BVG

U-Bahn-Linie 2 fährt wieder bis Pankow durch

Während der Ersatzverkehr auf der U2 Richtung Pankow am Senefelder Platz aufgehoben ist, können Fahrgäste im Westen weiterhin nur bis Olympiastadion fahren. Und das länger als angekündigt.

Foto: Paul Zinken

56.000 Quadratmeter Rostschutz, 1450 Fahrbahnbleche, mehr als 300.000 Spezialschrauben und tonnenweise Schotter: So lautet in nüchternen Zahlen die Bilanz der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) für die Hochbahnsanierung in Prenzlauer Berg. Seit Pfingsten wird an den Viadukten und Bahnhöfen der U2 gebaut, und nach den langen Monaten fällt die Bilanz der Fahrgäste naturgemäß anders aus. Gedränge an den Haltestellen, überfüllte Ersatzbusse, genervte Fahrer („Bitte den Türbereich freihalten“). Seit heute ist es damit vorbei. Wie versprochen fährt die U2 im Norden noch vor Weihnachten wieder bis zum angestammten Endbahnhof Pankow. Die gut 45.000 Fahrgäste täglich atmen auf.

Bevor der Normalbetrieb zum Wochenbeginn starten konnte, erlebten die BVG-Kunden am Wochenende aber noch einmal turbulente Tage mit verschärften Einschränkungen. Weil am Senefelderplatz eine Bauweiche zum Umkehren der Züge ausgebaut wurde, endete die U-Bahn bereits am Rosa-Luxemburg-Platz. Dort herrschten teilweise chaotische Zustände. An den Ausgängen stauten sich Hunderte Menschen auf den Treppen. Die Ersatzbusse waren nicht selten heillos überfüllt und fuhren auf schneeglatten Straßen zeitweise nur unregelmäßig. Lange Wartezeiten waren die Folge. An Haltestellen entlang der Strecke mussten einige Fahrgäste noch länger frieren. Der Grund: Wenn endlich ein Bus kam, war er teilweise so voll, dass nicht alle Wartenden einsteigen konnten. Viele U-Bahn-Nutzer klagten über mangelhafte Informationen, fühlten sich von der BVG alleingelassen.

Die gute Nachricht für die Fahrgäste der U2 in Prenzlauer Berg aber lautet: Mit ähnlichen monatelangen Einschränkungen müssen sie in den kommenden Jahrzehnten wohl nicht rechnen. Die Grundsanierung der etwa 90 Jahre alten Viadukte soll den Betrieb für lange Zeit sicherstellen, versprechen die Verkehrsbetriebe. Nur unter dem stählernen Denkmal ist noch ein Rest Arbeit für das kommende Jahr liegen geblieben. Die Mittelpromenade an der Schönhauser Allee soll 2011 nach historischem Vorbild neu gepflastert werden. Die aktuellen Pläne für den optischen Abschluss des Mammutprojekts will die BVG an diesem Montag vorstellen.

Länger als geplant müssen hingegen die Nutzer am Westende der U2 auf die Wiedereröffnung ihrer U-Bahn-Strecke warten. Die BVG hat der ursprünglich beauftragten Baufirma gekündigt, weil terminliche und qualitative Vorgaben nicht eingehalten wurden. Bis auf Weiteres fahren die Züge daher nur bis zum Bahnhof Olympiastadion. Bis Ruhleben müssen Fahrgäste auf die Buslinie 131 umsteigen. Wann der Streckenabschnitt und der Bahnhof Ruhleben fertig werden, ist offen. Nach der Kündigung muss die BVG den Auftrag neu ausschreiben. Mindestens bis zum Frühjahr müssen sich die Fahrgäste noch gedulden.

Wenn in Prenzlauer Berg der letzte Pflasterstein unter dem sogenannten Magistratsschirm verlegt wird, wenn im Westen die Züge wieder bis Ruhleben fahren, sind die Arbeiten an der Linie U2 aber noch lange nicht abgeschlossen. 2011 gehen die Sanierungsarbeiten am Gleisdreieck in eine weitere Etappe. Wochen- oder monatelang wird die Linie dann in der westlichen Innenstadt gesperrt sein. Fahrgäste müssen auf die nahezu parallel fahrende U1 ausweichen. Die gesamte Grunderneuerung des mehr als 100 Jahre alten Bahnhofs Gleisdreieck soll noch bis mindestens 2012 dauern.

Fünf Jahre später könnten nach derzeitigen Planungen die ersten nagelneuen U-Bahn-Züge über die Gleise rollen. Wie ein BVG-Sprecher jetzt bestätigte, entscheidet der Aufsichtsrat der Verkehrsbetriebe Anfang 2011 über die Neuanschaffung von Fahrzeugen für das Kleinprofilnetz (Linien U1 bis U4). Dem Vernehmen nach sollen – wie zuletzt bei der Straßenbahn – zunächst nur wenige Testzüge bestellt werden, die ihre Alltagstauglichkeit im Linieneinsatz beweisen müssen. Hintergrund der Anschaffung: Ein Großteil der heutigen Züge stammt noch aus den 70er-Jahren. Die technische Aufsichtsbehörde habe signalisiert, dass sie einer neuerlichen Verlängerung der Einsatzdauer nicht zustimmen werde, heißt es aus BVG-Kreisen. Spätestens 2017 müssen damit die ersten Wagen auf den Schrott.