Wirtschaftsstandort

Berlin lockt weniger neue Unternehmen an

Das Land Berlin bekommt die Folgen der Krise zu spüren: Die Zahl der geplanten Firmen-Ansiedlungen sinkt. Doch immerhin wurden im letzten Jahr 2020 neue Arbeitsplätze in der Stadt geschaffen. Das Investitionsvolumen lag bei rund 138 Millionen Euro - deutlich weniger als im Vorjahr.

Die halbstaatliche Wirtschaftsfördergesellschaft Berlin Partner hat nach dem Rekord 2008 im Krisenjahr 2009 bei der Zahl der Ansiedlungen, der neuen Arbeitsplätze und der Summe der Investitionen einen deutlichen Einbruch erlebt. Dennoch habe man 77 Ansiedlungen und Expansionen von bereits in Berlin aktiven Unternehmen betreut, sagte Berlin-Partner-Geschäftsführer René Gurka: „Das ist erfreulich, es hätte auch anders ausgehen können.“ Von den betreuten Unternehmen haben zwei Drittel Berlin als Firmensitz gewählt. Die übrigen betreuten Firmen, die bereits in Berlin ansässig waren, sind gewachsen.

2020 neue Arbeitsplätze planten die Unternehmen. Investitionen von 138 Millionen Euro seien in der Stadt zugesagt, darunter 89 Millionen im Sektor Industrie, Mobilität und Green Economy. Im Vorjahr hatte Berlin Partner mehr als 128 Ansiedlungen mit 5900 neuen Jobs verkündet. Die einzelnen Vorhaben seien 2009 deutlich kleiner gewesen als im Vorjahr, räumte Gurka ein.

Zuzug von ausländischen Firmen

Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke), Aufsichtsratschef bei Berlin Partner, sprach trotz der sinkenden Zahlen von einem „guten Ergebnis für ein solches Jahr.“ Im Vergleich mit anderen Wirtschaftsförder-Gesellschaften in Deutschland „sticht das hervor“, sagte Wolf. Vor allem das hohe Interesse ausländischer Unternehmen an Berlin macht Gurka optimistisch. Die Hälfte der erfolgreichen Projekte von 2009 kommt aus dem Ausland. Schon 2008 war Berlin laut einer IBM-Studie nach Nordrhein-Westfalen die Nummer zwei unter den Bundesländern, wenn es um neue Arbeitsplätze durch ausländische Investoren ging. „Die Attraktivität des Standortes ist gegeben“, sagte Gurka, „wir haben im Wettbewerb hohe Chancen“.

Die meisten Vorhaben, die nicht umgesetzt werden konnten, seien zunächst gestoppt oder könnten wegen der Krise derzeit nicht entschieden werden, so der Berlin-Partner-Chef. Nur jedes zehnte Unternehmen, dessen Pläne nicht in Berlin umgesetzt wurden, sei an einen anderen Standort gegangen. Unter den gewonnenen Firmen seien viele kleine mit 30, 60, 80 Arbeitsplätzen, sagte Gurka: „Aber aus einigen werden große Firmen.“ International sei inzwischen bekannt, dass Berlin ein guter Ort sei, um zu wachsen. Weil der Senat den Auftrag von Berlin Partner nach langer politischer Diskussion um die Pflege des Bestandes erweitert hat, können Gurkas Mitarbeiter nun die angesiedelten Unternehmen weiter betreuen und auch die alt eingessenen Firmen unterstützen. Die Mitarbeiter seien eingestellt, auch mit den bezirklichen Wirtschaftsförderern sei die Kooperation gut, sagte Wolf.

Die Interessenten von 2008 kamen zu einem großen Teil aus den für Berlin als besonders wichtig definierten Wirtschaftssektoren: Green Economy, Life Science, Medien und Kreativwirtschaft sowie Dienstleistungen. „Es bestätigt sich, dass die Konzentration auf einige Wachstumsfelder die richtige Strategie ist“, sagte der Wirtschaftssenator. Berlin habe die Wende im Strukturwandel vollzogen.

Senator befürchtet Jobabbau

Wolf bewertete die aktuelle gesamtwirtschaftliche Lage skeptisch. Es bestünden „erhebliche Risiken“, dass Arbeitsplätze im nächsten Jahr abgebaut würden. Die Anzeichen eines Aufschwungs seien noch schwach. Außerdem funktioniere der Bankensektor nach wie vor nicht richtig, weil noch zu viele „toxische Papiere“ im Umlauf seien. Davon sei Berlin allerdings weniger betroffen.

Zu den Firmen, die 2008 nach Berlin kamen, zählt das polnische Bahn-Logistikunternehmen CTL, die Handelsvertretung von Hongkong, die Werbeakademie Miami Ad School, der Suhrkamp Verlag und die Modemesse Bread&Butter. In der Pipeline seien weitere interessante Vorhaben, sagte Gurka, auch aus der Green Economy. Hier gehe es um Elektromotoren für Automobile.

Nach Informationen von Morgenpost Online erwägt Daimler, die neuen Maschinen in seinem Motorenwerk in Marienfelde entwickeln und produzieren zu lassen.