort bis zu 280 Fernverkehrszüge, 353 Regionalzüge sowie 636 S-Bahnen ein und aus. Mehr als 300000 Menschen besuchen nach Bahnangaben jeden Tag den wichtigen europäischen Eisenbahnknoten, darunter seien viele, die nur seiner Architektur wegen kämen. Auch deshalb ist für Bahnmanager Leuschel der Berliner Hauptbahnhof „eine einzige Erfolgsgeschichte“.

Diese soll nun am übernächsten Wochenende (21. und 22. Mai) gebührend gefeiert werden. Geboten wird Sonnabend ab 12Uhr und Sonntag ab11 Uhr ein „Programm für die ganze Familie“, unter anderem mit Biene-Maja-Show sowie Kim Fisher und Band. Eisenbahnfans können sich auf eine Schau historischer Fahrzeuge (Gleis8 im Tiefgeschoss) und Info-Ständen etwa von der S-Bahn freuen. Außerdem gibt es Bahnreisen in europäische Metropolen und an die Ostsee zu gewinnen. Höhepunkt wird ein großes Feuerwerk am Sonnabend nach 22Uhr sein.