Einrichtung

Berlin bekommt ein Heim für straffällige Kinder

Berlin will eine Einrichtung schaffen, in der straffällig gewordene oder stark gefährdete Kinder vorübergehend untergebracht werden sollen. Sechs entsprechende Plätze könnten entstehen. Derzeit werden mögliche Standorte geprüft.

Foto: Steffen Pletl

Im Sommer führten die „Kinderdealer“ Arub M. (angeblich elf Jahre alt) und Hassan El F. (angeblich 13 Jahre alt) die Hilflosigkeit von Polizei und Justiz im Umgang mit den noch als strafunmündig geltenden jungen Straftätern vor. Die beiden durften nicht einmal so lange festgehalten werden, bis das Gutachten zur Altersbestimmung vorlag. Der Grund: Berlin hat keine Unterbringungsmöglichkeiten für straffällige Kinder unter 14 Jahren. Als Konsequenz daraus, so Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) am Mittwoch, wird Berlin im kommenden Jahr sechs Heimplätze für die vorübergehende Unterbringung krimineller Kinder einrichten.

Ein entsprechender Vertrag mit dem Trägerverbund Stiftung soziale Dienste (FSD) und dem Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerk (EJF) wurde bereits unterzeichnet. Die Suche nach einem geeigneten Standort soll im Januar abgeschlossen werden. Die Kosten für die Unterbringung beziffert Zöllner auf rund 300 Euro pro Tag und Kind. Zudem hat der Senat mit der Berliner Charité eine Vereinbarung getroffen, wonach das Universitätsklinikum sich verpflichtet, die Altersfeststellung innerhalb von 24 Stunden vorzunehmen.

Der arabischstämmige Arub, der im Sommer immer wieder beim Verkauf von Heroin in Berliner U-Bahnhöfen gefasst und von der Polizei laufen gelassen werden musste, war tatsächlich etwa 15 Jahre alt – Hassan sogar bereits mindestens 21 Jahre. Das ergab – allerdings erst Wochen später – ein Gutachten.

Zöllner vermeidet den Begriff „Geschlossenes Heim“ für die Einrichtung. So würden die Kinder auch nachts nicht eingeschlossen und es gäbe keine Gitter vor den Fenstern. Tatsächlich jedoch können die Kinder, die maximal bis zu sechs Monaten in dem Heim untergebracht werden können, die Einrichtung nicht ohne Begleitung eines erwachsenen Betreuers verlassen. Es wird eine elektronische Türsperre und spezielle Kippfenster geben. Jugendliche, die Gewalt ausüben, werden in einen speziellen Verwahrraum eingeschlossen.

„Wir setzen aber vor allem auf die Betreuung, die rund um die Uhr von mindestens zwei Betreuern gewährleistet wird“, sagt Bildungssenator Zöllner. Diese seien speziell geschult, die Kinder auch gegen ihren Willen festhalten zu können. Bis das neue Heim voraussichtlich im Sommer in Betrieb gehen kann, sollen straffällige Kinder in einer Übergangseinrichtung in Brandenburg betreut werden.