Uferstreit

Spandau kauft Hälfte des Groß Glienicker Sees

Auf der Berliner Seite des Groß Glienicker Sees wird es keine Ufersperrung geben. Der Bezirk Spandau hat die Hälfte des Gewässers von einem privaten Eigentümer gekauft. Darüber sind allerdings nicht alle Spandauer erfreut.

Foto: Amin Akhtar

Das Bezirksamt Spandau hat den Berliner Teil des Groß Glienicker Sees im Ortsteil Kladow von dem privaten Eigentümer gekauft. Nach einer Mitteilung des zuständigen Umweltstadtrates Carsten-Michael Röding (CDU) gehen alle Rechte und Pflichten an dem Gewässer vom 1.Januar 2011 auf den Bezirk über. Den Kaufpreis von 255000 Euro wird Spandau aus Mitteln finanzieren, die Investoren für Ausgleichsmaßnahmen bei baulichen Eingriffen in die Natur an die Bezirkskasse zahlen mussten.

Der Kauf sei „ein Zeichen für die Natur und das Naturerlebnis durch die Allgemeinheit“, sagte Röding. Mit dem Erwerb des Sees habe der Bezirk erfolgreich verhindert, dass ein privater Käufer am See kommerzielle Interessen verfolgen oder sogar Uferbereiche absperren könne.

Die Berliner Gewässerhälfte gehörte seit 1978 einem Kladower, der am Groß Glienicker See auch ein Ausflugslokal betreibt, sich nun aber aus Altersgründen zurückziehen will. Mitten durch den 66 Hektar großen See ging die innerdeutsche Grenze, heute verläuft dort die Landesgrenze zwischen Berlin und Brandenburg. Auf Brandenburger Seite haben Anrainer den Uferweg gesperrt. Sie streiten mit der Stadt Potsdam über den öffentlichen Zugang. Am Berliner Seeufer wehren sich Grundstückseigentümer dagegen, dass der Bezirk den Abbau ihrer Stege verlangt.

Die Kladower „Initiative Pro Groß Glienicker See“ hatte mit Beschwerden beim Finanzsenator und dem Landesrechnungshof vergeblich versucht, einen Ankauf des Sees durch den Bezirk zu verhindern. Drei Eigentümer von Seegrundstücken wollten das Gewässer sogar selbst erwerben. Das Angebot habe deutlich über dem des Bezirks gelegen, sagt Horst Call von der Anwohnerinitiative. Allerdings hatte die Spandauer Verwaltung darauf gepocht, dass ihr nach Bundesnaturschutzgesetz ohnehin ein Vorkaufsrecht für den See zustehe.

Anwohner Call findet es „skandalös, dass ein Bezirk, der finanziell in einer so problematischen Lage ist, viel Geld für einen See ausgibt“. Er wirft dem Bezirk „völlige Kompromissunfähigkeit“ bei den Gesprächen vor und fürchtet eine harte Gangart, wenn der Bezirk Seeeigner ist. Stadtrat Röding wies das zurück: „Wir werden weiter verhandeln.“ Es werde keine Schnellschüsse geben. hel