Integration

Deutsche Islam-Konferenz will Imame aktivieren

Im Zuge der Debatte um eine besser Integration fordert Badr Mohammed, Präsidiumsmitglied der Deutschen Islam-Konferenz (DIK), eine stärkere Rolle für Imame: Die Prediger in den Moscheen sollen mehr Einfluss auf die muslimische Gemeinde nehmen. Unterstützung erhält er dabei vom Berliner Innensenator Ehrhart Körting (SPD): „Wir brauchen mehr in Deutschland aufgewachsene, mit unseren Verhältnissen vertraute Imame."

Foto: Amin Akhtar

Nach den Vorstellungen Badr Mohammeds, der auch Generalsekretär des Europäischen Integrationszentrums ist, sollen Imame eine besondere Stellung bekommen. „Imame können als Brückenbauer und Vermittler zwischen eingewanderten Muslimen und der deutschen Aufnahmegesellschaft eine wichtige interkulturelle und integrationsfördernde Rolle spielen.“ Badr Mohammed fordert aber gleichzeitig, dass diese Rolle der Imame auch von der öffentlichen Hand gefördert wird – beispielsweise durch eine Ausbildung von Imamen an deutschen Universitäten. Damit wäre auch eine bessere Kontrolle über das möglich, was an Moscheen gepredigt werde. Und auf Deutsch gehaltene Vorträge würden die Integration von Einwanderern verbessern helfen.

Dazu müssen Imame aber eine Ausbildung erhalten – und eine neue Rolle bekommen. „Sie müssen in die Lage versetzt werden, die spezifischen Bedürfnisse und Probleme von muslimischen Familien bei der Integration in die deutsche Gesellschaft zu erkennen, Aufklärung zu betreiben und Hilfsangebote zu vermitteln“, fordert Badr Mohammed, der vor Kurzem von der SPD in die CDU gewechselt ist. „Imame sind dabei als Berater für Alltagsthemen gefragt. Sie besitzen dafür die notwendige Autorität bei muslimischen Gläubigen.“

Der 44 Jahre alte Bruder des vielfach von Prominenten engagierten Bodyguards Ahmed Mohammed hat seit 1991 die deutsche Staatsbürgerschaft. Er hat sehr konkrete Vorstellungen von Integration. Denn der Weg, den er als Flüchtling 1976 mit Mutter und Geschwistern aus dem libanesischen Bürgerkrieg eingeschlagen hat, könnte stellvertretend sein für viele Einwanderer. Badr Mohammed nennt sie „Die neuen Deutschen“. Sie kommen nach Deutschland, vergessen ihre Herkunft nicht, integrieren sich aber weitgehend. Er sagt: „Ich bin ein deutscher Verfassungspatriot.“

Imame befürworten Vorschlag

Unterstützung erhält Badr Mohammed von Islamwissenschaftlern und in Berlin tätigen Imamen. Professor Rauf Ceylan, Sozial- und Religionswissenschaftler an der Universität Osnabrück, der im Auftrag der Konrad-Adenauer-Stiftung Imame schult, sagte: „Bisher haben nur wenige Politiker die Bedeutung der Imame im integrationspolitischen Kontext erkannt und thematisiert. Nach wie vor kommen Imame aus dem Ausland, um die deutsch-muslimische Community zu betreuen. Daher müssen wir in Deutschland dafür sorgen, dass die Imame hierzulande ausgebildet werden.“ Einer seiner Leitsätze lautet: „Wenn wir die Imame integrieren können, können wir auch die Millionen Muslime in Deutschland integrieren.“ Ceylan ist Autor der Studie „Prediger des Islam – Imame in Deutschland. Wer sie sind und was sie wirklich wollen“.

Ender Cetin, Islamwissenschaftler von der Sehitlik-Moschee am Columbiadamm, sieht die Zeit ebenfalls reif für eine stärkere Rolle der Imame. Er unterstützt Badr Mohammeds Forderung. „Die Türkisch-Islamische Union (Ditib) will künftig nur noch Imame einsetzen, die in Deutschland ausgebildet wurden“, sagte Cetin. Gemeinsam mit dem Goethe-Institut, dem Bundesamt für Migration und Flüchtlingen werde man die Empfehlung der Islam-Konferenz umsetzen.

Diskussion um Vorbeter

Die Diskussion über die muslimischen Vorbeter war aufgekommen, als ein türkischstämmiger Imam in Berlin die Deutschen in einer Predigt als „nutzlos“ und „übel riechend“ bezeichnet hatte und darüber hinaus Selbstmordattentate rechtfertigte. Ein Gericht entschied, dass der Mann in die Türkei ausgewiesen werden darf. Die Geschichte kam ans Licht, weil ein deutscher TV-Sender die in einer Berliner Moschee gehaltenen Predigten vom Türkischen ins Deutsche übersetzte.

Der stellvertretende Landesvorsitzende der CDU, Thomas Heilmann, hat sich unterdessen gegen einen weiteren Zuzug von Menschen ausgesprochen, die aus Bevölkerungsgruppen stammen, deren Integration die Stadt vor Probleme stellt. „Ich bin dafür, dass EU-Ausländer jederzeit nach Deutschland einwandern können, Zuzug aus sozialen und familiären Gründen ebenfalls möglich sein sollte, dass wir aber nicht die Scheunentore für alle öffnen sollten, solange die hier lebenden Einwanderer nicht integriert sind“, sagte Heilmann. Dazu sei keine Verschärfung der Gesetze nötig, sondern das entspreche der aktuellen Gesetzeslage, sagte er.