Prenzlauer Berg

Bötzowviertel soll zur Parkzone werden

Nach der Einführung kostenpflichtiger Parkplätze in den Nachbargebieten, weichen Autofahrer in das Bötzowviertel aus. Anwohner wünschen sich jetzt auch dort eine Parkzone.

Was Bewohner des Bötzowviertels in Prenzlauer Berg im Berliner Bezirk Pankow seit Oktober erleben, ist jetzt mit Zahlen nachgewiesen. Alle verfügbaren und noch kostenlosen Parkplätze sind tagsüber, abends und auch nachts besetzt, weil in den Nachbargebieten die Parkraumbewirtschaftung eingeführt worden ist. Um zehn bis 20 Prozent ist die Auslastung der Stellplätze gestiegen. Das sind mehrere Hundert Autos mehr als früher, die am Straßenrand stehen.

„Der Verdrängungseffekt ist gravierender, als wir gedacht haben“, sagt der Pankower Stadtrat für öffentliche Ordnung, Jens-Holger Kirchner (Grüne). Berufspendler suchten jetzt ihre Stellplätze in den Straßen, die dicht an den drei neuen Parkzonen liegen, um dann mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu ihrem Arbeitsplatz zu fahren. „Es gibt einen innerstädtischen Park-and-ride-Verkehr“, so Kirchner. Um die Situation für Anwohner zu verbessern und die Verdrängung zu kompensieren, könnten zwei weitere Parkzonen eingeführt werden.

In Kirchners Auftrag hat das Berliner Büro LK Argus das Bötzowviertel und die Grüne Stadt bezüglich der Parkplatzsituation im November untersucht. Rund 4000 Stellplätze stehen insgesamt auf öffentlichem Straßenland zur Verfügung, tagsüber sind es wegen temporärer Halteverbote nur 3800. Die Gesamtauslastung liegt der Studie zufolge – in der auch Falschparker registriert wurden – werktags je nach Tageszeit zwischen 98 und 107 Prozent, an Wochenenden zwischen 97 und 103 Prozent. Im Umfeld der Straße Am Friedrichshain ist die Auslastung besonders hoch, in der Grünen Stadt etwas geringer. Es hat sich gezeigt, dass die Auslastung der Parkplätze an Werktagen seit Oktober um neun bis zwölf Prozent gestiegen ist. Es sind 360 Fahrzeuge mehr, die jetzt in den Straßen abgestellt werden, an Wochenenden sogar bis zu 680.

300 bis 350 Parkscheinautomaten

Auch für Arnimplatz und Humannplatz belegt die Untersuchung, dass immer mehr Autos in den Straßen parken, weil in den Nachbargebieten Parkscheinautomaten stehen. Insbesondere Richtung S-Bahn-Ring und Schönhauser Allee hat der Parkdruck zugenommen. Besonders betroffen sind Schivelbeiner Straße, Wichertstraße, Rodenbergstraße und Greifenhagener Straße. Für den westlich der Schönhauser Allee gelegenen Arnimplatz (2500 Stellplätze) steigt die Auslastung werktags von 87 auf 94 Prozent, für den Humannplatz östlich der Schönhauser (3600 Stellplätze) von 86 auf 95 Prozent. Insgesamt parken 420 Autos mehr in den Straßen als früher. Das Büro LK Argus empfiehlt deshalb, auch im Umfeld dieser beiden Plätze die Parkraumbewirtschaftung einzuführen. Erstmals untersucht wurde das Gebiet „Bornholm“ nördlich der Bornholmer Straße zwischen Ibsenstraße, Gotlandstraße, Bornholmer und Björnsonstraße. Es verfügt über fast 1000 Stellplätze und weist derzeit eine Auslastung von 71 Prozent auf. Es solle beobachtet werden, empfiehlt Argus, weil dort mögliche Verdrängungseffekte auftreten könnten, wenn weitere Parkzonen eingeführt werden.

Im Ergebnis der Untersuchung fasst Stadtrat Kirchner zwei neue Parkzonen ins Visier: Bötzowviertel/Grüne Stadt und Arnimplatz/Humannplatz. Es gehe um rund 10000 Stellplätze und 300 bis 350 Parkscheinautomaten, die aufzustellen wären, sagt Stadtrat Kirchner. 50 bis 60 neue Kräfte müssten für das Ordnungsamt verpflichtet werden. Doch die Einführung von zwei neuen Zonen könne frühestens im Herbst 2011 erfolgen. Zunächst wird am 18.Januar die Untersuchung von Argus im Verkehrsausschuss der Bezirksverordneten-Versammlung Pankow diskutiert. Sie könnte in ihrer Märzsitzung die Einführung der Parkraumbewirtschaftung im Bötzowviertel und an Arnim- und Humannplatz beschließen. Ob das die nächsten Wohngebiete belastet und eine Verdrängung nach sich zieht, will Stadtrat Kirchner offenlassen. „Parkraumbewirtschaftung darf erst nach genauen Untersuchungen eingeführt werden.“