BeMobility

Mit Zug und Elektroauto ökologisch ans Ziel

Leihfahrräder gibt es bei der Bahn bereits, im Frühsommer sollen in Berlin und Potsdam Leihautos hinzukommen. Diese Elektro-Fahrzeuge werden per Handy oder mit einer speziellen Karte zu buchen sein. Zunächst ist eine Testphase geplant.

Wer tagtäglich nicht mit dem Auto, sondern mit S-Bahn, Straßenbahn oder Bus zur Arbeit fährt, darf sich – ökologisch gesehen – schon auf dem richtigen Weg wähnen. Künftig soll es noch einfacher werden, Ressourcen schonend und ohne Schadstoffausstoß zu reisen.

Die Deutsche Bahn AG will dazu im nächsten Jahr an ausgewählten Bahnstationen in Berlin und Potsdam Elektrofahrzeuge stationieren, damit die Reise ebenso bequem wie umweltfreundlich fortgesetzt werden kann. Für ein entsprechendes Pilotprojekt unter dem Namen „BeMobility“ hat das Unternehmen jetzt grünes Licht von der Bundesregierung bekommen, teilte das bundeseigene Eisenbahnunternehmen mit.

An Bahnhöfen in Berlin und Potsdam will die Bahn dazu ein Ausleihsystem für Elektroautos und Fahrräder mit elektrischem Hilfsmotor – sogenannte Pedelecs – aufbauen. Vorbild dafür dürfte das bahneigene Fahrradausleihsystem „Call a bike“ oder das Mietwagensystem „DB Carsharing“ sein. Nur mit dem umweltfreundlichen Unterschied, dass die Mietwagen ihre Kraft nicht aus der Verbrennung von Benzin oder Diesel beziehen, sondern mithilfe von elektrischem Strom beschleunigt werden.

40 Elektroautos zum Ausleihen

Der Start für den auf insgesamt zwei Jahre angelegten Modellversuch soll im Herbst 2010 erfolgen. Bis dahin will die Bahn unter anderem 40 Elektro-Leihautos und 50 Pedelecs anschaffen. Aufgebaut werden außerdem die für das „Auftanken“ von Elektroautos und Fahrrädern notwendigen Stationen. Aus den Ladesäulen an den Haltestellen fließt nach Bahnangaben nur Strom aus erneuerbaren Energiequellen. Wo die Säulen genau stehen werden, ist noch nicht entschieden, so ein Bahn-Sprecher. Aber auch die Strom-Tankstellen, die die Energiekonzerne RWE und Vattenfall aufgebaut haben, können genutzt werden.

Gesucht werden außerdem insgesamt 500 Kunden, die das neue Verleihsystem bis August 2011 testen sollen. Wo sich Interessenten melden können, will die Bahn Anfang des kommenden Jahres bekannt geben. Die Testkunden können – ähnlich wie bei den Leihfahrrädern der Bahn – per Handy oder mit einer speziellen Chipkarte das Auto oder das Pedelec freischalten. Per Handy soll es auch Informationen darüber gehen, wo ein Elektrofahrzeug gerade frei verfügbar und wie der Ladezustand der Batterie ist. Von Letzterem hängt ab, wie weit die Fahrt gehen kann. Ein Elektroauto soll eine Reichweite von bis zu 200 Kilometern haben. Damit könnte der Reisende schon mal einen Ausflug tief ins brandenburgische Umland unternehmen.

Bund fördert mit 615 Millionen Euro

Bereits im Sommer hatte der damalige Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) ein Förderprogramm Elektromobilität angekündigt. 500 Millionen Euro stellt der Bund dafür aus dem Konjunkturpaket II bereit, weitere 115 Millionen Euro kommen aus dem Etat des Bundesverkehrsministeriums. Acht Modellregionen wurden in Deutschland für die unterschiedlichen Projekte ausgewählt, Berlin-Potsdam ist eine davon.

Hier soll nun die Verknüpfung von Angeboten des öffentlichen Nahverkehrs mit dem Individualverkehr getestet werden. „Berlin und Potsdam haben die besten Voraussetzungen dafür“, so der Bahn-Sprecher. Nirgendwo anders in Deutschland gebe es ein so gut ausgebautes Angebot öffentlicher Verkehrsmittel, das schon jetzt an Werktagen von bis zu drei Millionen Fahrgästen genutzt wird. Zudem gibt es eine vergleichsweise hohe Zahl „autofreier“ Haushalte.

Ziel des Bundesverkehrsministeriums ist es, dass auf Deutschlands Straßen in zehn Jahren rund eine Million Elektroautos fahren.

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