Wiedereröffnung

Sanierung von Schloss Schönhausen ist beendet

Das Schloss Schönhausen wird nach fast fünf Jahre dauernder Sanierung wiedereröffnet. Von Sonnabend an ist das Haus als Museum und Veranstaltungsort für alle Berliner wieder geöffnet. Der Amtssitz des ersten DDR-Präsidenten stammt in Teilen von 1664.

Ein Hauch von DDR-Mief streift durch Schönhausen. Er kommt aus dem ersten Stock des renovierten Schlosses und ist durchaus gewollt. Hier hatte einst der erste DDR-Präsident Wilhelm Pieck (1876-1960) seinen Amtssitz. Das Arbeitszimmer ist der Teil des Museumsschlosses, auf dessen Wiederherstellung die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg besonders stolz ist. Nach fast fünfjähriger Sanierung ist Schönhausen in Pankow von Sonnabend an als Museum und Veranstaltungsort für alle geöffnet.

Es ist ein Ort der Kontraste geworden. Stilrichtungen und Farben wechseln einander von Raum zu Raum ab. Neben Piecks Arbeitszimmer, dessen Einrichtung auch schon zu DDR-Zeiten nicht als modern galt, reiht sich ein Badezimmer mit quietschend-lila Kacheln. An der Wertigkeit der ausgestellten Objekte ändere dieser Stilmix aber nichts, sagt Stiftungssprecher Ulrich Henze. Den 1950 entworfenen Möbeln des DDR-Präsidenten komme eine ebenso große historische Bedeutung zu wie Objekten aus der Zeit Friedrichs des Großen.

Zwei gewundene Treppen führen hinauf in den ersten Stock. Restauratorin Ulrike Eichner findet das in Nussbaumtönen gehaltene Zimmer Piecks erstaunlich authentisch. „Besonders erfreulich ist, dass es ein Ensemble aus einem Guss ist.“ Ein Absperrband an der Tür sorgt dafür, dass niemand den mit Sternen verzierten ziegelroten Teppich betritt. Schließlich sind alle Stücke Leihgaben des Deutschen Historischen Museums, wenn auch auf Dauer.

Die verschiedenen Stile im Inneren spiegeln Schönhausens bewegte Geschichte wider. Seit dem späten 17. Jahrhundert ist das lachsfarbene Schloss immer wieder renoviert und umgebaut worden. Auch der Schlossgarten, durch den sich das Flüsschen Panke seinen Weg bahnt, unterlag zahlreichen Veränderungen: Einmal gefiel er den Besitzern im streng geometrischen holländischen Stil, dann wieder als französischer Barockgarten, später sollte es ein Landschaftsgarten sein. Bald soll er wieder so aussehen wie in den 1950er Jahren – ein Garten der Moderne, mit Staudenbeeten und einem Wasserbecken.

Der Kernbau von Schönhausen entstand 1664 als zweigeschossiges „Petit Palais“ auf dem Niederschönhausener Rittersitz der preußisch- holländischen Gräfin Sophie Dorothea zu Dohna – vor der Wende hieß das Schloss auch Niederschönhausen. Später prägte vor allem Königin Elisabeth Christine das Schloss. Sie nutzte es von 1740 knapp 60 Jahre lang als Sommerresidenz. In einigen Räumen zeigt die Stiftung heute Möbel, Tapeten und Gemälde aus der Zeit der Königin.

Später folgten lange Jahre, in denen das Schloss nur sporadisch genutzt wurde. In der Nazizeit diente Schönhausen zeitweise als Depot für sogenannte „Entartete Kunst“. Es gehört zu den wenigen Berliner Schlossbauten, die den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden.

Nachdem das Gebäude von 1949 bis 1960 DDR-Präsident Pieck als Amtssitz gedient hatte, wurde es als Gästehaus für Staatsbesuche genutzt. An diese Zeit erinnert heute ein Appartement mit Ankleidezimmer und Schlafzimmern, in denen einst politische Größen wie Fidel Castro und Michail Gorbatschow übernachteten. Politische Bedeutung bekam Schönhausen noch einmal in der Wendezeit, als dort der „Runde Tisch“ zusammenkam, um über eine politische Neugestaltung in der DDR zu beraten. Das Schloss war außerdem Verhandlungsort von Teilen der „Zwei-plus-Vier“-Gespräche zwischen den beiden deutschen Staaten und den vier Siegermächten des Zweiten Weltkrieges.

Nicht jeder Raum ist so imposant ausgestattet wie Piecks Arbeitszimmer. „Die meisten Zimmer bleiben relativ leer“, sagt Henze. Besonderes Augenmerk verdienen vielmehr die mit Liebe zum Detail restaurierten Stuckarbeiten, die kunstvoll verschnörkelten Spiegel und die freigelegten Tapeten. Einige Räume wie der große Festsaal sollen für Kulturveranstaltungen vermietet werden.

Tschaikowskistraße 1, Öffnungszeiten: Montag geschlossen, Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr. Eintritt: 6 Euro, ermäßigt 5

Schloss Schönhausen

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