Neue Überfälle

Körting nach Gewalt in U-Bahnhöfen in der Kritik

Allein sieben Vorfälle in den unterirdischen Bahnhöfen Berlins wurden am Wochenende gemeldet. Die Grünen kritisieren Innensenator Körting (SPD), er habe zu lange nur auf Videoüberwachung gesetzt.

Foto: dapd

Tatort U-Bahnhof. In Berlin vergeht derzeit kaum ein Tag ohne die obligatorische Mitteilung der Polizei über neuerliche Gewaltvorfälle in den unterirdischen Bahnhöfen der Hauptstadt. Auch am Montag musste die Behörde wieder einen Übergriff melden. Diesmal war in Reinickendorf ein 14-Jähriger von einer fünfköpfigen Gruppe angegriffen worden.

Die Tat ereignete sich bereits am Sonntagnachmittag gegen 16.20 Uhr im U-Bahnhof Franz-Naumann-Platz. Der Schüler hatte gerade die U-Bahn verlassen und war in Begleitung zweier ebenfalls 14Jahre alter Mädchen auf dem Weg zum Ausgang. Plötzlich stellten sich ihm fünf junge Männer, zum Teil mit Messern bewaffnet, in den Weg. Zunächst beschimpften und beleidigten sie den 14-Jährigen und seine Begleiterinnen, dann schlugen sie urplötzlich auf ihn ein.

Selbst als das Opfer bereits am Boden lag, wurde es von den fünf Angreifern weiterhin geschlagen und getreten. Dabei forderten die Täter den 14-Jährigen auf, seine Sportjacke herauszugeben, die er trug. Dem Schüler gelang es trotz der Attacken, sich von den ihn umzingelnden Angreifern loszureißen und ihnen schließlich zu entkommen. Seine beiden Begleiterinnen, die die Angreifer unbehelligt ließen, konnten in der Zwischenzeit die Polizei alarmieren. Als die Polizeibeamten am Tatort eintraf, waren die Täter bereits ohne Beute geflohen. Der 14-Jährige kam mit einer stark blutenden Kopfwunde in ein Krankenhaus. Der Vorfall in Reinickendorf war der siebte von der Polizei gemeldete Übergriff in einer Berliner U-Bahn allein am vergangenen Wochenende. Insgesamt allerdings, so schätzen Polizeisexperten, werden pro Tag zwischen zehn und 15 Taten im Bereich des öffentlichen Nahverkehrs verübt.

Angesichts dieser Entwicklung sah sich Innensenator Ehrhart Körting (SPD) am Montag in der Sitzung des Innenausschusses massiver Kritik des Grünen-Abgeordneten Benedikt Lux ausgesetzt. In scharfen Worten hielt Lux dem Senator vor, er sei verantwortlich für die derzeitige Verunsicherung der Bevölkerung. Der Grünen-Politiker hielt Körting vor, er habe den Stellenabbau bei der Berliner Polizei mit zu verantworten und er habe zudem der Öffentlichkeit vorgegaukelt, allein die Video-Überwachung der Bahnhöfe sorge für ausreichende Sicherheit.

Zudem verwies Lux auf ein Interview des Innensenators, in dem dieser die von einem Richter angeordnete Haftverschonung für den mutmaßlichen U-Bahn-Schläger Torben P. kritisiert hatte. „In Teilen der Bevölkerung herrscht der Eindruck, die Haftverschonung für den mutmaßlichen Täter bedeute, dass dieser straflos davon kommt. Anstatt sich an populistischen Angriffen gegen den Richter zu beteiligen, sollte der Senator den Menschen besser erklären, dass dies keineswegs der Fall ist“, sagte Lux im Innenausschuss. Dem Senator warf der Grünen-Politiker zudem vor, einen Scherbenhaufen angerichtet zu haben..