Prozess

Räuber nach Sprengung von Geldautomat verurteilt

Der 44-jährige René M. war schon 21 Jahre in Haft. Jetzt kommen weitere fünf dazu. Anfang Januar hatte er zusammen mit dem drogensüchtigen Mittäter Patrick B. einen Geldautomaten gesprengt. An das Geld kamen sie jedoch nicht heran.

Schon sein Vater saß mehrfach im Gefängnis, als Kind hatte René M. darunter gelitten. Trotzdem wurde er später zum Komplizen des Vaters. Und noch später selber zum Räuber. Mehr als 21 Jahre seines Lebens hat der 44-jährige René M. bereits im Gefängnis verbracht. Und jetzt kommen weitere fünf Jahre hinzu.

In seinem aktuellen Prozess, der am Mittwoch vor einer Moabiter Strafkammer begann, geht es um versuchten schweren Diebstahl und Sachbeschädigung. René M. hatte am 3. Januar dieses Jahres versucht, einen Geldautomaten aufzusprengen. Sein drogensüchtiger Mittäter Patrick B. wurde zu drei Jahren Haft verurteilt.

Tatort war die Sparkassenfiliale des rund 2000 Einwohner zählenden Städtchens Lindow im Landkreis Ostprignitz-Ruppin. Die Angeklagten hatten nachts mit einem Schlauch ein Gasgemisch in den Geldautomaten geleitet und es entzündet. Es gab einen gewaltigen Knall, und der Automat wurde irreparabel beschädigt. An das Geld – rund 130000 Euro – kamen die Täter jedoch nicht heran. Auch ihre Flucht misslang: Vor der Filiale lauerten schon Beamte eines Spezialeinsatzkommandos. Dem Anklagesatz zufolge soll René M. noch versucht haben, einen SEK-Mann mit einer Pistole zu bedrohen. Nach einem Warnschuss soll er jedoch aufgegeben haben.

René M. gibt das so vor Gericht auch alles zu. Er betont aber nachdrücklich, dass die Pistole nicht durchgeladen gewesen sei. Er habe sie nur in Richtung des Polizisten gehalten, um nach dem missglückten Sparkassen-Einbruch selbst getötet zu werden. „Ich hätte nie geschossen“, sagte er. „Ich wollte auf keinen Fall, dass noch einmal ein anderer Mensch getötet wird.“ Während eines gemeinsam mit seinem Vater verübten Raubzuges war 1988 in der Weddinger Müllerstraße ein Mensch zu Tode gekommen. Noch heute habe er deswegen schlaflose Nächte, sagte René M.

Er war damals zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Im Gefängnis kamen wegen weiterer Straftaten noch zwei Jahre hinzu. Und nach seiner Entlassung ging es weiter: Wieder Überfälle. Erst nach dem siebten wurde er gefasst. 1998 verurteilte ihn das Landgericht Frankfurt (Oder) dafür zu zwölf Jahren Haft, die er bis zum letzten Tag absitzen musste. Entlassen wurde er dann Ende September vergangenen Jahres.

„Ich hatte mir wirklich vorgenommen, dass ich diesmal sauber bleibe“, sagte er. Es gelang ihm nicht. René M. sieht sich dabei auch ein wenig als Opfer: Habe es doch, sagte er, keinerlei Vorbereitung auf seine Haftentlassung aus der Neuruppiner Justizvollzugsanstalt gegeben: „Zwölf Jahre nur in der Zelle. Ich kam mir vor wie auf einem anderen Planeten.“ Zudem habe ein Bekannter versprochen, ihn in seiner Firma unterzubringen. Nach René M.s Haftentlassung zog er das Angebot zurück. Es hätte wohl trotzdem andere Möglichkeiten gegeben. René M. hat im Gefängnis den Realschulabschluss nachgeholt, den Beruf eines Energieanlagenelektronikers erlernt und am Ende sogar noch das Fachabitur für technische Berufe abgelegt. Aber irgendwie ging es dann doch wieder nur in die eine Richtung. Ein ehemaliger Zellengenosse hatte einen Plan. Von leicht zu knackenden Fahrkartenautomaten war diesmal die Rede. Später habe sich jedoch herausgestellt, dass die Automaten nicht, wie vom Kumpan behauptet, nur mit einem einfachen Schloss verriegelt wurden. Sie hatten eine elektronische Sicherung. Die nächste Idee war dann der Geldautomat, der aufgesprengt werden sollte. Wieder wurde alles strategisch vorbreitet: Er sollte sich an einem abgelegenen Ort befinden, in einem unbewohnten Haus und möglichst weit entfernt von Niederlassungen der Polizei. Auch Lindow sei dafür nicht ideal gewesen, sagte René M. vor Gericht. „Der Fluchtweg bis zu Autobahn war viel zu weit.“ So hatte er zunächst von dem Plan wieder abgelassen, vorsorglich aber versucht, schon mal ein Fluchtfahrzeug zu stehlen. Dabei wurde er am 3. Januar erwischt, kurz darauf aber wieder auf freien Fuß gesetzt. „Ich hatte danach nur noch schlaflose Nächte“, sagte René M. „Ich dachte, jetzt sperren die mich in die Sicherungsverwahrung.“

Es hätte für ihn der letzte Warnschuss sein müssen. Doch er dachte weiter an die Sparkasse in Lindow, an das vermeintlich schnelle Geld für den Start ins erträumte neue Leben. „Ich habe mir gesagt: jetzt oder nie“, erinnerte er sich vor Gericht. Wieder wurde die Sparkassenfiliale observiert. Diesmal jedoch auch von Beamten des Berliner Landeskriminalamtes, die wegen zahlreicher gesprengter und ausgeplünderter Bankautomaten in erhöhter Alarmbereitschaft waren. Und die dann auch sofort ihre Kollegen vom SEK alarmierten.