Bin Ladens Tod

Berlin geht von unveränderter Gefahrenlage aus

Nach der Tötung von Terrorchef Osama bin Laden haben seine Anhänger Vergeltung angekündigt. Die Berliner US-Botschaft ist in Alarmbereitschaft. Berlins Innensenator Körting glaubt dagegen, dass nichts Wesentliches an der Gefährdungslage geändert hat.

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Bundesinnenminister Friedrich geht nicht von einer höheren Anschlagsgefahr in Deutschland nach dem Tod Osama Bin Ladens aus.

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Unbeeindruckt von der Nachricht über die Tötung des Terroristenführers Osama bin Laden posieren die Touristen in Berlin auf dem Pariser Platz vor der US-Botschaft mit Micky Maus und Darth Vader. Auch für die Berliner Sicherheitsbehörden bringt die US-Militäraktion in Pakistan, bei der der Al-Qaida-Chef getötet wurde, keine neue Situation. „Im Grunde hat sich durch den Tod Osama bin Ladens an der Gefahrensituation nichts Wesentliches geändert“, sagte Innensenator Ehrhart Körting (SPD).

„Wir haben nach wie vor eine abstrakte hohe Gefährdung.“ Körting warnte davor, von einer „sensationellen Erhöhung der Gefährdungssituation“ zu sprechen. Die Gefahr sei auch bislang nicht so sehr von Bin Laden selbst ausgegangen, sondern von der durch ihn geprägten Ideologie. „Die terroristische Ideologie wird sich durch den Tod seines Flaggschiffs nicht ändern“, meinte Körting.

Botschaft schweigt zu zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen

Die diplomatische Vertretung der USA ist am Montag dagegen auf Weisung der US-Regierung in Alarmbereitschaft versetzt, denn Experten rechnen nach dem Tod des Al-Qaida-Chefs mit Vergeltungsschlägen. Im Botschaftsgebäude neben dem Brandenburger Tor herrscht aber auch Erleichterung über die Meldung vom Tode Bin Ladens. Ob deswegen nun zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen getroffen wurden, wollte Botschaftssprecher Bruce Armstrong nicht kommentieren. Generell sind die Vorkehrungen aber immer sehr streng, sagte er.

Wowereit wertet Tötung als „positives Zeichen“

US-Botschafter Philip D. Murphy bezeichnete den Tod Osama Bin Ladens als „Erfolg für alle Menschen, die nach einem Leben in Frieden, Sicherheit und Würde streben“. Der Terrorist habe „sein Leben dem Töten unschuldiger Menschen und der Verhinderung des menschlichen Fortschritts gewidmet“. Die USA befänden sich nicht im Krieg mit dem Islam „und werden das auch nie sein“, betonte Murphy: „Sie befinden sich im Krieg mit al-Qaida, einer terroristischen Vereinigung.“

Auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) bewertete die Tötung Bin Ladens, der „einer der gefährlichsten Terroristen der Welt“ gewesen sei, als „positives Zeichen“. Er warnte zugleich vor der Illusion, sei jetzt besiegt.

Vorerst keine Demonstrationen angemeldet

Nach Polizeiangaben gab es zunächst keine Anmeldungen für Demonstrationen vor dem Botschaftsgebäude, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Vor dem Weißen Haus in der US-Hauptstadt Washington wie auch auf Ground Zero in New York hatten sich bereits in der Nacht Hunderte Menschen versammelt, um den Tod des Chefs der Terrororganisation Al Kaida zu feiern.