Deutschlandhalle

Architekturwettbewerb beginnt schon mit Ärger

Auf dem Areal der Deutschlandhalle wird eine neue Halle gebaut. Für den Architekturwettbwerb sind drei Planungsbüros bereits gesesetzt. Und das sorgt für Ärger. So hat eines von ihnen in der Vergangenheit bereits ein Gutachten zur Messe erstellt - und selbst den Abriss der Deutschlandhalle empfohlen.

Die Deutschlandhalle ist noch nicht abgerissen, da bahnt sich bereits der nächste Konflikt an. Das jetzt von der Messe Berlin eröffnete Auswahlverfahren für den Architekturwettbewerb der neuen Messehalle auf dem Areal des Denkmals stößt bei Bauexperten auf heftigen Widerstand.

Der Architekten und Ingenieurverein zu Berlin (AIV), Wettbewerbfachleute und Architekten kritisieren, dass bereits drei der 18 gesuchten Planungsbüros vor Abschluss des Bewerbungsverfahrens feststehen. Besonders pikant: Die drei schon ausgewählten Büros waren zuvor an Gutachten und Machbarkeitsstudien der Messe Berlin für das ICC oder die Deutschlandhalle beteiligt. Allen voran Gerkan, Marg und Partner Architekten (GMP). Die weltweit renommierten Planer plädierten nicht nur für den Abriss der Deutschlandhalle. Sie legten 2005 mit dem ICC-Gutachten bereits den Entwurf für einen Messe-Neubau, das sogenannte Deutschland Convention Center (DCC), auf dem Areal der Deutschlandhalle vor.

„Es ist unverständlich, dass ausgerechnet Gutachter der Messe Berlin, die im Falle von GMP sogar den Abriss der Deutschlandhalle empfohlen haben, jetzt für die Teilnahme am Wettbewerb des Neubaus gesetzt sind“, sagt Uwe Hameyer, Vorstandsmitglied im AIV. Er betont: „Das wirkt ja fast so, als ob die Messe bereits einen Favoriten hat.“ Die Kosten für den vor fünf Jahren vorgelegten GMP-Entwurf waren mit 62,8 Millionen Euro beziffert. Im aktuellen Bewerbungsverfahren sucht die Messe jetzt Planer einer „kongresstauglichen Messehalle“, deren Kosten mit 65 Millionen Euro veranschlagt sind. Neben GMP Architekten stehen das Berliner Büro „KSPArchitekten Jürgen Engel“ sowie aus Potsdam das Büro „Dietz Joeppien Architekten AG“ schon vorab auf der Teilnehmerliste. Die restlichen 15 Büros werden von einer Jury aus den Bewerbungen gewählt. „Die Auswahl der Gutachter-Büros wirft kein gutes Licht auf die Messe Berlin“, sagt Uwe Hameyer vom AIV. Auch die Berliner Architektin Theresa Keilhacker bemängelt: „Das ist kein faires Wettbewerbsverfahren, diese Büros haben eindeutig einen Vorteil“. Keilhacker, Vorsitzende des Rats für Stadtentwicklung, fordert zudem „grundsätzlich offene Wettbewerbe für solche Großprojekte, damit auch jüngere Büros endlich einmal eine Chance haben“.

Auch bei Wettbewerbsexperten stößt das Verfahren auf Kritik. Ein im Berliner Vergabeverfahren tätiger Fachmann wertet die Teilnahme der Gutachter-Büros als „äußerst problematisch. Die in der geltenden Vergabeverordnung vorgeschriebene Chancengleichheit ist dadurch gefährdet“, sagt der Insider, der anonym bleiben möchte. Zwar gebe es für solche Fälle die Pflicht für einen Informationsabgleich, das heißt: alles, was einigen bereits an Plänen, Gutachten und Daten vorliege, müsse allen Teilnehmern zugänglich gemacht werden. „Doch Gutachter verfügen durch die bereits geleistete Arbeit und bestehende Kontakte über ein größeres Insiderwissen und sind einfach im Vorteil“, sagte der Experte gegenüber Morgenpost Online.

Dabei geht es auch anders. Der Fachmann verweist auf die Vorgehensweise auf Bundesebene. „Dort bemüht man sich um eine saubere Trennung, indem die Gutachter den Verzicht auf Nachfolgeaufträge, die sich aus ihren Empfehlungen ergeben könnten, erklären.“ Berater oder Gutachter müssen unabhängig sein, sagt der Wettbewerbsexperte und betont. „Es ist unmöglich, dass ein Büro möglicherweise unmittelbaren wirtschaftlichen Nutzen aus seiner Empfehlung zieht“. Wie eine Mitarbeiterin des Bundesbauministeriums bestätigt, gebe es bei Wettbewerbsverfahren zuweilen „Grauzonen“.

Senat verweist die Messe - die Messe auf den Senat

Der Auslober des Bewerbungsverfahren, die Messe Berlin GmbH, gibt sich dessen ungeachtet gelassen. „Warum sollte ein in Messebauten erfahrenes Büro wie das von Gerkan, Marg und Partner Architekten, das ein Gutachten erstellt hat, später nicht auch am Wettbewerb teilnehmen“, sagt Messesprecher Michael Hofer. „Ich sehe da keinen Konflikt, das ist doch legitim“, sagt er. Der Leiter des Berliner Büros von „KSP Architekten“ kann die Kritik am Verfahren ebenfalls nicht nachvollziehen. „Wir haben ein Gutachten für die Sanierung des ICC bei laufendem Betrieb erstellt, uns dabei aber gar nicht mit der Deutschlandhalle befasst“, sagt Axel Lohausen und leistet sogar Schützenhilfe für GMP. „Das ist ein renommiertes und weltweit erfahrenes Büro. Warum soll es an dem Wettbewerb nicht teilnehmen?“

Wer die drei Büros aus welchen Gründen ausgewählt habe, weiß man bei der Messe nicht. „Da habe ich keine Ahnung, da müssen Sie bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung fragen“, sagt Hofer. Bei der Senatsverwaltung wird der Ball wiederum zurückgegeben. „Das weiß die Messe, sie ist Auslober, wir sind nur für die formale Abwicklung des Verfahrens zuständig“, sagt Petra Rohland. Auch hinsichtlich des Abrisses verweist die Sprecherin von Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg-Junge Reyer (SPD) auf die Messe. Dort heißt es nur: „Das wissen wir nicht. wir hoffen aber, dass das jetzt schnellstens über die Bühne geht, denn wir brauchen endlich Planungssicherheit“, sagt Messesprecher Michael Hofer.

Ob das Wettbewerbsverfahren jetzt jedoch wie geplant realisiert wird, ist unklar. So sagt der Vorsitzende des Wettbewerbausschusses der Berliner Architektenkammer, Fritz Protzmann, auf Nachfrage: „Wir müssen die angesprochenen Punkte prüfen.“ Eins steht für Protzmann bereits fest: „Die jungen Architekten haben hier wieder keine Chance“.