Sitzblockade auf B96

Mit Gezwitscher gegen Jumbo-Flughafen BBI

Bereits zum vierten Mal hat es eine Großdemo gegen den geplanten Großflughafen BBI gegeben. 10.000 Gegner des Projekts blockierten die Bundesstraße 96 in Schönefeld für etwa zehn Minuten. Am Montag tagt die Fluglärmkommission.

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Mehrere Tausend Berliner und Brandenburger haben am Sonnabend gegen den geplanten Großflughafen BBI in Schönefeld protestiert. Die Demonstration richtete sich vor allem gegen den Nachtfluglärm und das geplante Drehkreuz. „Wir sagen nein zum Drehkreuz und zum Nachtflug“, sagte der Bürgermeister von Blankenfelde-Mahlow, Ortwin Baier. Die handelnden Politiker Klaus Wowereit, Matthias Platzeck und Bundeskanzlerin Angela Merkel wollten die Anwohner des Flughafens „total verlärmen“. Der Demonstrationszug nahm seinen Ausgang in Schönefeld und zog dann zum derzeitigen Abflugterminal des Flughafens. Direkt davor sperrten die Demonstranten die B96a mit einer rund zehnminütigen Sitzblockade.

Demonstranten fordern Nachtflugverbot

Die Bürgerinitiative Schallschutz aus Rangsdorf hatte die Demonstration angemeldet. Sie wurde am Sonnabend von mehr als 20 Bürgerinitiativen aus Berlin und dem Umland unterstützt. „Wir haben ein Recht darauf, in gesunden Verhältnissen zu leben“, sagte Baier. Wer einen Großflughafen mit internationalem Drehkreuz haben wolle, müsse sich einen neuen Standort suchen“, sagte der Bürgermeister unter dem Applaus der Demonstranten. „Mit uns nicht. Wir sind das Volk“, schloss Baier.

Die Großdemo fand zum vierten Mal statt. Die Flughafengegner werfen dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (beide SPD) vor, die tatsächlichen Flugrouten jahrelang verschleiert zu haben. Die Demonstranten fordern außerdem ein Nachtflugverbot. „Lärm tötet – fünf Stunden Schlaf sind zu wenig“, stand auf mehreren Plakaten. Der Unmut der Demonstranten richtet sich zunehmend gegen Platzeck und Wowereit. Sie hätten durch jahrelanges Schweigen die tatsächlichen Flugrouten und die tatsächliche Größe des Flughafens verschwiegen, warfen die Flughafengegner den Regierungschefs vor.

Standort infrage gestellt

Andere Initiativen stellen gar den gesamten Standort Schönefeld infrage. Sollte der Ausbau Schönefelds wie geplant erfolgen, sind nach Angaben der Initiatoren Umsiedlungen von zehntausenden Menschen aus Rangsdorf, Zeuthen und anderen Brandenburger Gemeinden nötig.

Die Veranstalter sprachen von 10.000 Demonstrationsteilnehmern, Augenzeugen wollen deutlich weniger gezählt haben. Am Kundgebungsort vor der Kirche in Schönefeld gab es Rostbratwürste und Eis. Mehrere Teilnehmer hatten sich in Anlehnung an die Star-Wars-Filme als „Darth Wowi“ und „Darth Platzeck“ verkleidet. Zur Unterstützung ihrer Forderung nach weniger Fluglärm begann die Versammlung mit einem Vogelgezwitscher aus der Musikanlage, das von ohrenbetäubendem Fluglärm abgelöst wurde. „Der Protest richtet sich gegen das verlorene Vertrauen in die Politik“, sagte Baier.

Am Vortag hatten sich bereits mehrere Gemeinden aus dem Südwesten ebenfalls gegen die geplanten Flugrouten gewandt. Der Bezirk Steglitz-Zehlendorf, die Stadt Potsdam, und die südwestlich Berlins liegenden Kommunen fordern, dass die Flugzeuge, die vom künftigen Hauptstadtflughafen BBI abheben, westlich des Berliner Autobahnrings Richtung Norden schwenken. Dafür sprachen sich Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD), der Bürgermeister von Steglitz-Zehlendorf, Norbert Kopp (CDU), Teltows Bürgermeister Thomas Schmidt, Kleinmachnows und Stahnsdorfs Bürgermeister Michael Grubert aus.

Neuer Ärger für Wowereit

Am Montag tagt die Fluglärmkommission und wird sich erneut mit den Flugrouten beschäftigen. Die Deutsche Flugsicherung sah in ihrer bisherigen Planung den Überflug von Wannsee am sogenannten Orientierungspunkt „Noost“ über der Wannseebrücke vor. Doch auch dort ist der Protest dagegen groß.

Neuem Ärger sieht sich auch Klaus Wowereit ausgesetzt. Wie jetzt bekannt wurde, drohte er 2004 dem damaligen Bezirksbürgermeister von Treptow-Köpenick mit disziplinarischen Folgen, sollte der Bezirk an einer Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss des Flughafens festhalten. Wowereit und andere Senatoren hatten Klaus Ulbricht (SPD) in mehreren Briefen mitgeteilt, für Fragen des Feststellungsbeschlusses nicht zuständig zu sein. Nach Auffassung des Bezirkes waren die Schallschutzmaßnahmen für Kitas und Schulen nicht ausreichend geregelt. Die Bezirkspolitiker wollten mit der Klage eine Verbesserung des Schallschutzes für die betroffenen Anwohner erreichen. Der Bezirk beugte sich schließlich dem Druck der Landespolitiker.