Maybachufer

Genervte Anwohner wollen nicht noch einen Markttag

Der "Türkenmarkt" am Neuköllner Maybachufer ist berlinweit bekannt: Jetzt soll noch ein Stoffmarkt dazukommen. Doch die Anwohner wollen keinen dritten Markttag. Sie stören Abfall, Lärm und die problematische Postzustellung.

Foto: Olaf Wagner / Olaf Wagner/Pressefoto Wagner

Ein neuer Markt am Neuköllner Maybachufer stößt auf Widerstand bei den Anwohnern. Es geht um den „Neuköllner Stoff“, ein Markt, auf dem die Händler ihre Waren in Abteilungen sortiert nach Stoffen, Kurzwaren und selbst hergestellten regionalen Designartikeln anbieten. Bemalte Bettlaken hängen aus den Fenstern der Häuser zwischen dem Kottbusser Damm und der Schinkestraße. Grundtenor der Aussage: Der dritte Markt muss weg! Denn bereits dienstags und freitags findet auf diesem Straßenabschnitt des Maybachufers der Markt „BiOriental“ statt. Ein Wochenmarkt, der sich großer Beliebtheit erfreut, nicht zuletzt deswegen aber auch die Nerven der Anwohner strapaziert.

„Wir wollen diesen Markt am Sonnabend hier nicht haben“, sagt Anwohnerin Connie Voigt. „Es ist ein schöner Markt und es gibt auch keine Kritik an der Qualität, aber es ist einer zu viel.“ Nach Angaben Voigts haben sich mittlerweile 50 Nachbarn zusammengetan, um gegen den neuen Markt vorzugehen. Es habe bereits Gespräche mit dem Marktveranstalter gegeben und auch Treffen der Betroffenen. „Als ich im vergangenen Jahr hergezogen bin, wusste ich von zwei Märkten“, sagt sie. „Selbst mein Vermieter wusste nichts von dem dritten Markt. Man ignoriert komplett die Bedürfnisse der Anwohner.“

Veranstalter sucht Lösungen

Rainer Perske, der den neuen Markt konzipiert hat, weiß längst um die Probleme und sucht Lösungen. Der 48 Jahre alte Marktbetreiber organisiert Wochenmärkte – momentan sind es zwölf, davon acht allein in Neukölln. Bevor er Ende Oktober 2010 mit seinem „Neuköllner Stoff“ an den Start ging, hatte er sich viele Gedanken gemacht: „Ich weiß schließlich, dass Märkte wichtig für die Stadtentwicklung sind, aber auch immer einen Eingriff in den Standort darstellen.“ Dass der Protest allerdings so massiv werden würde, damit hatte er nicht gerechnet. Den Sonnabend hatte Perske als Markttag ausgesucht, weil es oft der einzige Tag der Woche ist, an dem Pärchen und Familien gemeinsam einkaufen gehen. So setzte er darauf, dass auch viele Anwohner mit Auto sonnabends selbst noch unterwegs sind. Von Anfang habe es aber auch ein striktes Lärmverbot gegeben. „Designer schreien nicht“, sagt Perske.

Doch trotz aller Vorkehrungen kochte schon wenige Wochen nach der Eröffnung der Ärger hoch. „Wir haben daraufhin die Aufbau- und Öffnungszeiten verändert, damit die Anwohner ihr Auto länger stehen lassen können.“ Nun ist von 11 bis 17 Uhr statt von 10 bis 16 Uhr geöffnet, zwei Stunden davor und danach werden die Stände auf- und abgebaut. Außerdem schlug Perske vor, in der Schinkestraße zusätzliche Parkplätze zu schaffen, indem dort die Wagen nicht längs, sondern quer zum Bürgersteig parken. Das Bezirksamt prüft diesen Vorschlag gerade.

Doch es sind offenbar die vielen negativen Punkte der Märkte am Dienstag und Freitag, die zum Widerstand gegen den dritten Markt geführt haben. So soll es in der Woche auch Probleme mit der Post geben, die an den Markttagen nicht ausliefert. Außerdem gebe es ein Müllproblem. Abfall lande teilweise sogar in Hausfluren. Und einzelne Händler hätten ihre Fahrzeuge schon nachts um 2 oder 4 Uhr gebracht. „Diese Auswüchse kannten wir nicht, jetzt achten wir strikt auf die Einhaltung der Vorschriften“, versichert Perske. Die Händler dürften dienstags und freitags erst ab 9 Uhr aufbauen.

Perske will mit den Anwohnern im Gespräch bleiben und einen neuen Marktmeister einstellen, der nur für die Märkte am Maybachufer zuständig sein soll. Im Gegensatz zu den Anwohnern, die fürchten, dass der Markt genauso erfolgreich werden könnte wie der „Türkenmarkt“, ist Perske noch nicht ganz sicher, ob er dauerhaft genügend Kundschaft bringen wird: „Wir müssen den Sommer abwarten. Das Konzept finde ich nach wie vor klasse, aber es ist ein neues Produkt und wir haben noch keine Erfahrungswerte.“

Für die organisierten Nachbarn gibt es nur wenige Lösungen für den Markt am Sonnabend. Eine davon ist, den Markt auf die andere Seite des Landwehrkanals zu verlegen oder auf einen anderen Straßenabschnitt des Maybachufers, weg vom Kottbusser Damm. „Es muss sich nicht alles hier abspielen. Der Markt kann doch auch hinter die Schinkestraße verlegt werden“, sagt Voigt. „Wir werden alle juristischen Möglichkeiten prüfen lassen.“