BBI-Flugrouten-Streit

Lärmkommission streitet über Wannsee-Routen

Die Fluglärmkommission tagt wieder. Sie soll die letzten Fragen im Streit über die BBI-Flugrouten klären. Bürgermeister verschiedener Berliner Bezirke fordern, dass die Flugzeuge westlich der A10 und in keinem Fall über den Wannsee oder Potsdam fliegen sollen.

Der Bezirk Steglitz-Zehlendorf, die Stadt Potsdam, und die im Südwesten Berlins gelegenen Kommunen sind sich einig: Flugzeuge, die vom künftigen Hauptstadtflughafen BBI abheben, müssen westlich des Berliner Autobahnrings geführt werden, wenn sie Ziele im Norden, Nordosten oder Osten ansteuern.

Das forderten am Freitag Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD), der Bürgermeister von Steglitz-Zehlendorf, Norbert Kopp (CDU), Teltows Bürgermeister Thomas Schmidt, Kleinmachnows und Stahnsdorfs Bürgermeister Michael Grubert und Bernd Albers sowie der Landrat von Potsdam-Mittelmark, Wolfgang Blasig. Eingeladen hatten sie zu einer gemeinsamen Pressekonferenz in Potsdam. „Damit bekräftigen wir einen bereits im Februar in die Fluglärmkommission eingebrachten Antrag“, sagte Jakobs.

Noch ist offen, ob Flugzeuge, die von der Nordbahn des künftigen BBI in Richtung Westen starten, über Wannsee, Potsdam oder westlich der Landeshauptstadt und des Autobahnrings geführt werden, wenn ihr Ziel im Norden oder Osten liegt.

Wannsee soll umflogen werden

Wenn am Montag die Fluglärmkommission erneut tagt, soll diese letzte wichtige Frage im Streit über die BBI-Flugrouten geklärt werden. Die Deutsche Flugsicherung sah in ihrer bisherigen Planung den Überflug von Wannsee am sogenannten Orientierungspunkt „Noost“ über der Wannseebrücke vor. Doch der Protest im Südwesten Berlins dagegen ist groß. Auch die Potsdamer und Anrainerkommunen befürchten, überflogen zu werden. Mit der gemeinsamen Erklärung und Forderung vom Freitag soll nun mit einer Stimme in der Fluglärmkommission gesprochen werden.

„Abfliegende Flugzeuge, egal welchen Typs, sollen erst aus dem Zugriff der Flugsicherung entlassen werden, wenn sie mindestens 10.000 Fuß erreicht haben“, forderte Jann Jakobs. Bislang liegt diese Grenze bei 5000 Fuß (1700 Meter) und in Höhe von Großbeeren. Erst dann dürfen Piloten eigenständig in den Flugkorridor „abbiegen“. Bliebe es bei 5000 Fuß, würden Flugzeuge unweigerlich bereits über Stahnsdorf, Teltow, dem südlichen Potsdam oder der Havelregion abknicken, befürchtet Jakobs.

Forschungsreaktor als Risikofaktor

Weiteres Risiko: Der Forschungsreaktor des Helmholtz-Zentrums in Wannsee würde bei der kurzen Variante überflogen. Für Potsdams Stadtverordnete ist das mit Blick auf die Reaktorkatastrophe in Japan keine Option. „Setzt sich die von uns favorisierte Variante von 10.000 Fuß mit der längsten Abflugroute durch, werden die Flugzeuge so weit wie möglich westlich des südwestlichen Autobahnrings A10 – parallel zur Autobahn - geführt“, sagt Jakobs. Gerade einmal 28 nautische Meilen betrage der Unterschied zu den bisherigen Plänen der Deutschen Flugsicherung.

Schutz der Bevölkerung wichtiger als wirtschaftliche Interessen

Argumente wie ein erhöhter Ausstoß von Kohlendioxid und Kerosin wollen Jakobs und Mitstreiter nicht gelten lassen. Wegen des geringeren Steigungswinkels aufgrund einer längeren Strecke würde auch weniger Treibstoff verbraucht. Die Forderung, dass die Flugsicherung erst bei 10.000 Fuß eine Freigabe erteilen soll, sei zwar im internationalen Luftverkehr ein Novum, allerdings habe die Deutsche Flugsicherung eine solche Möglichkeit – nach Anfrage – grundsätzlich nicht ausgeschlossen. Zumal der Flughafen Berlin-Tegel an Sonn- und Feiertagen längst schon eine Freigabe erst bei 8.000 Fuß praktiziere. Nach Angaben von Kleinmachnows Bürgermeister Michael Grubert sind es derzeit 50 Flugzeuge am Tag, die von der neuen Routenführung betroffen wären.

„Wirtschaftliche Interessen dürfen erst nach dem Schutz der Bevölkerung und deren Gesundheit eine Rolle spielen. Das haben auch die Flughafeneigentümer immer wieder bekräftigt“, sagte Grubert. Die Potsdamer Initiative fordert daher das Land Brandenburg auf, im Bundesrat eine Gesetzesinitiative des Landes Rheinland-Pfalz zu unterstützen, in dem der Schutz der Bevölkerung in den Nachtstunden gestärkt werden soll.