Charité

Beatmungsgeräte für H1N1-Patienten werden knapp

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Alexander Krex

Schweinegrippe-Erkrankte bekommen häufiger schwere Lungenentzündungen. Das bekommt die Charité zu spüren. Dort werden die Geräte zur künstlichen Beatmung knapp. Die Senatsverwaltung für Gesundeheit hält die H1N1-Welle dennoch für überstanden.

Die Schweinegrippe-Welle ist nicht vorbei, sagt Claudia Spies. Als Indiz führt die Leiterin des ARDS-Zentrums (ARDS steht für akutes Lungenversagen) in der Charité, Campus Virchow-Klinikum, die derzeit hohe Auslastung der Lungenersatzmaschinen an. Seit dem Anstieg der H1N1-Fälle Anfang November habe das Zentrum, das schwer Lungenkranke behandelt, fast so viele Patienten an Lungenersatzgeräte anschließen müssen wie sonst in einem ganzen Jahr.

Normalerweise müssten nur 30 bis 40 Personen jährlich an die Beatmungsmaschinen. Die aktuelle Häufung dieser Fälle - 2009 sind es bisher 55 - führt sie auf die Schweinegrippe zurück: „Das neue Virus prädestiniert zu solch schweren Formen der Lungenentzündung.“

Am Mittwoch hing das Leben von sieben H1N1-Patienten vom Dienst der Lungenersatzmaschinen ab. Unter ihnen seien Schwangere, junge Männer und Risikopatienten mit Vorerkrankungen, sagte Spies. „Momentan haben wir im ARDS-Zentrum nur noch eine freie Lungenmaschine zur Verfügung.“ An die Maschinen werden Patienten angeschlossen, deren Lungen so entzündet sind, dass sie nicht mehr in der Lage sind, genug Sauerstoff aufzunehmen beziehungsweise Kohlendioxid abzuatmen. Der Sauerstoff fehlt dann im Blut, was zu einer Unterversorgung wichtiger Organe wie des Gehirns oder der Niere führen kann.

Aufgrund der aktuellen Situation ist der Status des ARDS-Zentrums Virchow im Internet mit „gelb“ angegeben. Das heißt: „Übernahme eventuell möglich“. Auf einer Webseite werden die Kapazitäten aller deutschen Standorte mit Lungenersatzmaschinen angezeigt. Weil auch in anderen Teilen der Republik momentan vergleichsweise viele Menschen auf die Lungenmaschinen angewiesen sind, wurde kürzlich ein 34 Jahre alter Hamburger ins Virchow-Klinikum geflogen. In der Hansestadt waren alle Maschinen belegt. Vor diesem Hintergrund rät Claudia Spies auch jetzt noch zur Impfung gegen H1N1.

Die Senatsverwaltung für Gesundheit dagegen spricht davon, dass die H1N1-Welle, die im Herbst begann, überstanden sei. Seit auftreten des Virus im Sommer gebe es 7928 bestätigte Schweinegrippeerkrankungen in Berlin. Sprecherin Regina Kneiding sagt, die Zahl der Neuerkrankungen sei jüngst „stark abgefallen“. Auch deshalb, weil sich viele Berliner hätten impfen lassen.